Rückkauf nach 15 Jahren VW übernimmt Europcar für 2,9 Milliarden Euro

Ein Konsortium unter Führung von Volkswagen kauft Europcar. Der Autovermieter soll eine zentrale Rolle beim Ausbau der Mobilitätsdienste des Konzerns spielen.
2006 verkauft, jetzt zurückgekauft: Der Autovermieter Europcar akzeptiert das milliardenschwere Übernahmeangebot eines Konsortiums unter Führung von Volkswagen

2006 verkauft, jetzt zurückgekauft: Der Autovermieter Europcar akzeptiert das milliardenschwere Übernahmeangebot eines Konsortiums unter Führung von Volkswagen

Foto: Charles Platiau / REUTERS

Volkswagen kann Europcar übernehmen. Man habe sich mit dem europäischen Autovermieter geeinigt, teilte der Autobauer in einer gemeinsamen Erklärung  mit den Co-Investoren Attestro Limited und Pon Holdings mit. Demnach erhalten die Europcar-Eigner 50 Cent je Aktie. Der Sixt-Konkurrent wird so einschließlich Schulden und Pensionsverpflichtungen mit 2,9 Milliarden Euro bewertet, heißt es in der Mitteilung. Der Preis erhöht sich um einen Aufschlag von 0,01 Euro je Aktie, wenn 90 Prozent der Aktien angedient werden.

Im ersten Anlauf hatte Volkswagen zusammen mit dem Finanzinvestor Attestor und Pon Holdings, dem größten VW-Importeur in den Niederlanden, 44 Cent je Europcar-Aktie geboten, war im Juni aber noch abgeblitzt. Danach wurden die Gespräche mit den zahlreichen an Europcar beteiligten Hedgefonds fortgesetzt - und kamen nun ins Ziel. Erst am Vorabend hatte Europcar Gespräche über ein erhöhtes Übernahmeangebot bestätigt.

Volkswagen-Chef Herbert Diess (62) kündigte an, Europcar solle eine zentrale Rolle beim Aufbau einer Mobilitätsplattform bekommen. Kunden nutzten zunehmend Abo-Modelle und Carsharing als Alternative zum eigenen Auto. Europas führender Autovermieter verfüge über ein breites Netz von Stationen an Flughäfen, Bahnhöfen und in Innenstädten. "Mit ihrem modernen Flottenmanagement und dem breiten Stationsnetz wird Europcar dazu beitragen, dass Volkswagen seine ambitionierten Ziele für den Ausbau von Mobilitätsdiensten schneller erreicht", erklärte Diess.

Europcar zählt derzeit rund 3500 Stationen in mehr als 140 Ländern sowie eine Flotte von mehr als 350.000 Fahrzeugen (Stand 2019). Mehr als fünf Millionen Kunden nutzen jährlich Autos von Europcar.

Volkswagen hatte Europcar 2006 verkauft

Volkswagen verfügt unter der Marke WeShare bereits über Aktivitäten im Carsharing und bietet mit Moia Mitfahrdienste an. Dieses Geschäft soll in den nächsten Jahren ausgeweitet werden. Der Konzern will sich von einem klassischen Automobilhersteller zu einem Technologiekonzern wandeln, der neben E-Autos und selbstfahrenden Fahrzeugen sein Geld auch mit Software und digitalen Diensten verdient.

Volkswagen hatte Europcar in den späten 1990er Jahren übernommen, das Unternehmen dann aber 2006 für 1,26 Milliarden Euro verkauft, weil sich der Autobauer auf sein Kerngeschäft konzentrieren wollte. In der Corona-Pandemie geriet der Autovermieter durch die Einschränkungen im Reisesektor massiv in Bedrängnis und musste Ende 2020 restrukturiert werden. Nach einem Schuldentausch in Aktien und einer Kapitalerhöhung hielten seither mehrere Hedgefonds die Mehrheit an dem Unternehmen.

rei/Reuters
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