Mischkonzern Vingroup Ex-Opel-Chef startet bei Vietnams Newcomer

Pham Nhat Vuong, einer der reichsten Männer Vietnams, hat mit der Vingroup und Vietnams erster Automarke Vinfast viel vor. Nun soll Ex-Opel-Chef Michael Lohscheller Vuongs Elektroautopläne beschleunigen.
Auf nach Vietnam: Ex-Opel-Chef Michael Lohscheller

Auf nach Vietnam: Ex-Opel-Chef Michael Lohscheller

Foto: Martin Schutt / picture alliance/dpa

Den ehemaligen Chef der deutschen Traditionsmarke Opel, Michael Lohscheller (52), zieht es nach Vietnam. Im privaten Mischkonzern Vingroup soll er die Autosparte Vinfast Global leiten, teilte das Unternehmen am Dienstag mit . Lohscheller soll die Märkte Vietnam, USA, Kanada, Frankreich, Deutschland und Niederlande verantworten und zunächst das Geschäft in Nordamerika und Europa ausbauen.

Vinfast ist die erste vietnamesische Automarke, verfolgt hochgesteckte Ziele mit Elektrofahrzeugen und hat bereits eine stark automatisierte Produktion aufgebaut. Größter Anteilseigner an der Vingroup ist der Milliardär Pham Nhat Vuong (52). Laut eigenen Angaben will Vinfast im laufenden und im kommenden Jahr drei Elektro-SUV lancieren, nachdem es bereits ein E-Bus-Modell und sechs E-Motorrad-Modelle auf den Markt gebracht hat.

Nicht-staatliches Konglomerat im kommunistischen Vietnam

Der Mischkonzern Vingroup ist eines der wenigen nicht-staatlichen und überwiegend in Privatbesitz befindlichen Konglomerate im kommunistischen Vietnam. Zusammen mit rund 44.000 Beschäftigten betreibt die Gruppe Immobilienfirmen, Supermärkte, Klinken sowie Hotels, stellt aber auch Autos und Smartphones her. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Gruppe laut Geschäftsbericht  einen Nettogewinn von 165 Millionen Euro bei einem Umsatz von 4,05 Milliarden Euro.

Von wo aus Lohscheller die Autosparte der Gruppe leiten wird, ist unklar. Vermutlich dürfte sich der 52-Jährige künftig auch öfter in den USA aufhalten, weil Vinfast diesen Markt mit seinen neuen Modellen erschließen will. Auch beim autonomen Fahren will Vinfast offenbar mitmischen: Einem Bericht der "Financial Times"  zufolge habe Lohschellers neuer Arbeitgeber kürzlich die Lizenz erhalten, weitgehend selbstständig fahrende Elektroautos auf den Straßen von Kalifornien zu testen. Auf lange Sicht sei nach Aussagen der Konzernmutter sogar geplant, eine eigene Fabrik in den USA zu errichten.

Vinfast testet autonome Fahrzeuge auch in Kalifornien

Auch für einen Börsengang über die Verschmelzung mit einer bereits börsennotierten Übernahmegesellschaft (Spac) scheint Vinfast offen zu sein. Ende Mai berichtete Reuters , Vinfast habe für seine US-Börsenpläne JPMorgan und die Deutsche Bank als Berater ins Boot geholt. Vinfast könnte bei dem ersten Börsengang eines vietnamesischen Unternehmens überhaupt in den USA mit bis zu 60 Milliarden Dollar bewertet werden.

Derlei Pläne eines Unternehmens sind bemerkenswert, zumal der ebenfalls kommunistisch regierte Nachbar China in den vergangenen Monaten den Druck auf den Privatsektor erhöht hat. An der US-Börse notierte Tech-Konzerne wie Alibaba und zuletzt auch der Fahrdienstvermittler Didi hatten darauf an der Börse erheblich an Wert verloren.

Dabei vergleichen Kenner Vietnam oft mit China vor 20 Jahren, mit einer von ausländischen Investitionen angetriebenen Start-up-Wirtschaft, die immer noch hauptsächlich Produkte ausländischer Firmen herstellt. Was Vietnam aber fehle, sei ein nationaler Champion, der bereit sei, "Made in Vietnam" und wiedererkennbare Waren des Landes in die westliche Welt zu bringen. Diese Aufgabe könnte die Vingroup übernehmen: Der Geschäftsbericht der Gruppe sowie die Aussagen von CEO Nguyen Viet Quang legen diesen Schluss nahe.

Vingroup als erster nationaler Champion

Der Autoindustrie soll als Schlüsselbranche für die Industrialisierung des Landes dabei eine herausragende Rolle zukommen. Vingroup soll mit Vinfast eine globale Automarke entwickeln, sagte Le Hong Hiep, Senior Fellow am ISEAS-Yusof Ishak Institute in Singapur, gegenüber der "FT". Die sich herausbildende Autoindustrie des Landes sei "auch ein Symbol für den Aufstieg Vietnams". Für dieses Ziel werde sich Vingroup-Gründer Vuong aus einigen Geschäftsbereichen zurückziehen.

Experten warnen bereits, dass die geplante Expansion auf dem US-Markt mit Wettbewerbern wie Tesla und Lucid alles andere als ein Selbstgänger ist. "Vinfast wird beim Eintritt in den US-Markt auf gewaltige Herausforderungen stoßen", sagt Michael Dunne, Geschäftsführer von Zozo Go, einer Beratungsfirma für die Automobilindustrie. "Wie wollen Sie amerikanische Käufer überzeugen, dem neuen Mitspieler eine Chance zu geben?"

Lohscheller, der neue Mann an der Spitze von Vinfast, wird darauf eine Antwort finden müssen. Der Mann, der seit 2017 an der Spitze von Opel stand, tat sich vor allem als Sanierer der Marke im neuen Mutterkonzern PSA hervor. In Sachen Elektromobilität galt er nicht gerade als Schrittmacher. Lohscheller selbst erklärte in einem Statement: "Als sich mir die Gelegenheit bot, bei Vinfast einzusteigen, war ich von den Wachstumschancen sofort begeistert." Er freue sich darauf, Vinfast auszubauen und als ein "globales Unternehmen für intelligente Elektroautos zu etablieren."

rei
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