Sonntag, 8. Dezember 2019

Volkswagen bündelt Batterieaktivitäten Ex-ZF-Chef Sommer zimmert sich sein VW-Reich zurecht

Fertigung von Dieselmotoren im Volkswagen-Motorenwerk in Salzgitter

Er kann wieder aufbauen und umgestalten: Seinen Abgang beim Autozulieferer ZF im Dezember 2017 hat Stefan Sommer ohne größere Karriere-Blessuren weggesteckt. Seit September fungiert der 56-jährige Manager als oberster Einkäufer des Volkswagen-Konzerns, er leitet das Ressort Beschaffung und Komponente. Nun stärkt Sommer seinen Bereich mit einer wichtigen Aufgabe: Die zu Sommers Vorstandsressort zählende VW-Konzernsparte Komponente bündelt die Entwicklung und Produktion von Batterien bis hin zum Recycling bei sich.

Damit will Sommer die konzerneigenen Zuliefererwerke schrittweise zu Elektroauto-Spezialisten umpolen - und damit für die E-Auto-Offensive des Volkswagen-Konzerns den Boden bereiten. Allerdings muss er dafür weitere Stellen in seinem Bereich streichen.

Stefan Sommer, VW-Konzernvorstand für Beschaffung und Komponente

Sommers Ressort hat ungefähr die Dimension, die er bei seinem Amtsantritt als ZF-CEO im Jahr 2012 vorfand: Rund 80.000 Mitarbeiter arbeiten weltweit in den 61 internen Zulieferwerken des Volkswagen-Konzerns. Bereits vor zweieinhalb Jahren beschloss der Konzern, die Komponentensparte auszugliedern, seit Jahresanfang 2019 firmiert die Sparte als Volkswagen Group Components. Mit einem Geschäftsvolumen von rund 35 Milliarden Euro zählt die Komponentensparte nach VW-Angaben zu den Top 5 unter den Zulieferern. Im vergangenen Jahr fertigte die Sparte über zehn Millionen konventionelle Motoren und mehr als acht Millionen Getriebe.

"Hier bleibt kein Stein auf dem anderen"

Bei der VW-Komponentensparte erwartet Sommer eine ähnliche Aufgabe wie einst bei ZF: VWs internes Zuliefergeschäft mit dem Bau von Motoren, Achsen und Sitzen ist rentabel und soll auch die kommenden Jahre Gewinne liefern. Für die zukünftige Mobilität sind aber ganz andere Produkte notwendig: Gerade im Motoren- und Getriebebau werden die meisten Jobs verloren gehen, wenn Elektroautos sich auf breiter Front durchsetzen.

Schon jetzt kämpft die Komponentensparte mit deutlichen Veränderungen. Aktuell schlägt bereits die Abkehr der Kundschaft vom Diesel zu Buche. So wurden im Motorenwerk Salzgitter zu Hochzeiten an sieben Tagen pro Woche im Dreischichtbetrieb Motorblöcke für Selbstzünder gebaut, inzwischen laufen die Linien nur noch an fünf Tagen in der Woche. Aktuell werden mehrere Bereiche auf die Produktion von Benzinmotoren umgestellt, die nach der von Volkswagen selbst verursachten Dieselkrise stärker gefragt sind. "Hier bleibt kein Stein auf dem anderen", schildert Komponenten-Spartenchef Thomas Schmall den Umbau.

Den Getriebespezialisten ZF baute Sommer als CEO grundlegend um, indem er den US-Zulieferer TRW zukaufte - und dadurch viel Kompetenz bei Sicherheit und Sensorik für Assistenzsysteme ins Haus holte. In VWs Komponentensparte kann Sommer so nicht walten. Der Autokonzern hat zwar eine Auslagerung seiner Zulieferersparte beschlossen, sieht für die Sparte aber keinen Börsengang vor.

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