Volkswagen-Konsortium Milliardenübernahme von Europcar verzögert sich

Für knapp drei Milliarden Euro will ein Konsortium um den Autobauer den Sixt-Rivalen übernehmen. Europcar soll eine wichtige Rolle beim Umbau zum Mobilitätsanbieter spielen. Nun verzögert sich der Deal.
Breites Netz: Volkswagen hat es auf die Stationen von Europcar abgesehen

Breites Netz: Volkswagen hat es auf die Stationen von Europcar abgesehen

Foto: Charles Platiau / REUTERS

Die Übernahme des Autovermieters Europcar durch ein Konsortium um den Volkswagen-Konzern, mit der Vorstandschef Herbert Diess (63) ein umfassenderes Mobilitätsangebot aufbauen will, zieht sich weiter in die Länge. Europcar habe sich bereit erklärt, die Übernahmefrist bis Ende Juni zu verlängern, teilte das Bieterkonsortium am Dienstagabend mit. Zuletzt lief die Frist bis Ende März. Volkswagen und die Partner, der niederländische Mobilitätsanbieter Pon und der Londoner Vermögensverwalter Attestor, wollen das Geschäft nun im zweiten Quartal abschließen. Das Konsortium mache weiter gute Fortschritte, hieß es, die Gespräche mit der Europäischen Kommission liefen.

Nach einem zunächst gescheiterten Übernahmeangebot hatte das Dreier-Konsortium sich im vergangenen Sommer mit Europcar auf eine Übernahme geeinigt. Einschließlich Schulden und Pensionsverpflichtungen war der Sixt-Konkurrent mit rund 2,9 Milliarden Euro bewertet worden. Diess will den geplanten Rückkauf von Europcar nutzen, um die französische Firma vom reinen Autovermieter zum Service-Netzwerk für die eigenen Angebote und zum Rundum-Mobilitätsdienstleister umzubauen. Kunden nutzten zunehmend Abo-Modelle und Carsharing als Alternative zum eigenen Auto. Reizvoll erscheint aus Sicht des Autokonzerns an Europcar vor allem das moderne Flottenmanagement und das Netz von Stationen an Flughäfen, Bahnhöfen und in Innenstädten.

Europcar gehört früher schon zum Volkswagen-Konzern. Die Deutschen hatten das Unternehmen in den späten 1990er Jahren übernommen, es dann aber 2006 für 1,26 Milliarden Euro verkauft, weil sich der Autobauer auf sein Kerngeschäft konzentrieren wollte. In der Corona-Pandemie geriet der Autovermieter durch die Einschränkungen im Reisesektor massiv in Bedrängnis und musste Ende 2020 restrukturiert werden. Nach einem Schuldentausch in Aktien und einer Kapitalerhöhung halten seither mehrere Hedgefonds die Mehrheit an dem Unternehmen.

Die französische Finanzmarktaufsicht hatte die geplante Übernahme im November bereits durchgewunken. Nun stehen noch Genehmigungen weiterer Instanzen aus.

lhy/dpa