Elektroauto-Start-up Faraday Future schmeißt deutschen Chef raus

Der einstige BMW-Manager Carsten Breitfeld ritt viele Jahre die E-Auto-Welle. 2021 führte er sogar das schillernde US-Start-up Faraday Future an die Börse. Doch ein Auto ist bis heute nicht auf dem Markt und das Geld fast weg. Nun soll es ein Chinese richten.
Mover: Bei BMW gehörte Carsten Breitfeld zur Elektroelite und suchte dann sein Glück als CEO diverser Start-ups

Mover: Bei BMW gehörte Carsten Breitfeld zur Elektroelite und suchte dann sein Glück als CEO diverser Start-ups

Foto: Aly Song/REUTERS

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Das war's für Carsten Breitfeld (59). Der Manager ist auch den nächsten Job als CEO eines Elektroautobauers los. Bereits am Samstag war das Board des Elektroauto-Start-ups Faraday Future zusammengekommen – und stellte dem deutschen Topmanager anschließend ein schriftliches Kündigungsschreiben zu. Mit umgehender Wirkung verlor Breitfeld seinen Job. Nachfolger ist der bisherige Chef des Chinageschäfts: Xuefeng Chen (46).

Für den früheren BMW-Manager Breitfeld – seit Jahren stets in der vordersten Reihe des wilden E-Auto-Booms – endet damit das nächste Elektroabenteuer in einem Fiasko. 2016 hatte er in China gemeinsam mit dem früheren BMW-Kollegen Daniel Kirchert (49) die Elektroautofirma Byton gegründet. Aus den ambitionierten Plänen wurde jedoch nichts. Nach einer kurzen Zwischenstation als CEO bei Iconiq wechselte er dann 2019 zu Faraday Future – einer der schillerndsten Firmen der Branche.

Das Unternehmen, 2014 gegründet und in Kalifornien beheimatet, hatte bereits 2017 in Las Vegas ein erstes Elektromodell präsentiert, das SUV FF91 sollte 1050 PS auf die Straße bringen. Schon damals verabschiedeten sich zwei ehemalige BMW-Topleute, allerdings freiwillig. Ulrich Kranz (64), Vater des BMW-Elektroerstlings i3 und heute im Autoteam von Apple; und Stefan Krause (60), einst Finanzvorstand bei BMW und der Deutschen Bank.

Faraday Future stand mehrfach vor dem Kollaps. Unter anderem meldete der umstrittene chinesische Gründer Jia Yueting (48) Privatinsolvenz an, um milliardenschwere Schulden loszuwerden. Breitfeld gelang es allerdings, den Hype um Elektroautos zu nutzen und Faraday an die Börse zu bringen. Im Juli 2021 ging das Start-up per Spac-Börsengang an die Nasdaq und nahm dabei eine Milliarde Dollar frisches Kapital ein. Danach jedoch wurde es kaum ruhiger, schon die ersten Quartalszahlen konnte Faraday wegen Unregelmäßigkeiten nicht pünktlich melden.

Aktuell hängt das Management weit hinter den Plänen zurück. Das erste Modell, immernoch der FF91, sollte 2022 nun wirklich auf den Markt kommen. Der Produktionsstart ist jedoch erneut verschoben worden. Laut jüngsten Zahlen verbrannte die Firma in den ersten neun Monaten des Jahres 398 Millionen Dollar; die Cashreserven haben sich pulverisiert: von mehr als einer halben Milliarde Ende 2021 waren Ende September noch 32 Millionen Dollar übrig. Der Börsenwert ist praktisch komplett in sich zusammengebrochen, Aktien werden aktuell für weniger als 50 Cent gehandelt, die ganze Firma ist nur noch rund 160 Millionen Dollar wert.

Das Faraday Board habe die Performance des Unternehmens seit dem Börsengang untersucht, hießt es zur Notsitzung am Samstag. Daraufhin habe man entschieden, Breitfeld zu "entfernen", so die offizielle Presseerklärung. Irgendeine Dankesformel fehlt darin komplett.

Breitfelds Nachfolger ist seit Sonntag der gebürtige Chinese Chen, der einst in Wuhan studierte und dann bei verschiedenen Joint Ventures westlicher Autobauer in China Karriere machte. Bevor er für Faraday das China-Geschäft übernahm, arbeitete er in Spitzenpositionen für Chery Jaguar Land Rover. "XF" wie Chen in Abkürzung seines Vornamens Xuefeng nur genannt wird, sei ein "Toptalent der globalen Automobilindustrie", freute sich Chairman Adam He. Seine Aufgabe sei es nun vor allem, den FF91 auf den Markt zu bringen, so wie man es den Kunden und Investoren versprochen habe.

Als Boss erhält Chen dafür laut Unterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC ein schönes Gehaltspaket. Neben einer Signing-Fee von 500.000 Dollar winken bis zum Ende des Vertrags im November 2025 ein jährliches Grundgehalt von 900.000 Dollar und ein möglicher Bonus von 600.000 Dollar. Dazu erhält der Neue in diversen Stufen Aktienpakete im Wert von 2 Millionen Dollar – und abhängig von bestimmten Zielwerten nochmals Aktien im Wert von 2 Millionen Dollar. Außerdem kann er zwei Millionen Papiere zum Freundschaftspreis von 0,0001 Dollar zeichnen. Nicht schlecht für eine Firma, die bislang kein Auto verkauft hat.

lhy
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