"Erratische Tweets" Investor verklagt Tesla-Chef Elon Musk

Immer wieder sorgt Elon Musk mit seinen Tweets nicht nur für Aufsehen, sondern auch für starke Bewegungen an den Finanzmärkten. Ein Tesla-Investor will das nun nicht länger hinnehmen. Die US-Börsenaufsicht SEC könnte durch die Klage zum Handeln gezwungen werden.
Twittert munter weiter: Laut einem Vergleich mit der US-Börsenaufsicht SEC müssen die Tesla-Verwaltungsräte die Tweets von Elon Musk eigentlich kontrollieren

Twittert munter weiter: Laut einem Vergleich mit der US-Börsenaufsicht SEC müssen die Tesla-Verwaltungsräte die Tweets von Elon Musk eigentlich kontrollieren

Foto: ALY SONG / REUTERS

Tesla-Chef Elon Musk (49) hat sich mit seinen Tweets erneut rechtlichen Ärger eingehandelt. Chase Gharrity, ein Investor des US-Elektroautobauers, hat den Multimilliardär wegen "erratischer" Twitter-Nachrichten verklagt, die das Unternehmen angeblich hohen juristischen Risiken und milliardenschweren Kursverlusten aussetzten. Weitere ungezügelte Tweets von Musk könnten heftige Konsequenzen für die künftigen Finanzierungsmöglichkeiten von Tesla haben, heißt es in der 105 Seiten langen Klageschrift, die am Freitag (Ortszeit) vom zuständigen Gericht im US-Bundesstaat Delaware veröffentlicht wurde.

Musk verstoße mit seinen Tweets gegen den im Jahr 2018 mit der US-Börsenaufsicht SEC ausgehandelten Vergleich, heißt es weiter. Weil Tesla und seine Aufsichtsgremien Musk beim Twittern nicht wie von der SEC angeordnet zur Räson gebracht hätten, richtet sich die Klage auch gegen das Unternehmen und seine Verwaltungsräte. Der Investor fordert Schadensersatz. Tesla hat bisher nicht auf die Klage reagiert, auch die SEC äußerte sich nicht.

In der Klageschrift werden mehrere Beispiele für den Verstoß gegen die Auflagen angeführt. So hatte Musk in den vergangenen Wochen die Kursrallyes von Kryptowährungen wie Bitcoin und Dogecoin mit wohlwollenden Nachrichten im Kurznachrichtendienst befeuert. Das sorgte für viel Argwohn, nicht zuletzt da wenig später ein 1,5 Milliarden Dollar schwerer Bitcoin-Kauf von Tesla bekannt wurde, bei dem nicht klar ist, ob er vor oder nach den Tweets getätigt wurde.

"14 Milliarden Dollar an Börsenwert zerstört"

Und im Mai 2020 etwa ließ Musk Teslas Aktien mit einer Reihe sonderbarer Tweets an einem einzelnen Handelstag um mehr als 10 Prozent fallen. Damals schrieb er unter anderem, dass er den Börsenwert des Unternehmens für zu hoch halte und kündigte an, sich von fast allem physischen Besitz trennen zu wollen. Allein dadurch seien fast 14 Milliarden Dollar an Börsenwert "zerstört" worden, heißt es in der Klage. Fest steht: Musk hat schon viele skurrile Tweets abgesetzt, am 1. April 2019 etwa postete er ein Scherzfoto über eine Tesla-Pleite.

Brisant ist das Ganze, weil Musk wegen seiner kursbewegenden Tweets bereits von der SEC abgemahnt wurde. Auslöser dafür war seine Ankündigung bei Twitter im Sommer 2018, dass er erwäge, Tesla von der Börse zu nehmen und die Finanzierung gesichert sei. Schließlich sagte er das Deslisting aber wieder ab. Die SEC kam daraufhin nach einer Untersuchung zu dem Schluss, dass Musk keine festen Finanzierungszusagen gehabt habe und klagte ihn wegen Marktmanipulation an. In einem Vergleich einigte sich die Behörde dann mit Tesla allerdings darauf, dass sich Musk künftig seine Tweets vom Unternehmen freigeben lassen muss. Zudem zahlten Musk und Tesla jeweils 20 Millionen Dollar Bußgeld.

Doch Musk twitterte danach munter weiter - und die SEC griff nicht ein. Die Klage könnte die Börsenaufsicht nun aber zum Handeln zwingen, wie Charles Elson, Experte für Coporate Governance, von der Universität Delaware meint.

Angesichts der jüngeren Erfolge und der Börsenentwicklung des E-Auto-Pioniers mag die Klage des Investors dennoch verwegen anmuten - Teslas Aktien sind im vergangenen Jahr um rund 700 Prozent gestiegen, Musks Konzern ist mit rund 600 Milliarden Dollar Börsenwert am Kapitalmarkt der mit weitem Abstand wertvollste Autobauer weltweit. Zuletzt ging es allerdings wieder deutlich bergab, im vergangenen Monat sank der Kurs um 15 Prozent.

mg/dpa-afx, Reuters