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Faraday Future FFZero1: Harte Schale, weißer Kern

Foto: Gregory Bull/ AP/dpa

Ein Sitz, vier Motoren, Raketen-Start Das ist Faradays wahnwitziges 1000-PS-Elektroauto

Über Monate hat der Elektroauto-Neuling Faraday Future geschickt Spannung aufgebaut - nun hat das Unternehmen in Las Vegas sein erstes Fahrzeug vorgestellt. Anders als den erwarteten massenmarkttauglichen Tesla-Fighter präsentierte das Unternehmen einen Supersportwagen . Der hat es allerdings in sich: Extrem flach gestaltet, bringen es die vier Motoren des Einsitzers auf 1000-PS. Von null auf Tempo 100 beschleunigt der "FFZero1" in weniger als drei Sekunden.

Auch was das Interieur angeht, überraschte der Sportwagenbauer. Statt eines Riesen-Touchcreens, wie es einige Konkurrenzfahrzeuge aufweisen, ist das Steuerungsdisplay des "FFZero1" vergleichsweise klein. Kokoonartig umschließt das Cockpit den Fahrer.

Sportwagen mit "sechstem Sinn"

Bei dem Sportwagen soll es nicht bleiben. Der "FFZero1" soll als Versuchsstand für die noch zu entwickelnden weiteren Fahrzeuge dienen, hieß es bei Faraday. Auf der entwickelten Fahrwerks-Plattform könne das Unternehmen "jede Art von Auto" bauen, betonte Faraday-Manager Nick Sampson.

Bei dem Bau von Elektroautos will es Faraday nicht belassen. Das Unternehmen will neben der Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge auch bestehende Mobilitäts- und Besitzmodelle revolutionieren.

Ziel sei es gewesen, ein Auto mit einem "sechsten Sinn" für die Bedürfnisse und Pläne seines Fahrers zu bauen, betonte Faraday. Der erste marktfähige Wagen soll 2017 an den Start gehen

Ungewöhnlich ist es für Elektroautohersteller nicht, mit einem Supersportwagen erst einmal die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Auch Tesla ging zunächst mit einem Sportwagen an den Start.

Neuartige Batterieanordnung

Auch Pläne für ein neues Mobilitätskonzept klangen bei der Präsentation bereits durch. Denn eine der Anforderungen, die Faraday an seine Fahrzeuge stellt, ist, dass sich das Fahrzeug problemlos auf den jeweiligen Fahrer einstellt und sich die persönlichen Konfigurationen problemlos transferieren lassen.

Auch was die Batterie-Struktur angeht, geht Faraday zumindest teilweise neue Wege. Diese sind in verschiedene Module unterteilt, diekettenartig im Zentrum des Wagens verlegt sind. 

Der vom chinesischen Unternehmer Jia Yueting gestützte Konzern hatte im Herbst für Aufregung gesorgt, als er aus dem Nichts heraus den Bau einer Ein-Milliarden-Dollar teuren Fabrik ankündigte, für die er sich mittlerweile Steuervergünstigungen in dreistelliger Millionenhöhe sicherte.

Zudem warb das Unternehmen mit angeblich aktuell rund 750 Beschäftigten reihenweise Manager ab, die bei Unternehmen wie BMW, Tesla, Lotus, Jaguar oder Space X Erfahrungen gesammelt hatten. Chefdesigner Richard Kim beispielsweise arbeitete unter anderem bei BMW an den Elektroautos i3 und i8.

Strategische Partnerschaft mit "chinesischem Netflix"

Yueting ist Gründer des chinesischen Online-Videodienstes LeTV, das als Netflix Chinas gilt. Entsprechend hat Faraday mit LeTV auch eine strategische Partnerschaft geschlossen. Unter anderem wollen die beiden Unternehmen bei der On-Board-Unterhaltung oder dem autonomen Fahren zusammenarbeiten, hieß es auf der CES.

Und genau darüber will Yueting dann wohl auch Geld verdienen. Die Produktion von Elektrofahrzeugen insbesondere der Batterien ist aktuell nämlich noch extrem teuer. Allein Tesla hat laut Bloomberg seit 2007 1,9 Milliarden Dollar Verlust gemacht.

Vor der Präsentation kommt schon die erste Hiobsbotschaft

Kurz vor der Vorstellung des neuen Supersportwagens gab es allerdings auch weniger erfreuliche Nachrichten bei Faraday. Laut Bloomberg hat der Autobauer gerade nach nur wenigen Monaten seinen von SpaceX abgeworbenen Batterie-Architekten Porter Harris verloren.

Faraday ist nicht das einzige Unternehmen in chinesischer Hand, das den internationalen Elektroautomarkt erobern will. So wurde der einstige Tesla-Konkurent Fisker vom chinesischen Milliardär Lu Guanqiu aufgefangen und arbeitet jetzt unter dem Namen Karma weiter.

Die Firma Thunder Power aus Taiwan wiederum stellte auf der diesjährigen Automesse IAA in Frankfurt ihre Limousine vor, deren Cockpit ein enormes Touchscreen dominiert. Und der frühere Rennstallbetreiber NextEV mit Autobauambitionen aus Shanghai heuerte kürzlich den früheren Ford-Europachef Martin Leach an.

mit Nachrichtenagenturen