Fusion mit Fiat Chrysler auf dem Prüfstand EU-Kommissarin Vestager bremst PSA-Chef Tavares aus

Monatelang verhandelten PSA-Chef Carlos Tavares und FCA-Vorsteher Mike Manley über einen Zusammenschluss. Im Dezember vergangenen Jahres konnten sie dann endlich die Fusion verkünden. Doch nun bremst die beiden Automanager nicht nur die Corona-Krise aus, sondern auch die EU-Kommission.
PSA-Chef Tavares: Mit der Fusion von PSA und Fiat Chrysler wollte der Manager endlich in die Liga der großen Autofürsten aufsteigen

PSA-Chef Tavares: Mit der Fusion von PSA und Fiat Chrysler wollte der Manager endlich in die Liga der großen Autofürsten aufsteigen

Foto: REUTERS/Christian Hartmann

Die Megafusion des Autobauers Fiat Chrysler Automobiles (FCA)  mit der Opel-Mutter PSA Peugeot Citroën  ist vorerst ausgebremst: Die EU-Kommission hat Bedenken und leitete deshalb am Mittwoch eine vertiefte Prüfung des Falls ein, die sich bis 22. Oktober hinziehen könnte. Hintergrund ist die Befürchtung, dass der Zusammenschluss der beiden Fahrzeughersteller den Wettbewerb auf dem Markt für Lieferwagen einschränken könnte.

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Fusion Fiat-Chrysler-PSA: Die Marken des neuen Auto-Giganten

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PSA-Chef Carlos Tavares (61) und FCA-CEO Mike Manley hatten die Fusion der beiden Autobauer nach langem hin und her im Dezember vergangenen Jahres verkündet. Tavares soll die beiden Reiche zusammenführen und den viertgrößten Autohersteller der Welt aufbauen.

Doch nun funkt ihnen erst einmal EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager dazwischen. Sie stößt sich daran, dass der neue Konzern auch im Segment Lieferwagen bis 3,5 Tonnen in vielen Ländern hohe Marktanteile hätte. Anders als auf dem Automarkt gebe es weniger Anbieter und hohe Zugangshürden für Wettbewerber, erklärte Vestager.

Bisher konkurrierten beide Anbieter bei den Vans Kopf an Kopf in vielen Märkten und richteten ihre Preise entsprechend aus. Dies könnte bei einer Fusion wegfallen, argumentiert die Kommissarin. Konkret könnte der Wettbewerb in 14 EU-Staaten und Großbritannien eingeschränkt werden.

Autoabsatz in Europa im Mai um 52 Prozent eingebrochen

"Geschäftlich genutzte Vans sind wichtig für Einzelpersonen, den Mittelstand und große Unternehmen, wenn sie ihre Waren oder Dienstleistungen zum Kunden bringen wollen", erklärte Vestager weiter. Fiat und PSA hätten eine starke Marktposition. "Wir werden sorgfältig überprüfen, ob die vorgeschlagene Transaktion einen negativen Effekt auf den Wettbewerb in diesen Märkten hätte." Ziel sei gesunde Konkurrenz.

Die Unternehmen hatten ihren Zusammenschluss am 8. Mai bei der Kommission angemeldet. Vestager betonte am Mittwoch, während der vorläufigen Prüfung hätten die Unternehmen keine Verpflichtungen eingehen wollen, um die Bedenken auszuräumen. Die Kommission habe nun weitere 90 Arbeitstage Zeit zur vertieften Prüfung. Dass diese eingeleitet wurde, lasse aber noch keine Rückschlüsse auf den Ausgang zu.


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FCA und PSA erklärten am Mittwoch, dass sie daran festhalten, die Fusion bis spätestens Ende März kommenden Jahres abzuschließen. Sie arbeiten demnach weiter mit der Kommission konstruktiv zusammen. "Die Vorbereitungen für die Fusion gehen wie geplant voran." Grünes Licht von den jeweiligen Wettbewerbsbehörden gebe es bereits in den USA, China, Japan und in Russland.

Die Corona-Krise hat inzwischen die Umstände für den Deal verändert und die Autobranche weiter unter Druck gesetzt. Absatz- und Zulassungszahlen von Neuwagen sind dramatisch eingebrochen. Im Mai lagen sie nach Angaben des Branchenverbands Acea um gut 52 Prozent unter dem Wert des Vorjahresmonats.

PSA führt neben Opel die Marken Peugeot, DS und Citroën. Fiat Chrysler hat die Marken Alfa Romeo, Chrysler, Dodge, Jeep, Lancia oder Maserati im Angebot.

Fiat Chrysler und PSA setzten vor der Krise zusammen rund 8,7 Millionen Fahrzeuge pro Jahr ab und hatten einen Umsatz von 170 Milliarden Euro. Mit der Fusion entstünde also ein Autogigant. Nur noch Volkswagen , Toyota und der französisch-japanische Renault-Nissan-Verbund waren voriges Jahr größer. Beschäftigt wurden vor den Fusionsplänen nach früheren Angaben des französischen Wirtschafts- und Finanzministeriums rund 400 000 Menschen.

mg mit Material von dpa
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