Protokoll des merkwürdigen Analysten-Calls von Tesla-Chef Musk "Langweilige Holzkopf-Fragen sind nicht cool. Die Nächste?"

"Du musst Analystenfragen beantworten, nicht nur von Fanboys": Analysten reagierten verschnupft auf Musks Verhalten bei seiner Telefonkonferenz.

"Du musst Analystenfragen beantworten, nicht nur von Fanboys": Analysten reagierten verschnupft auf Musks Verhalten bei seiner Telefonkonferenz.

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Es hätte eine angenehme Veranstaltung werden können, die Analysten-Telefonkonferenz, die der Autobauer Tesla am Mittwoch anlässlich der Präsentation seiner Geschäftsergebnisse für das erste Quartal abhielt. Tesla-Chef Elon Musk musste zwar erneut einen Konzernverlust eingestehen. Der fiel aber mit 709 Millionen Dollar geringer aus, als von den professionellen Beobachtern zuvor erwartet. Zudem stieg auch der Umsatz von Tesla stärker als im Vorfeld angenommen.

Beste Voraussetzungen also für einen anregenden Austausch mit den Vertretern von Banken, Resarch- und Investmenthäusern sowie für mögliche Kursgewinne an der Börse. Doch beides blieb aus. Statt zu steigen, bewegte sich der Kurs der Tesla-Aktie am Mittwoch nach Bekanntgabe der Quartalszahlen abwärts.

Um bis zu 5 Prozent gab das Papier im nachbörslichen US-Handel nach, wodurch der Marktwert des Autobauers schlagartig um mehr als zwei Milliarden Dollar schrumpfte.

Kursverluste nach überraschend guten Geschäftszahlen? Beobachtern zufolge waren Umsatz und Gewinn von Tesla keineswegs ausschlaggebend für den Absturz der Aktie. Firmenchef Elon Musk vielmehr habe mit seinem arroganten Verhalten während der Analystenkonferenz den Kursrutsch ausgelöst, heißt es.

Musk, der ohnehin für seine Launen und Eigenheiten bekannt ist, zeigte sich US-Medien zufolge während der Telefonschalte genervt und gelangweilt von den Analysten. Er habe die Fragen der Bankvertreter abgebürstet und als "langweilig" sowie "nicht cool" bezeichnet, heißt es. Mittendrin wendete er sich sogar von den Analysten ab, um sich einem Privatinvestor zu widmen, der einen Youtube-Kanal betreibt, um dessen Fragen zu beantworten.

Der US-Sender CNN  hat die "seltsamsten Momente" aus Musks Analysten-Call protokolliert. Hier die Highlights:

Musk mitten im Call: "Wir gehen jetzt auf Youtube"

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Nachdem die Konferenz bereits eine Weile lief, befand sich ein Analyst von Bernstein gerade in einem Austausch über Kapitalkosten mit Teslas Finanzchef Deepak Ahuja, so CNN. Da ging Musk dazwischen: "Sorry. Weiter. Langweilige Holzkopf-Fragen sind nicht cool. Die Nächste?"

Kurz darauf bügelte Musk einen weiteren Analysten ab. Der Mann von RBC Capital Markets stellte laut CNN gerade eine Frage zu den Bestellungen des Model 3, jenes Fahrzeugs also, auf dem die Hoffnungen Teslas ruhen, im Massenmarkt erfolgreich sein zu können, von dem aber zuletzt wiederholt Produktionsprobleme publik wurden.

Musk schwieg eine Weile - und beschloss dann, die Frage nicht zu beantworten.

"Wir gehen jetzt auf Youtube", sagte er stattdessen. "Sorry, diese Fragen sind so trocken. Sie bringen mich um."

Also ab auf Youtube. Was Musk damit meinte, war vielen Analysten zunächst offenbar nicht ganz klar. Musk und Tesla hatten jedoch im Vorfeld bereits eingewilligt, auf der Analystenkonferenz erstmals auch Fragen von Investorenseite zu beantworten. Um genau zu sein: Von einem bestimmten Investor.

Musk zum Youtuber: "Vielen Dank für die großartigen Fragen"

Dessen Name ist Galileo Russell. Er betreibt einen Youtube-Kanal, auf dem er Videos zeigt mit Titeln wie "Warum ich heute Tesla bei 255 Dollar pro Aktie gekauft habe" oder "Tesla Marktwert 500 Milliarden (2200 Dollar je Aktie) im Jahr 2023?". Dem Kanal namens "HyperchangeTV" folgen immerhin mehr als 9000 Nutzer.

Russell hatte im Vorfeld des Analysten-Calls bereits um die Möglichkeit gebeten, Fragen "als Stimme der Privatanleger" stellen zu dürfen - und der Tesla-Chef war einverstanden.

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Also ging Musk mitten in der Analystenkonferenz "auf Youtube", um sich dort mit Galileo Russell auszutauschen. Etwa 20 Minuten dauerte die Konversation der beiden laut CNN. Russell habe etwa ein Dutzend - offensichtlich nicht allzu kritische - Fragen gestellt, zu Themen wie dem Autopilotensystem Teslas oder dem Model Y. "Vielen Dank für die großartigen Fragen", sagte Musk, als Russell seinen Part beendet hatte.

Analystin zu Musk: "Werd erwachsen"

In der Folge erging sich der Tesla-Chef offenbar noch in einer Schimpftirade über Journalisten, die sich kritisch mit der Rolle des Tesla-Autopiloten in diversen Unfällen auseinandergesetzt haben. "Es ist wirklich unglaublich unverantwortlich von manchen Journalisten, Artikel zu schreiben, die dazu führen, dass Menschen die Sicherheit des autonomen Fahrens anzweifeln", zitiert CNN den Unternehmer. Der Grund: Leute könnten den Autopiloten ausschalten und dann sterben, so Musk.

Soweit die Äußerungen, die angeblich zum Kursrutsch der Tesla-Aktie um 5 Prozent geführt haben. Bei seinen Fans auf Twitter erntete Musk für seine Performance während der Konferenz zwar auch Lob. Analysten, die sich Aufschluss zu einigen wichtigen Problemen Teslas wie dem enormen Kapitalverzehr sowie den Problemen bei der Model-3-Produktion erhofft hatten, reagierten jedoch geschockt.

"Ich habe den Call sehr frustriert verlassen", sagte etwa Rebecca Lindland von Kelley Blue Book gegenüber CNBC . Und sie hatte einen Ratschlag für den Tesla-Chef parat: "Elon, du musst erwachsen werden", sagte Lindland. "Du musst Analystenfragen beantworten, Fragen von erwachsenen Menschen, nicht nur von Fanboys."