Mobilität Das plant Volkswagen mit Europcar

Volkswagen kann gemeinsam mit zwei Partnern Europcar wie geplant von der Börse nehmen. Anschließend will der Autobauer das Unternehmen runderneuern und ein zweites Desaster mit dem Vermieter vermeiden.
Volkswagens Mobilitäts-Mastermind: Christian Dahlheim, CEO der Sparte Financial Services

Volkswagens Mobilitäts-Mastermind: Christian Dahlheim, CEO der Sparte Financial Services

Foto: Volkswagen AG

Im zweiten Versuch soll alles besser werden: Nachdem Volkswagen mit Europcar einst scheiterte und die damals 100-prozentige Tochter 2006 an die Investmentfirma Eurazeo verscherbelte, haben die Wolfsburger beim Autovermieter bald wieder das Sagen. Mitreden können dann nur die Partner Attestor Investment und Pon Holding, mit denen der Autobauer die Übernahme gemeinsam plant. Bisherige Europcar-Investoren werden dagegen aus dem Unternehmen gedrängt.

Die für das Squeeze-Out nötige Menge an Aktien wurde bis zum Stichtag am 29. Juni angedient, erklärte das Volkswagen am Dienstag. Insgesamt sicherte sich das Konsortium gut 93,6 Prozent der Anteile zu einem Preis von 51 Cent. Am 13. Juli will Volkswagen Europcar von der Börse nehmen, der Deal ist etwa 2,4 Milliarden Euro schwer.

Anschließend plant der Autobauer beim Mietwagenkonzern einen Komplettumbau. Zuletzt lief es bei Europcar nicht rund, die neuen Eigentümer treten als Sanierer an. 2021 erzielte das Unternehmen zwar einen schmalen Gewinn von 10,3 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte der Konzern aber noch einen Verlust von 349 Millionen Euro eingefahren. In Zukunft soll wenig so bleiben, wie es bisher war.

Zwar will Volkswagen das Europcar-Netz mit rund 2700 Stationen und einer Flotte von über 230.000 Fahrzeugen als Kundenkontaktpunkt weiter nutzen. Aus dem reinen Vermieter soll aber eine Superapp für Mobilität werden - mit einem Angebots-Quartett aus Carsharing, Ridehailing, Autovermietung und Autoabo. Christian Dahlheim (53), CEO von Volkswagen Financial Services, zeigte sich am Dienstag überzeugt, dass die Kombination der verschiedenen Geschäftsmodelle der richtige Weg sei: "Mit Abos oder Carsharing hat bisher niemand wirklich Geld verdient. Wenn wir alles aus einer Hand anbieten, wird ein erfolgreiches Modell daraus."

Volkswagen erwarte, dass auch 2030 der Wunsch nach individueller Mobilität dominieren werde, erklärte Dahlheim, allerdings würden Kunden bis dahin die Möglichkeit, ein Fahrzeug zu nutzen, dem Besitz vorziehen. Die geplante Mobilitätsplattform sei die Antwort darauf. Richtig lukrativ werde es, wenn autonome Fahrzeuge marktreif sind. Davon erhofft sich der Autobauer ein "noch höheres Effizienz- und Profitabilitätslevel". 2025 will Volkswagen nach eigenem Bekunden so weit sein, erste Tests mit umgerüsteten ID-Buzz-Modellen laufen. Doch der Zeitplan scheint überambitioniert. Nach den zahlreichen Problemen bei der Softwareschmiede Cariad  sieht es aktuell danach aus, dass die dafür nötige Software frühestens 2026 bereitsteht.

Einbringen sollen sich künftig auch die einzelnen Volkswagen-Konzernmarken. Zwar werde es nicht von jedem Fabrikat einen eigenes Sharing- oder Mietangebot geben. Bei den Autoabos ist das aber geplant. "Die Kunden verlangen danach", sagt Dahlheim. Die Steuerung wird perspektivisch komplett bei Europcar liegen. Anders sieht das bei weiteren VW-Mobilitätsdiensten wie Moia aus. Auch der Ridehailing-Dienst soll über Europcar abrufbar sein. Eine komplette Integration ist aber nicht geplant, stattdessen wird Volkswagen Nutzfahrzeuge Moia weiter als eigene Submarke betreiben.

Erste Versuchsballons für die eigene neue Mobilitätswelt startet Volkswagen im vierten Quartal 2022 in Wien und im ersten Quartal 2023 in Hamburg. Weitere Städte in Europa sollen folgen, auch eine Expansion in die USA ist denkbar. Ein exklusiver Volkswagen-Anbieter wird Europcar allerdings nicht. In der Vermietflotte werden auch künftig Fahrzeuge anderer Marken zu finden sein, "womöglich aber dann finanziert von Volkswagen Financial Services", erklärte Dahlheim.

sey
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