Sonntag, 15. Dezember 2019

Reaktionen auf Tesla-Standortwahl VW-Chef: "Froh, dass Elon uns antreibt"

Automanager Oliver Zipse (BMW), Elon Musk (Tesla) und Herbert Diess (Volkswagen, l-r)

Mit schwarz-rot-goldenen Herzen bedenkt Elon Musk die Autonation Deutschland: "Giga Berlin" twitterte der Tesla-Chef am Dienstagabend zu seiner Ankündigung, die lang erwartete europäische Batterie- und Autofabrik werde nahe dem Berliner Flughafen in Brandenburg entstehen.

Von der Politik wurde die Ankündigung mit Genugtuung aufgenommen: "Die Entscheidung von Tesla, eine hochmoderne Fabrik für Elektroautos in Deutschland zu errichten, ist ein weiterer Beweis für die Attraktivität des Automobilstandortes Deutschland", erklärte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier. "Es ist zugleich auch ein Meilenstein beim Ausbau von Elektromobilität und Batteriekompetenz", fügte der CDU-Politiker hinzu.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke begrüßte die "hervorragende Nachricht für unser Land". "Wir haben uns dafür seit längerem in intensiven Gesprächen und mit guten Argumenten eingesetzt", erklärte der SPD-Politiker. "Wir haben den Rohstoff der Zukunft, wir haben erneuerbare Energien in Brandenburg." Als "Signal in die ganze Welt" verbinde man Klimaschutz mit Wirtschaftsstärke. Und dann habe es noch einen ganz profanen Vorzug gegeben: "Wir haben Platz."

Die Ansiedlung bedeute "eine der größten Investitionen in der Geschichte unseres Landes". Woidke zeigte sich zuversichtlich, dass der Plan auch in die Tat umgesetzt werde. "Wir sind bei 95 Prozent der Fragen durch, aber es werden auch noch weitere Fragen geklärt werden müssen", sagte der Regierungschef.

Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB) sprach sogar von einem "vorgezogenen Weihnachtsfest".

Auch die im Standortwettbewerb unterlegenen Bieter zeigten sich positiv: "Wir gratulieren Brandenburg", heißt es in einer ersten Reaktion des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministeriums am Mittwoch. "Auch für unsere Zulieferbetriebe ist das eine große Chance", sagte ein Ministeriumssprecher. Autozulieferer beispielsweise aus dem Sauerland würden sicherlich von der neuen Tesla-Fertigung profitieren. Im Bewerberrennen für die europäische Fabrik von Tesla sei Euskirchen bis zur in der Schlussrunde dabei gewesen. Eine kleine Spitze konnten sich die Nordrhein-Westfalen dann doch nicht verkneifen: Möglicherweise sei die besondere Standortförderung in Brandenburg ein Punkt gewesen.

Niedersachsen hingegen zeigte sich direkt "enttäuscht". Bis zur letzten Minute seien auch Emden an der Nordseeküste und Dörpen im Emsland als Standorte im Gespräch gewesen, sagte eine Ministeriumssprecherin am Mittwoch in Hannover.

Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop sagte im RBB Inforadio, an dem Standort seien bis zu 7000 Arbeitsplätze im Gespräch. Weitere Stellen sollten in dem geplanten Ingenieurs- und Designzentraum namens "Brain" in Berlin selbst entstehen. Die "Bild"-Zeitung berichtete von bis 10.000 Stellen.

Der Grünen-Politikerin zufolge kann Tesla für den Aufbau seiner Produktion mit Fördermitteln rechnen. "Jedes Unternehmen, dass sich hier ansiedelt oder hier erweitert, Arbeitsplätze schafft, neue Arbeitsplätte schafft, hat Anspruch auf diese Wirtschaftsförderung."

Die Zahl der Arbeitsplätze in der künftigen Fabrik sollte man nach Einschätzung von Automobilprofessor Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen nicht überschätzen. "Zellfabrikation ist hochautomatisiert. Da zählen Energiekosten deutlich mehr als Arbeitskosten", erläuterte der Autofachmann. Dass die Wahl auf Berlin-Brandenburg gefallen sei, halte er für "überraschend, aber nicht abwegig".

Allerdings sei nun zu überlegen, welchen Sinn die eine Milliarde Euro noch habe, die Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in eine deutsche Lithium-Ionen-Fabrikation stecken wolle. Auch die geplante Batterieforschungsfabrik in Nordrhein-Westfalen mit 200 Millionen Euro Landesmitteln sei nun zu hinterfragen.

Sein Kollege Stefan Bratzel von der Fachhochschule für Wirtschaft in Bergisch Gladbach hob positiv hervor, "als erster ausländischer Autohersteller seit Jahrzehnten" kündige Tesla eine neue Fabrik in Deutschland an. Dieser Einbruch in die Domäne von Volkswagen, Daimler und BMW stehe "symbolisch für die neue Automobilwelt und die Neuordnung der Branche".

Auf der Preisverleihung zum "Goldenen Lenkrad", wo Musk die Nachricht verkündete, sagte Volkswagen-Chef Herbert Diess, Tesla sei wichtig, um der E-Mobilität zum Durchbruch zu verhelfen: "Elon zeigt, dass es funktioniert." Elektroautos seien sei nichts, vor dem man Angst haben müsse. "Ich bin froh, dass Elon uns antreibt."

Der Tesla-Chef lobte im Gegenzug die deutsche Ingenieurskunst. Das sei auch ein Grund, warum Tesla ein Werk in Deutschland ansiedeln wolle. "Wir werden definitiv schneller sein müssen als der Flughafen", sagte Musk in Anspielung auf die Verzögerungen beim Bau des Hauptstadtflughafens BER.

In den sozialen Netzen fanden sich jedoch auch deutlich skeptischere Stimmen. Der Fernsehmoderator Jan Böhmermann sprach Elon Musk auf Twitter an: Ob er die Bedeutung der deutschen Wörter "Baugenehmigung" und "Naturschutzgebiet" kenne?

Das Gelände in Grünheide (Mark), für das sich Tesla laut "Tagesspiegel" und Quellen aus der brandenburgischen Landesregierung entschieden hat, war einst für das stattdessen in Leipzig gebaute BMW-Werk vorgesehen. In Brandenburg hatte es Proteste gegen die Ansiedlung gegeben. Grünheide liegt verkehrsgünstig an der Berliner Ringautobahn A10 und der Bahnstrecke Berlin-Frankfurt (Oder), aber auch inmitten eines großen Waldgebiets mit einer Seenkette.

ak/reuters/dpa-afx

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