Montag, 17. Juni 2019

Politiker wollen ab 2030 nur noch abgasfreie Autos Deutschland ohne Diesel und Benzin - kann das funktionieren?

Elektro-Käfer: Ist ein Deutschland ohne Benzin und Diesel möglich?

5. Teil: Wo sollen die emissionsfreien Autos 2030 tanken?

Innerhalb von 14 Jahren muss der Aufbau einer Ladeinfrastruktur eigentlich zu schaffen sein. Notwendig ist dafür neben dem politischen Willen auch Geld von EU, Bund, Länder und Gemeinden. Planspiele mit großen Zahlen gibt es natürlich. 150.000 Ladepunkte, so schrieb die EU-Kommission Anfang 2013, sollten in Deutschland im Jahr 2020 in Betrieb sein, um Elektroautos flächendeckend mit Strom versorgen zu können. Der Haken des EU-Plans: Er vertraute darauf, dass Unternehmen die Ladesäulen hochziehen. Profitable Geschäftsmodelle für den Betrieb der Strom-Zapfsäulen gibt es allerdings noch nicht.

Noch ist Deutschland weit von einer Vollversorgung entfernt. Einigermaßen ausgebaut ist die Ladeinfrastruktur bislang nur in den Städten Berlin, Hamburg, Stuttgart und im Ruhrgebiet zwischen Dortmund und Düsseldorf. Zur Jahreshälfte 2016 gab es bundesweit exakt 6517 Ladepunkte an 2859 Ladestationen, zeigt eine Erhebung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft. Davon waren genau 230 Stück Schnellladepunkte.

Deutschland ist damit weit von jenen 7000 Stück öffentlichen Schnellladepunkten entfernt, die laut Plänen des Verkehrsministeriums bis 2020 in Betrieb gehen sollen. Ähnlich lahm läuft der Ausbau der Normalladepunkte, von denen Ende 2020 36.000 Stück in Betrieb sein sollen.

Immerhin gibt es bald mehr Geld vom Bund: Denn im Rahmen des kürzlich gestarteten Elektromobilitäts-Förderprogramms der Bundesregierung sollen auch 300 Millionen Euro in den Ausbau der Ladeinfrastruktur fließen. Mindestens 15.000 neue Ladestationen sollen so entstehen. Hoffentlich setzt die Regierung entlang der Autobahnen auf echte Schnellladesäulen, die auch größere Elektroauto-Akkus innerhalb von 30 Minuten zu 80 Prozent laden können.

EU-weit normierte Stecker- und Vorgaben für Abrechnungssysteme gibt es bereits. Bislang kann nur der Autohersteller Tesla mit seinen Superchargern ein halbwegs flächendeckendes Netz an Schnellladesäulen bieten. Dort können aber bislang nur Tesla-Modelle Strom ziehen.

Noch ganz am Anfang steht in Deutschland die Infrastruktur für Wasserstoffautos. Nicht mal 20 öffentliche Wasserstoff-Tankstellen gibt es dafür in Deutschland, fast die Hälfte davon steht in Hamburg und Berlin. Langstreckenfahrten quer durch Deutschland sind damit nur mit viel Kalkül und nur auf bestimmten Strecken möglich. Zwischen Dortmund und Dresden sind in nächster Zeit auch keine solchen Tankstellen in Vorbereitung, zeigt die Karte der Clean Energy Partnership.

Immerhin: Bis 2023 soll es 400 Wasserstoff-Zapfsäulen in Deutschland geben, verkündete das Verkehrsministerium gemeinsam mit mehreren großen Mineralölfirmen im April. Mit genügend Strom ließe sich der Wasserstoff auch direkt per Elektrolyse an der Tankstelle erzeugen. Doch das ist noch deutlich teurer als andere Arten der Wasserstoffgewinnung. Und noch fehlen entsprechende Serienfahrzeuge. Derzeit wird nur je ein Modell von Toyota und Hyundai angeboten, Daimler will mit einem Wasserstoff-SUV im kommenden Jahr nachziehen. Doch die Autos kosten rund 80.000 Euro - und sind damit viel zu teuer für den Masseneinsatz.

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