Musk besucht Werk in Grünheide "Wir bauen die bedeutendste Autofabrik der Welt"

Zum Abschluss seiner Deutschland-Tour besuchte Tesla-Chef Elon Musk auch die Baustelle der "Gigafactory". In Grünheide entstehe "die bedeutendste Autofabrik der Welt", so Musk - und das ist nicht der einzige Superlativ.
Elon Musk in Grünheide: "Wir bauen die bedeutendste Autofabrik der Welt"

Elon Musk in Grünheide: "Wir bauen die bedeutendste Autofabrik der Welt"

Foto: ALEXANDER BECHER/EPA-EFE/Shutterstock

Erst nach Tübingen und Berlin, dann nach Grünheide: Tesla-Chef Elon Musk (49) hat am Donnerstag zum Abschluss seiner dreitägigen Deutschland-Tour die Baustelle der Autofabrik seines Unternehmens im brandenburgischen Grünheide besucht. Dort sollen ab Mitte 2021 jährlich bis zu 500.000 Elektrofahrzeuge hergestellt werden. Es ist der erste Besuch des US-Konzernchefs auf dem Gelände der künftigen Tesla-Fabrik. Musk betonte das rasante Tempo des Baus auf dem Gelände nahe der Autobahn A 10. "Sie sehen, wie schnell der Fortschritt ist." Das sei möglich wegen des Einsatzes von Fertigbau in hoher Qualität. Er wolle dort "coole Autos" herstellen lassen. Die Fabrik werde, selbstverständlich, "die bedeutendste Autofabrik der Welt sein".

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Musk auf Deutschland-Tour

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Da ist nicht der einzige Superlativ, den Musk bemüht. In einem Statement für den Sender rbb nannte Musk die neuen Anlagen "die umweltfreundlichste Fabrik der Welt". Zu kritischen Fragen wegen der Wasserversorgung der Fabrik sagte Musk, die damit verbundenen Probleme seien lösbar. Im Vergleich zu Kalifornien sei Brandenburg schließlich keine trockene Gegend. Bei einem Rundgang über das Gelände informierte sich der Unternehmer über die Bauplanung und die bereits erzielten Fortschritte.

Musk war am Tag zuvor in Berlin unter anderem mit Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und mit Gesundheitsminister Jens Spahn (beide CDU) zusammengetroffen. Außerdem traf er Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und weitere Regierungsvertreter. Am Dienstag hatte er in Tübingen das Biotechunternehmen Curevac besucht, mit dem ein Tochterunternehmen von Tesla bei der Entwicklung einer vollautomatisierten Impfstoffproduktion zusammenarbeitet.

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Eigentlich handelt es sich lediglich um Arbeitsbesuche eines Wirtschaftsmannes - doch die Wahrnehmung ist bei vielen lange nicht so simpel und schlicht. Denn der Hype um den US-kanadischen Doppelstaatsbürger Musk und seine Firma Tesla ist auch hierzulande beachtlich, nicht nur vor den Curevac-Türen. Der 49 Jahre alte Multiunternehmer wird von seinen Anhängern und vielen Börsianern nicht nur als schillernder E-Auto-Pionier gefeiert, sondern startet obendrein zahlreiche Nebenprojekte in allen Bereichen; mit seiner Firma SpaceX baut er gar Raketen für die Raumfahrt.

Musks Fans sehen in ihm einen - vielleicht sogar den - großen Visionär von heute. Und zumindest in puncto Arbeitseifer ist der Börsenüberflieger tatsächlich eine Ausnahmeerscheinung. Musk häuft Projekte an wie andere Briefmarken. Und bei einem davon ist Curevac - einer breiten deutschen Öffentlichkeit durch seinen Corona-Impfstoffkandidaten bekannt geworden - mit von der Partie.

Tesla und Curevac arbeiten seit Jahren zusammen

Die Tübinger Firma und die im rheinland-pfälzischen Prüm sitzende Tesla-Tochter Grohmann - ein Maschinenbauer - kooperieren seit Langem bei einem Projekt zur sogenannten mRNA-Technologie, das angesichts der Suche nach einem Corona-Impfstoff mehr denn je in den Blickpunkt gerät. Es geht vereinfacht gesagt um tragbare Fertigungen für die Entwicklung neuer Impfstoffe und Arzneimittel. Spezielle Drucker, die wie kleine Minifabriken funktionieren, sollen Impfstoffkandidaten und andere mRNA-basierte Therapeutika bald vollautomatisch produzieren können. mRNA ist eine Art Botenmolekül, in dem die Bauanleitung zur Herstellung von Proteinen steckt.

Curevac ist längst nicht der einzige Hersteller, der an einem Impfstoff gegen das bisweilen tödliche und wirtschaftlich verheerende Coronavirus arbeitet. Doch die Firma gilt durchaus als ein Hoffnungsträger. Die EU-Kommission hatte sich beispielsweise bereits bis zu 405 Millionen Dosen von einem Impfstoff des Unternehmens gesichert. Klar ist: Wer am schnellsten einen Impfstoff auf den Markt bringen kann, dem winkt das große Geld.

Dass Musk, der Milliardär aus dem fernen Amerika, eigens nach Tübingen reist, überraschte dennoch. Schnell machten Spekulationen die Runde, es sei größeres im Spiel als ein schlichter Arbeitsbesuch. Ob der Tesla-Chef sich möglicherweise an Curevac beteiligen wolle, wurde gefragt. Oder ob er das deutsche Unternehmen gar übernehmen wolle? Alles Quatsch, sagt ein Curevac-Sprecher am Mittwoch. Bei dem Treffen mit Firmenvertretern sei es nur um das Projekt gegangen. Von einer möglichen Beteiligung Musks an Curevac sei bei der Unterredung dagegen keine Rede gewesen.

Curevac-Eigentümer Hopp lehnt Übernahme durch Tesla ab

Inzwischen hat sich auch der Haupteigentümer von Curevac, Dietmar Hopp (80), zu Wort gemeldet. "Für Curevac kann ich sagen, dass man ein sehr großes Potenzial in der Zusammenarbeit mit Herrn Musk sieht und eine Zusammenarbeit, weit über Impfstoffe hinaus, ausgesprochen positiv beurteilt wird", erklärte Hopp gegenüber "Merkur.de". Spekulationen über einen möglichen Einstieg des US-Unternehmers bei Curevac erteilte der Mitgründer des Software-Riesen SAP dagegen eine entschiedene Absage. Entsprechende Überlegungen seien "reine Fantasie". Curevac sei erst seit drei Wochen an der Börse, "mit bislang großem Erfolg" und "bestens durch finanziert". Zudem gelte nach wie vor "mein Versprechen, dass Curevac eine deutsche Firma ist und bleibt", sagte Hopp gegenüber der Online-Ausgabe des Münchner Merkur.

Die Möglichkeiten, den Impf-Hoffnungsträger zu übernehmen, dürften auch begrenzt sein. Hopp hält über seine Beteiligungsgesellschaft Dievini Hopp Biotech rund 49 Prozent der Curevac-Anteile. Zudem hatte die Bundesregierung bereits im Juni beschlossen, sich mit 300 Millionen Euro an Curevac zu beteiligen. Ziel sei es, hieß es damals, dem Mehrheitseigner Hopp finanzielle Sicherheit zu geben. Der Anteil des deutschen Staats beträgt knapp 17 Prozent - und ist durch den Börsengang in den USA um einige hundert Millionen Euro teurer geworden. Zudem hatte die Bundesregierung im Mai im Kampf gegen das Virus und seine Folgen eine Verschärfung der Außenwirtschaftsordnung beschlossen. Demnach greift künftig eine Meldepflicht, wenn Firmen aus Ländern außerhalb der Europäischen Union Anteile von mehr als 10 Prozent an deutschen Firmen erwerben wollen, die Impfstoffe, Arzneimittel oder persönliche Corona-Schutzausrüstung entwickeln oder herstellen.

Die Eröffnung der Tesla-Fabrik in Grünheide bei Berlin ist nach Angaben der Brandenburger Landesregierung trotz der Corona-Krise weiter für den Sommer 2021 geplant. Das sei bei einem Treffen von Tesla-Chef Elon Musk mit Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (58, SPD) in Berlin besprochen worden, teilte die Staatskanzlei mit. Woidke betonte: "Vor uns steht noch viel Arbeit." Die geplante Autofabrik habe aber bereits jetzt eine "Sogwirkung". In Grünheide sind allerdings nicht alle in der Region begeistert von der geplanten Fabrik. Viele befürchten negative Folgen für die Umwelt. Auf Transparenten der Bürgerinitiative gegen die Gigafactory Grünheide steht am Mittwoch: "Keine Industrie im Wasserschutzgebiet" und "Raubbau an Natur und Grundwasser sofort stoppen!" Am 23. September ist eine öffentliche Anhörung der Einwände gegen die Tesla-Fabrik geplant.

Altmaier sagt Musk Unterstützung zu

In Berlin führte Musk Gespräche am Rande einer Klausur der Unionsfraktionsspitze. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (62, CDU) sagte Musk bei seinen Unternehmungen in Deutschland weitere Unterstützung zu. Möglich ist, dass Musk bei Altmaier wegen einer staatlichen Förderung für das Werk in Grünheide vorgesprochen hat. Für die Förderung der Batterieindustrie sind im Bund drei Milliarden Euro vorgesehen, der Großteil ist noch nicht verplant.

Musk würdigte nach dem Gespräch mit Altmaier die Zusammenarbeit zwischen Tesla und dem Biotech-Unternehmen Curevac. Er verwies auf eine von der Firma Tesla Grohmann Automation und Curevac entwickelte Maschine im Foyer des Klausurgebäudes, die voll automatisiert Impfstoff produziert. Der Tesla-Chef sprach von einer wirklich revolutionären Technologie.

mg/dpa-afx, Reuters
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