Gerichtsprozess "Elon Musk hat gelogen"

Elon Musk holen seine alten Tweets ein. Wegen unbedarfter Äußerungen auf Twitter hätten seine Mandanten Millionen verloren, sagt ein Kläger-Anwalt. Musks Anwalt bestreitet eine Betrugsabsicht.
Zu viel gezwitschert? Elon Musk holen alte Tweets ein

Zu viel gezwitschert? Elon Musk holen alte Tweets ein

Foto: DADO RUVIC / REUTERS

Nicht nur die zähe Übernahme von Twitter bereitet dem US-Unternehmer Elon Musk (51) in diesen Tagen jede Menge Ärger. Musk selbst muss sich gerade wegen unbedarfter Tweets aus dem Jahr 2018 vor einem kalifornischen Gericht verantworten. In einem Betrugsprozess wegen irreführender Tweets zum Elektroautobauer Tesla im Jahr 2018 hat ein Klägeranwalt den Technologie-Milliardär der Lüge bezichtigt. "Elon Musk, Verwaltungsratschef und Chefmanager von Tesla, hat gelogen", sagte Anwalt Nicholas Porritt am Mittwoch vor einem Bundesgericht in San Francisco. "Wegen seiner Lügen haben normale Menschen … Millionen und Millionen von Dollar verloren."

Musk hatte im August 2018 via Twitter angekündigt, Tesla für einen Preis von 420 Dollar pro Aktie von der Börse nehmen zu wollen. Die Finanzierung dafür sei "gesichert". Die Ankündigung sorgte für starke Kursschwankungen der Tesla-Aktie, später machte Musk aber einen Rückzieher. Es wurde deutlich, dass die Finanzierung alles andere als gesichert war.

Investoren verklagten Musk in der Folge. Sie werfen dem derzeit zweitreichsten Menschen der Welt eine "künstliche Manipulation" des Preises der Tesla-Aktie mit dem Ziel vor, allen Investoren zu schaden, die auf einen sinkenden Aktienkurs gewettet hatten.

Eine zentrale Rolle bei der Sammelklage spielt der staatliche Investitionsfonds von Saudi-Arabien, der bei dem Plan als ein zentraler Geldgeber auftreten sollte. Musks Seite behauptet, ein leitender Manager des Fonds habe in Unterhaltungen weitreichende Finanzierung in Aussicht gestellt. Die Kläger-Anwälte verweisen darauf, dass es keine Vereinbarungen dazu gab.

Handel mit Tesla-Aktie wurde damals sogar ausgesetzt

Klägeranwalt Porritt sagte nun in seinem Eröffnungsplädoyer vor Gericht, der von Musk genannte Preis von 420 Dollar (heute rund 388 Euro) sei ein "Witz" gewesen. Die Finanzierung habe zudem nie bestanden.

Musks Tweet sorgte um August 2018 für erhebliche Irritationen. Die Technologie-Börse Nasdaq, an der Teslas Papiere gehandelt werden, stoppte angesichts der Aufregung rund um Musks Tweets zeitweise den Handel mit Tesla-Aktien. Nach dem Tweet stieg die Aktie um über sieben Prozent auf damals 367 US-Dollar.

Musks Anwalt Alex Spiro sagte nun, die Tweets des Tesla-Chefs seien womöglich "unbesonnen" gewesen, aber "kein Betrug, nicht einmal annähernd". Musk habe sich damals durch Medienberichte unter Druck gesetzt gefühlt, schnell zu twittern. "Was Herr Musk in diesen Tweets kommunizierte war, dass es Herrn Musk ernst damit war, Tesla von der Börse zu nehmen", sagte Spiro.

Der Zivilprozess ist auf drei Wochen angesetzt. Auch Musk selbst wird als Zeuge erwartet. Aussagen soll auch der mit Musk befreundete Gründer des Softwareriesen Oracle, Larry Ellison.

Die Tweets zu Tesla hatten Musk auch Ärger mit der US-Börsenaufsicht SEC eingehandelt. Musk musste im Zuge einer Vereinbarung den Vorsitz über den Tesla-Verwaltungsrat abgeben, eine Strafe von 20 Millionen Dollar zahlen und sich fortan Tweets zu Tesla von einem Juristen absegnen lassen.

Zuletzt verlor die Tesla-Aktie massiv an Wert. Seit Januar 2022 büßte die Aktie fast 60 Prozent ihres Wertes ein. Allein das Vermögen von Musk, der Ende Oktober Twitter für rund 44 Milliarden Dollar kaufte, soll seit Ende 2021 um rund 200 Milliarden Dollar geschrumpft sein.

tat/AFP, dpa
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