Prominenter Short-Seller verklagt Tesla und Musk Tesla stürzt - zwei Abgänge und siebte Klage gegen Musk

Tesla-Chef Elon Musk

Tesla-Chef Elon Musk

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Für den Elektroauto-Pionier Tesla  kommt es derzeit knüppeldick: Elon Musks Tweet zum geplanten Börsenabgang und der anschließende Rückzug von diesem Delisting rufen neue Kläger auf den Plan. Musk sorgt außerdem mit einem öffentlichen Auftritt für Verunsicherung unter Investoren. Schließlich hat noch Teslas Chefbuchhalter (Chief Accounting Officer) Dave Morton am Freitag bekannt gegeben, Tesla zu verlassen - nach nur einem Monat in dem Job.

Die hohe Arbeitsbelastung sowie das extreme öffentliche Interesse an Tesla  seien die Gründe für seinen Rückzug, begründete Morton seine Kündigung. Mit dem finanziellen Berichtswesen von Tesla gebe es hingegen keinerlei Probleme oder Unstimmigkeiten, versicherte er.

30 Prozent Kursverlust binnen vier Wochen

Mortons Abgang aus der Tesla-Spitze bleibt nicht der einzige: Gleichzeitig teilt Teslas Personalchefin Gabrielle Toledano mit, dass sie nach ihrer Auszeitnicht mehr ins Unternehmen zurückkehren werde.

Anleger reagierten stark verunsichert auf die aktuellen Nachrichten. Die Aktie gab im vorbörslichen US-Handel bis zu 10 Prozent nach und fiel unter die Marke von 260 US-Dollar. Laut "Bloomberg" ist das der größte Tagesverlust seit zwei Jahren für Tesla. Vor vier Wochen hatte die Aktie noch bei 380 Dollar notiert. Binnen eines Monats ist die Bewertung von Tesla also um mehr als 30 Prozent geschrumpft.

Leerverkäufer: Siebte Klage gegen Tesla und Musk

Zu der Verunsicherung der Investoren dürfte auch die Klage des Leerverkäufers Andrew Left gegen Tesla sowie Elon Musk beigetragen haben. Der prominente aktivistische Investor argumentiert, Musk habe die Pläne, Tesla von der Börse zu nehmen, mit betrügerischen Absichten inszeniert. Ziel sei gewesen, Investoren zu "verbrennen", die auf den fallenden Aktienkurs von Tesla gesetzt hatten.

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In der am Donnerstag eingereichten Sammelklage heißt es, Musks Verbreitung falscher und irreführender Informationen schade auch Investoren, die auf den steigenden Kurs von Tesla setzten. Der Autohersteller reagierte nicht auf Anfragen der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Klage von Andrew Left ist eine von mindestens sieben, die sich gegen Elon Musk richten. Sie alle wurden eingereicht, nachdem der Tesla-Chef am 7. August auf Twitter bekannt gab, dass er Tesla für 420 Dollar pro Aktie von der Börse nehmen könnte. Für die Transaktion in Höhe von 72 Milliarden Dollar sei die "Finanzierung gesichert".

Musk habe "künstlich mit objektiv falschen Tweets manipuliert"

Die Tweets trieben den Tesla-Kurs im Vergleich zum Handelsende am Vortag um mehr als 13 Prozent nach oben. Musk nahm seinen Plan dann am 24. August öffentlich zurück. Zuvor waren Zweifel aufgekommen, ob die Finanzierung für den Deal tatsächlich stehe. Die US-amerikanische Börsenaufsicht SEC untersucht den Fall. Leerverkäufer leihen sich Aktien, von denen sie glauben, dass sie überteuert sind. Sie verkaufen die Papiere dann und hoffen, sie später zu einem niedrigeren Preis zurückkaufen zu können, um so einen Gewinn zu erzielen. Sie setzen also auf fallende Kurse.

Tesla ist ein beliebtes Ziel der Leerverkäufer. Elon Musk hat gegen die Investoren in der Vergangenheit bereits häufig auf Twitter geschossen.


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Kläger Left ist der Meinung, dass Musk mit seinem Verhalten gegen die Bundeswertpapiergesetze verstoße: "Der Angeklagte Musk hat den Preis von Tesla-Wertpapieren künstlich mit objektiv falschen Tweets manipuliert". In den folgenden Tagen nach den Tweets sei das betrügerische Vorhaben aufgedeckt worden. Konkret bezieht sich der Investor auf die Zeit zwischen dem 7. und dem 17. August, in der er für mehrere Millionen Dollar Tesla-Aktien ge- und verkauft haben will.

Musk spricht von "Explosionen" in seinem Kopf - Podcast mit Joe Rogan

Tesla-Chef Musk hat unterdessen über seinen unablässig arbeitenden Erfindergeist gesprochen. Die immer neuen Ideen in seinem Kopf seien wie "nicht endende Explosionen", sagte Musk während eines Podcasts mit dem Komiker Joe Rogan in der Nacht zum Freitag. Als kleiner Junge habe er sich gefragt, ob er verrückt sei, weil es anderen Menschen offenbar nicht so erging wie ihm.

"Ich glaube, du willst nicht notwendigerweise ich sein", sagte Musk zu seinem Gesprächspartner. "Du würdest das nicht besonders mögen." Vielleicht sei es am Anfang "toll", "aber was, wenn es nicht mehr aufhört?" Während des weitschweifigen Gesprächs mit Rogan paffte Musk eine ihm angebotene Zigarette mit einer Tabak-Marihuana-Mischung (2:10:15). "Ich rauche Gras normalerweise nicht, fast nie", sagte der US-Unternehmer. "Ich finde nicht, dass es gut für die Produktivität ist. Es ist wie eine Tasse Kaffee im Rückwärtsgang." In Kalifornien ist Cannabis-Konsum nicht illegal.

Kritik an Musk nimmt zu

Die Kritik an Musk häuft sich allerdings trotzdem. Der Aufsichtsrat soll wegen der nächtlichen Twitter-Sessionen besorgt sein, auch sei einigen der Mitglieder bewusst, dass Musk manchmal Freizeitdrogen nähme . Das impulsives Verhalten des Tesla-Chefs verunsichert außerdem Anleger und sorgt für starke Schwankungen an der Börse, die heute zu einem Extrem geführt haben.

Musk fiel zuletzt nicht nur wegen seiner Tweets zum Delisting von Tesla negativ auf. Der "New York Times" gab der CEO ein Interview, indem er von dem "schlimmsten Jahr seiner Karriere" und der Überlastung sprach. Er sagte, regelmäßig das Schlafmittel Ambien zu nehmen. Das Medikament kann abhängig machen und die mentale Leistung schwächen. Auch das Interview führte zu einem Abrutsch an der Börse.

Das Verhalten des Milliardärs empfinden immer mehr Beobachter als ausfällig: Gerade erst beschimpfte Musk erneut einen Taucher, der Kinder in Thailand aus einer Höhle gerettet hatte und nannte ihn "Kindervergewaltiger". Den Buzzfeed-Journalisten, der Musks E-Mail mit den Beschimpfungen veröffentlichte, bezeichnete er als "verdammtes Arschloch".

Der Artikel wurde nachträglich mit aktuellen Informationen ergänzt.

Mit Material von Reuters