Warren Buffetts Elektrobus-Spezialist Wie Chinas BYD nun Daimler und MAN in Europa attackiert

Elektrobus von BYD: Ähnliche Modelle werden bereits in Ungarn und bald wohl in Marokko produziert

Elektrobus von BYD: Ähnliche Modelle werden bereits in Ungarn und bald wohl in Marokko produziert

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Der chinesische Elektroauto-Spezialist BYD (das Kürzel steht für Build Your Dreams) wittert gute Geschäfte in Europa - in einem Segment, das in der Autobranche als einträglich, aber nicht rasend spannend gilt: Bei Stadtbussen. Das Unternehmen aus Shenzhen, an dem US-Starinvestor Warren Buffett beteiligt ist, drängt nun Schlag auf Schlag nach Europa.

Im April dieses Jahres eröffneten die Chinesen ihr erstes Elektrobus-Werk in Ungarn. Mit einer Jahreskapazität von 400 Bussen und gerade mal 20 Millionen Euro Investment fiel das Werk eher klein aus. Doch von der Ankündigung des Werks bis zur Eröffnung verging nur knapp ein halbes Jahr - und BYD machte mit bescheidenen Werken, aber hoher Geschwindigkeit weiter. Ab 2018 sollen jährlich 200 Elektrobusse in einem weiteren BYD-Werk in Frankreich vom Band laufen. Ein drittes Werk, das BYD gemeinsam mit dem britischen Partner Alexander Dennis Ltd. betreibt, lieferte bereits erste Elektrobusse an die Stadtwerke von Liverpool und London.

Nun peilen die Chinesen wohl eine andere Größenordnung an: In Marokko plant BYD eine Fabrik für Elektrofahrzeuge und Batterien, wie am Wochenende bekannt wurde. Rund 2500 Menschen soll die Fabrik beschäftigen, BYD will dort Elektroautos, E-Busse und -Trucks sowie Batterien produzieren. Zur geplanten Investitionssumme verriet BYD bislang ebenso wenig wie zu der Frage, mit welcher Fahrzeugart die Fabrik starten soll. Fest steht nur, dass die Produktion bereits im kommenden Jahr starten soll.

Der Ort, an dem die Fabrik steht, dürfte auch bei Deutschlands großen Stadtbusherstellern Daimler und der Volkswagen-Tochter MAN für Aufsehen sorgen: Gebaut wird die Fabrik in der marokkanischen Hafenstadt Tanger - ein paar Dutzend Kilometer vom europäischen Festland entfernt und mit besten Schiffsverbindungen Richtung Europa. Renault fertigt in Tangers Freihandelszone seit einigen Jahren mehrere Dacia-Modelle. Das arabische Land gilt in der Autobranche als attraktive Destination wegen niedriger Löhne, moderater Steuern und hoher politischer Stabilität.

BYDs Elektrobusse fahren längst in Europas Städten

Noch ist das BYD-Werk in Tanger nicht mehr als eine Absichtserklärung, die von BYD-Chef Wang Chuangfu und Marokkos König Mohammed VI unterzeichnet wurde. Doch gerade im Nutzfahrzeugsektor gelten die Chinesen als große Nummer bei Elektrobussen: Sie haben auch in Europa zahlreiche Ausschreibungen gewonnen. In London fahren laut Eigenangaben bereits über 150 Elektrobusse von BYD, seit 2016 drehen auch Elektro-Doppeldeckerbusse ihre Runden durch die britische Metropole. Turin hat 23 der emissionsfrei fahrenden Busse bei BYD bestellt, die ersten drei wurden vor kurzem geliefert.

Die deutschen Bus-Platzhirsche Daimler und MAN, aber auch Volvo hinken da noch deutlich hinterher. Noch ist das Geschäft mit Elektrobussen allerdings sehr klein: Ende 2016 waren europaweit gerade mal 1300 Elektrobusse auf den Straßen oder vorbestellt, heißt es in einer aktuellen Studie . EU-weit wurden im vergangenen Jahr 40.380 Stadt- und Reisebusse neu zugelassen, zeigen Zahlen von ACEA , der europäischen Fahrzeugherstellervereinigung.

Elektrobus-Geschäft wächst in den kommenden Jahren stark

Doch das Geschäft mit den E-Bussen soll stark wachsen: Bis 2020 soll die Zahl der E-Busse in Europas Städten auf über 2500 verdoppeln. Bis 2025, heißt es in einer Studie der UITP  (Union Internationale des Transports Publics), sollen in Europas Städten 6100 Elektrobusse ihre Runden drehen.

China ist weltweit der größte Markt für Elektrobusse, BYD hat nach eigenen Angaben seit 2010 über 10.000 Elektrobusse hergestellt. Das Unternehmen gilt in seiner Heimat als Marktführer. Und sie haben schnell gelernt, wie MAN-Chef Joachim Drees vor kurzem eingestand. Die erste Generation der chinesischen Elektrobusse hätte in Europa keine Chance gehabt, sagte Drees Mitte November gegenüber der Welt. Doch durch den frühen Start hätte BYD viel Erfahrung und seien in Europa schon auf dem Markt. "Das sind mittlerweile ernst zu nehmende Wettbewerber", so Drees.

Der MAN-Chef rechnet übrigens damit, dass ab 2025 Verkehrsbetriebe in Ballungszentren fast ausschließlich Elektro-Stadtbusse ordern werden. Hamburg will dies schon ab dem Jahr 2020 schaffen, London und Paris haben sich ähnliche Ziele gesetzt.

BYD koopiert mit Daimler in China - bei Elektroautos

Der bisherige Nischenmarkt dürfte also schnell wachsen. Mit BYD bekommt MAN zudem einen durchaus finanzkräftigen neuen Konkurrenten: Anders als etwa Tesla arbeiten die Chinesen seit Jahren profitabel. Angefangen hat BYD als Produzent für Handy-Akkus, Plugin-Elektroautos verkauft das Unternehmen seit 2008.

Doch es dauerte, bis BYD seine Elektroautos und Plugin-Hybride in größeren Stückzahlen in China verkaufen konnte. Richtig gut und mit großen Stückzahlen läuft das Geschäft erst seit rund zwei Jahren. Die Ankündigung von 2012, das Elektroauto-Modell e6 auch in Europa groß auf den Markt zu bringen, hat das Unternehmen nie eingelöst. Bisher wird der e6 eher in geringen Stückzahlen importiert.

Es könnte sein, dass sich das durch den Bau der Fabrik in Tanger ändert. Dabei könnte allerdings auch Daimler noch ein Wörtchen mitzureden haben: Während die Stuttgarter mit BYD auf dem Elektrobus-Markt konkurrieren, sind sie in China bei Elektro-Pkw Partner. Gemeinsam stellen BYD und Daimler Elektroautos der Marke Denza her. Dabei stammt die Karosseriebasis von Daimler, die Batterietechnik von den Chinesen. Bisher ist das Auto zwar kein großer Erfolg. Doch vermutlich wäre Daimler wohl wenig erfreut, wenn die Chinesen plötzlich mit Günstig-Elektroautos aus Marokko den europäischen Markt aufmischen.