Tesla soll Auto- und Energiegigant werden Warum Elon Musk seinen zweiten Masterplan leichter erfüllen kann als den ersten

Tesla Model 3: Elektroauto für den Massenmarkt

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Die Visionen des Tesla-Chefs: Bei diesen Vorbildern hat sich Elon Musk für seinen Masterplan bedient

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Masterplan, war da was? Als Tesla-Chef Elon Musk 2006 sein erstes so bezeichnetes Programmpapier veröffentlichte, hat es kaum jemand ernst genommen. Viel zu hochfliegend klangen die Ideen vom Elektroauto für die Massen. Und viel zu klein und unbedeutend war Tesla damals.

Zehn Jahre später ist klar: Musk hat mehrere Fast-Pleiten überstanden und seine (Zwischen-) Ziele weitgehend erreicht. Sein Unternehmen hat die versprochenen Autos gebaut, das Model S und des Model X. Das erschwinglichere Model 3 soll 2017 auf den Markt kommen.

Der kaum für möglich gehaltene Erfolg mit dem Masterplan von 2006 hat den Mythos Elon Musk begründet: Was dieser Mann anpackt, funktioniert und begeistert seine fanatischen Kunden. Genau dieser Mythos ist der wohl wichtigste Grund dafür, dass Musk seinen zweiten Masterplan leichter erfüllen kann als den ersten.

Zwar liest sich der recht knapp gehaltenen Blogeintrag  vom Mittwoch wie ein Sammelsurium gar nicht so origineller Ideen: Elektrobusse und -Lastwagen? Nicht wirklich neu. Autonome Autos? An wenigen anderen Neuerungen arbeitet die ganze Industrie so intensiv wie an dieser.

Auch Musks Vorschläge zum Carsharing waren schon von anderer Seite zu hören. Start-Ups wie Lyft und Uber, die Daimler-Tochter Moovel oder auch Konzerne wie Volkswagen verfolgen ähnliche Konzepte.

Musks Aufgabe ist jetzt eine völlig andere als 2006

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Doch kaum jemand begeistert seine potenziellen Kunden derart für Neues wie Musk. Millionen hängen ihm bei Twitter an den Lippen, Zehntausende stehen stundenlang an, um das Model 3 vorzubestellen. Musk und Tesla, das hat einfach etwas von Steve Jobs und Apple. Der Vertrauensvorschuss scheint mitunter grenzenlos.

Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass Elektroautos einmal als cool gelten könnten? Eher waren die teuren und reichweitenschwachen Wagen etwas für Bastler und zudem Spaßbremsen in jeder Hinsicht. Musks riskante Strategie, mit einem teuren Elektrosportwagen anzufangen, und dann günstigere Autos zu bauen, war zunächst ohne Beispiel und führte zum Erfolg.

Die weitere Zukunft lässt sich für Musk durchaus einfacher planen. Er muss zwar wieder Begeisterung für Produkte erzeugen, die bis dato wenig Emotionen wecken - dieses Mal für Solaranlagen, das Autoteilen oder gar einen neue Art des öffentlichen Nahverkehrs. Leichter wird das nicht. Potenzielle Kunden wie Speditionen oder Busgesellschaften rechnen kühl.

Tesla kann inzwischen auf Erreichtem aufbauen

Doch Tesla kann inzwischen auch auf Erreichtem aufbauen. Außer dem Image und der Marke zählen dazu die Großfabriken für Elektroautos und Batterien, die derzeit in Kalifornien und Nevada entstehen. Sie sichern dem Unternehmen Skalenvorteile. Die schiere Größe hilft auch beim Einkauf. Schon jetzt bestellt kein Unternehmen so viele Lithium-Akkus wie Tesla. Die Marktmacht hilft dabei, das Geschäft auf andere Felder zu erweitern.

Einer US-Autoanalystin wurde angesichts Musks neuem Blogeintrag offenbar dennoch schwindelig. "Wenn Masterplan eins einen Mann auf den Mond schicken sollte, dann ist Masterplan zwei die Besiedlung der Galaxie", kommentierte Jessica Caldwell, Analystin beim Branchenbeobachter Edmunds.com Musks Zukunftsvision.

Dabei greift Musks neuer Masterplan bei genauem Hinsehen viele Ideen auf, hinter denen keine Raketenwissenschaft steht. Darin liegt die größte Chance für Tesla. Denn wer bestehende Teile geschickt zu einem eigenen Geschäftsmodell zusammenfügt, ist oft erfolgreicher als der, der alles neu erfinden will.

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