Mögliche Überkapazitäten Verband rechnet mit Batteriezellen-Overkill

Nur ein Drittel der geplanten EU-weiten Kapazitäten für Elektroauto-Batterien werde bis 2025 benötigt, heißt es in einer Studie des europäischen Umweltdachverbands T&E. Die Warnung hat aber einen politischen Hintergedanken.
Zu viele Batteriezellen: Der Umweltdachverband T&E warnt vor großen Überkapazitäten bei Batteriezellen, wie sie etwa in Elektroauto-Akkus von Volkswagen (im Bild) eingebaut werden

Zu viele Batteriezellen: Der Umweltdachverband T&E warnt vor großen Überkapazitäten bei Batteriezellen, wie sie etwa in Elektroauto-Akkus von Volkswagen (im Bild) eingebaut werden

Foto: Julian Stratenschulte/ dpa

Aktuell künden Autohersteller und Investoren fast im Monatstakt neue Investitionen in Batteriezellenfabriken an, die die wichtigsten Bauteile für Elektroautos liefern sollen. Möglicherweise wird das für viele Beteiligte ein schlechtes Geschäft, legt eine Studie des europäischen Umweltdachverbands Transport & Environment  (T&E) nahe. Laut T&E könnten die gut drei Dutzend geplanten Zellenwerke bis Ende der Dekade zu wenig ausgelastet sein. T&E verknüpft seine Analyse aber zugleich mit einer politischen Forderung: Wenn die CO2-Regelungen für die Autobranche verschärft würden, würde die Nachfrage nach Elektroautos steigen – und das Überkapazitätsproblem ließe sich lösen.

Die Berechnungen von T&E im Detail: Laut den aktuellen Planungen für den Elektroauto-Markthochlauf werden bis 2025 nur ein Drittel der geplanten Zellfertigungskapazitäten benötigt, berichtet die "Financial Times"  unter Berufung auf die Studie. T&E kalkuliert, dass bis 2025 die bereits bestehenden oder in Bau befindlichen Werke Zellen im Umfang von 462 Gigawattstunden liefern könnten. Nach aktuellen Planungen der Autohersteller werden bis dahin aber nur 174 Gigawattstunden an Batterien benötigt, heißt es in dem Bericht.

Investoren werden deshalb neu kalkulieren müssen, warnt T&E, und die Schaffung von Jobs in diesem Bereich wird sich deshalb verlangsamen. Aktuell gibt es laut der Umweltschutzorganisation europaweit Pläne für 38 Batteriefabriken, für die Investments von rund 40 Milliarden Euro vorgesehen sind. Dazu zählen etwa auch die sechs Batteriewerke, die der Volkswagen-Konzern in Europa angekündigt hat. Die Wolfsburger wollen diese aber voraussichtlich von Partnern bauen und betreiben lassen wie etwa dem schwedischen Start-up Northvolt.

Was die Studie mit der Abgasnorm Euro 7 zu tun hat

Zuletzt haben die Neuzulassungen von Elektroautos europaweit deutlich angezogen, auch in Deutschland ist das deutlich zu sehen.

Der Grund dafür: Die Autohersteller können die ab diesem Jahr einsetzenden Verschärfungen bei den CO2-Regelungen nur schaffen, wenn sie mehr elektrisch angetriebene Fahrzeuge verkaufen. Allerdings dürften die Verkaufszahlen der E-Autos auch in den kommenden Jahren organisch zulegen: Denn es gibt nun mehr Modelle, die Batteriepreise fallen – und das dürfte mehr Konsumenten zum Wechsel auf ein E-Auto bewegen.

T&E stellt seine Studie nicht ohne politische Hintergedanken vor. Denn aktuell werden in der EU die Details der neuen Abgasnorm Euro 7 verhandelt. T&E drängt auf strengere CO2-Ziele, um die Verkaufszahlen von E-Autos und Plugin-Hybriden einen weiteren Schub zu verschaffen.

"Die Batteriehersteller reagieren erfolgreich auf Europas Elektroauto-Ambitionen", erklärte eine leitende T&E-Angestellte gegenüber der "FT". "Allerdings versagen die EU-Politiker dabei, Sicherheit beim regulatorischen Rahmen zu schaffen und so einen adäquaten Markt für Elektroautos zu garantieren". Deshalb, so T&E, müsse die EU die CO2-Standards nochmal verschärfen – um nicht Millarideninvestitionen zu "verschwenden" und den Batterie-Boom "aus den Gleisen zu heben".

Autohersteller erwarten für die kommenden Jahre aber so oder so einen deutlichen Anstieg bei den Elektroauto-Verkaufszahlen. Das lässt sich auch daran ablesen, dass zahlreiche Marken komplett auf Elektroantriebe umsteigen wollen. Volvo etwa will ab 2030 ausschließlich E-Autos bauen, Fiat ebenfalls, Porsche will in neun Jahren 80 Prozent seiner Fahrzeuge ausschließlich mit E-Antrieb ausliefern.

wed