Dienstag, 23. April 2019

Daimler kommt Tesla mit Elektro-Lkw zuvor Elektro-Truck für die Stadt - Daimlers großes, leises Ding

Flüsterleiser Verteiler-Lkw: Dieser Elektro-Truck soll den Stadtverkehr revolutionieren
Daimler

3. Teil: E-Truck darf nur 40 Prozent teurer sein als ein Diesel-Lkw

Elektro-Lkw haben zwar weniger Verschleißteile und benötigen dadurch weniger Wartung. Auch die Betriebskosten sind dank Strom im Tank deutlich niedriger als beim Dieselmotor, dessen Kraftstoffpreise stark schwanken. Doch für abgasfreie Trucks werden die Lkw-Kunden auch keine Mondpreise bezahlen, wissen die Daimler-Leute. "Der Anschaffungspreis eines Elektro-Trucks darf höchstens 40 Prozent über dem eines normalen Diesel-Lkw liegen", erklärt Bernhard im Gespräch. "Sonst sehen unsere Kunden den Payback nicht".

Daimler ist zwar im Segment der schweren Lkw der erste große Hersteller, der einen Truck mit E-Antrieb präsentiert. Doch im Leicht-Lkw und Transporter-Bereich gibt es bereits einige Spezialhersteller, die sich auf Elektro-Nutzfahrzeuge spezialisiert haben. So produziert der britische Hersteller Smith Electric Vehicles seit einigen Jahren batteriegetriebene Leicht-Lkw, die deutschen Umrüster Elektro Fahrzeuge Schwaben und Emovum modeln Transporter auf Elektroantrieb um.

Vor kurzem hat auch der Elektroauto-Pionier Tesla Motors angekündigt, ins Geschäft mit Elektro-Bussen und Elektro-Lkws einsteigen zu wollen. An die Spitze der E-Nutzfahrzeugesparte haben die Kalifornier einen ihrer langgedienten Manager gesetzt: Den gebürtigen Franzosen Jerome Guillen, der einst bei Daimler arbeitete und dort etwa das Carsharing-Angebot Car2Go mitentwickelte.

Sieht Daimler die Elektro-Bastelbuden und das kalifornische Startup als mögliche Konkurrenten an? Darauf gibt Nutzfahrzeug-Chef Bernhard eine sybillinische Antwort. Im Lkw-Bereich gehe es nicht nur um den Antrieb, erklärt er - sondern ebenso um Sicherheit und Sicherheitssysteme, die Daimler auch in seinem E-Truck einbaut. Für seine Kunden sei Langlebigkeit ein Thema - und das Verständnis für die verschiedenen Aufbauten, die von Spezialfirmen auf die Lkw-Chassis gesetzt werden.

Saubere Zeiten bei Daimler - auch bei der E-Truck-Präsentation

Ein gutes Vertriebsnetz mit entsprechender Ersatzteilversorgung sei wichtig, damit die Trucks ständig auf der Straße sein können. Kurz: Es gehe nicht nur darum, einen Lkw hinzustellen, sondern auch ein Rundum-Service bieten zu können. "Unser Markenname steht für Sicherheit und Zuverlässigkeit. Wir können hier einiges ins Feld führen", sagt er.

Draußen brennt derweil die Sonne auf das helle Zeltdach, vor dem schwarz-weißen urban eTruck drehen Journalisten fleißig Videos. In zwei Workshops erklären Daimler-Ingenieure Journalisten die Finessen des Batterieantriebs bei Nutzfahrzeugen, in den Pausen werden sommerliche Salate, Wraps und auf Wunsch auch deftige Burger gereicht.

Von der üblichen schweren Trucker-Kost mit Buletten und deftig Gegrilltem ist Daimler weit entfernt. Auch das ist ein Hinweis auf die neuen Zeiten, in die Daimlers Nutzfahrzeugsparte nun rollen soll. Den deutlichsten gab es in Wolfgang Bernhards Eröffnungsrede. Da erklärte er nämlich, dass Daimler Trucks Technologieführer werden wolle beim Elektroantrieb neben der Vernetzung und dem autonomen Lkw-Fahren.

Von Lang-Lkw, effizienteren Diesel-Motoren oder abgespeckten Zugmaschinen für Schwellenländer redet Bernhard nur mehr selten. Dabei waren das bis vor kurzem die klassischen Themen, die die Nutzfahrzeug-Welt bewegten. Doch auch die Brummi-Branche steuert um - und das offenbar nicht im Kriechtempo.

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