Ein Verein nimmt Autobauer und Politik in die Mangel Klein, aber schlagkräftig - so tickt die Deutsche Umwelthilfe

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe

Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe

Foto: DPA
Fotostrecke

Galerie des Grauens vom ADAC: Das sind die schlimmsten Diesel-Dreckschleudern

Foto: Hyundai

Die Luftverschmutzung durch Stickoxide ist für ihn ein "tausendfacher Totschlag". Die Autobranche nennt er eine "kriminell agierende Industrie, die seit Jahren nicht belangt wird". Und die Software-Aktualisierungen der deutschen Autohersteller für Millionen Diesel-Autos bezeichnet er wenig schmeichelhaft als "Mickey-Mouse-Update".

Mit solchen Aussagen bringt Jürgen Resch, Chef der Deutschen Umwelthilfe (DUH) deutsche Automanager in Wallung. Resch jedoch belässt es schon lange nicht mehr beim Reden und Mahnen. Um Umweltschutz und Verbraucherinteressen durchzusetzen, zieht er häufig und gerne vor Gericht.

Aktuell klagt sich die DUH quer durch die Republik, damit Städte die Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide einhalten. Im Kampf für sauberere Luft will die DUH Fahrverbote für Dieselautos erreichen, die die Grenzwerte nur auf dem Papier, nicht aber in der Realität erreichen. Ob solche Fahrverbote ein rechtlich zulässiges Mittel sind, entscheidet das Leipziger Bundesverwaltungsgericht - allerdings hat es seine Entscheidung heute auf den 27. Februar vertagt.

Die DUH sieht ihre Klagen in den Städten als Hilfe für Dieselbesitzer, bei den Herstellern Ansprüche besser durchzusetzen - und so die Hersteller zu Hardware-Nachrüstungen für Diesel-Autos mit Euro 5-Abgasnormen zu zwingen.

Schlappe gegen BMW

In seinen Vorwürfen ist Resch alles andere als zimperlich: Er bezichtigt mittlerweile sämtliche Autohersteller der Trickserei beim Schadstoffausstoß. Zuletzt warf er BMW Abgasmanipulationen vor - ein Vorwurf, von dem das Kraftfahrt-Bundesamt den Münchner Autohersteller entlastete.

Offenbar hatten die DUH-Tester das beanstandete BMW-Modell ziemlich hochtourig gefahren - und damit erreicht, dass die Abgasreinigung zurückschaltete. BMW-Chef Krüger hielt der Umwelthilfe deshalb ein "unseriöses Vorgehen ohne jegliche Aussagekraft" vor. Die DUH blieb bei ihrer Darstellung, dass auch BMW eine Abschalteinrichtung verwende.

Denn von Kompromissen hält Reschs Truppe wenig - auch bei der Finanzierung. Der Verein hat nach eigenen Angaben 2500 Mitglieder - davon rund 270 stimmberechtigte Mitglieder. Zum Vergleich: Greenpeace etwa hat knapp 590.000 Mitglieder. Knapp 100 Mitarbeiter hat die 1975 gegründete DUH an Geschäftsstellen in Radolfzell am Bodensee, in Berlin und Hannover, dazu kommen ehrenamtliche Helfer und Fachleute.

Zuletzt lag der Jahresetat der Umwelthilfe liegt bei rund 8 Millionen Euro. Das Geld kommt zum einen von Projektzuschüssen - sie stammen etwa von der EU-Kommission, von Bundes- und Landesministerien, nationalen und internationalen Stiftungen. Daneben gibt es Förderer und Spender. Als gemeinnütziger Verein darf die DUH keinen Gewinn machen.

Auf der Liste der Spender steht zum Beispiel der japanische Autobauer Toyota, was seit Jahren von Kritikern der DUH bemängelt wird. Andere Unterstützer sind etwa der Bio-Lebensmittelhersteller Rapunzel Naturkost, Gelsenwasser oder die Brauerei Krombacher. Allerdings veröffentlicht die DUH laut Resch nur all jene Spender, die mehr als ein Prozent zum Haushaltsvolumen beitragen - also aktuell rund 80.000 Euro. Sollte da ein Konzern geschickt stückeln, bleibt er unerkannt und ungenannt, werfen Kritiker Resch vor.

Kritiker sehen in DUH einen "Abmahnverein"

Fotostrecke

Galerie des Grauens vom ADAC: Das sind die schlimmsten Diesel-Dreckschleudern

Foto: Hyundai

DUH-Gegner stoßen sich noch an einem weiteren Finanzdetail: Der Umweltverein finanziert sich zu einem guten Teil aus Abmahngebühren. Anerkannte Verbraucherschutzverbände erhalten solche Gebühren von Unternehmen, wenn sie ihnen einen Verstoß gegen Umweltvorschriften nachweisen.

Die DUH betreibt solche Klagen mit System. Sieben Mitarbeiter durchforsten bundesweit Werbeaussagen und Angebote von Unternehmen auf mögliche Verstöße. Jedes Jahr führt der Verein insgesamt rund 1500 Verfahren verschiedener Art, mehr als 1000 davon werden außergerichtlich beigelegt.

Mit Abmahnungen und Konventionalstrafen nimmt die Umwelthilfe jedes Jahr Millionen ein - 2016 waren es 2,46 Millionen Euro, also ein gutes Drittel des Gesamtbudgets.

Vorwürfe, das dies unsauber sei, hält DUH-Chef Resch für unberechtigt. Die Umwelthilfe sei parteipolitisch unabhängig, als gemeinnützig anerkannt und ein zur Durchsetzung von Verbraucher- und Umweltinteressen klageberechtigter Verein. Er nehme eine öffentliche Aufgabe wahr. Die Kosten der Verfahren und der Tests sowie die von der DUH durchgeführte Verbraucherberatung zehrten die Einnahmen aus Abmahngebühren und die im Wiederholungsfall zu zahlenden Vertragsstrafen auf.

Seit 2007 kämpft DUH gegen Stickoxid-Belastung

Öffentliche Aufmerksamkeit für ihre Aktionen erhält die Umwelthilfe seit über 30 Jahren. In den 1980er Jahren machte sie bei der Durchsetzung des Katalysators für Benzin-Pkw von sich reden. Ende der 1990er Jahre folgte eine Kampagne für die Einführung schwefelarmer Kraftstoffe, später setzte sich die DUH für den Partikelfilter ein.

"Seit 2007 machen wir auf die bis heute ungelösten Probleme beim Dieselabgasgift Stickoxid aufmerksam", sagt Resch. Doch erst durch die Aufdeckung des Dieselskandals bei VW durch die amerikanischen Umweltbehörden vor zwei Jahren sei dadurch eine öffentliche Debatte entstanden.

Die Darstellung der DUH, dass in Deutschland 12.8000 Personen jährlich vorzeitig sterben wegen der Stickstoffdioxid-Belastung in der Luft, halten Kritiker jedoch für manipulativ. Der Wert könne gerade mal eine grobe Schätzung sein, und an Stickstoffoxiden alleine sei noch niemand gestorben, halten sie ihm entgegen.

In diesem Tonfall wird der Kampf zwischen der DUH und der Autoindustrie wohl weitergehen. Denn Resch ist keiner, der klein beigibt - auch bei großen Gegnern.

mit Material von Reuters, AFP, dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.