Montag, 16. September 2019

Tesla verfehlt Ziele Die beängstigenden Ausreden des Elon Musk

Elon Musk gibt wieder mal ein ehrgeiziges Ziel aus: In zehn Jahren soll Tesla so viel wert sein wie Apple heute

Statt maue Zahlen zu erklären, flüchtet Tesla-Chef Elon Musk lieber in die Zukunft: In zehn Jahren sieht er sein Unternehmen auf Augenhöhe mit Apple. Dabei ist Tesla drauf und dran, seinen Vorsprung zu verspielen.

Hamburg - Sein Unternehmen hat die Absatzziele verfehlt, den Verlust erhöht, und die Erwartungen der Analysten enttäuscht. Dennoch zeigte Tesla-Chef Elon Musk keine Spur von Demut bei der Präsentation der jüngsten Quartalszahlen. Ganz im Gegenteil: Er drehte noch mal richtig auf. Bis 2025 könnte Tesla Börsen-Chart zeigen die derzeitige Marktkapitalisierung von Apple erreichen, erklärte Musk vollmundig, wenn der Elektroauto-Hersteller seinen Wachstumskurs beibehält.

Bei solchen Ansagen Musks schwingt schon ein wenig Größenwahn mit. Denn um zu Apple aufzuschließen, müsste Tesla seinen aktuellen Marktwert innerhalb von zehn Jahren verzwanzigfachen. Und Teslas Investorenbrief zeigt, dass es für Musks grenzenlosen Optimismus derzeit wenig Anlass gibt. Im Gegenteil: Zuletzt strauchelte Tesla merklich.

Zwar hat Tesla im vergangenen Jahr wie geplant 35.000 Fahrzeuge produziert - mit einer "Herkulestat", wie Musk blumig schreibt. Dennoch hat der Elektroautohersteller im Dezember um 1400 Fahrzeuge weniger ausgeliefert als vorgesehen. Schuld daran waren laut Musk zum einen Schwierigkeiten bei der Verschiffung der Fahrzeuge - was darauf hinweist, dass die Kalifornier ihre Logistik nicht im Griff haben.

Über sein wichtigstes Zukunftsprojekt schweigt Musk

Zum anderen machte Tesla das schlechte Winterwetter einen Strich durch die Absatz-Rechnung. Diese Erklärung ist ein Klassiker unter den Ausflüchten der Autokonzerne, wenn sie schlechte Quartalszahlen rechtfertigen müssen. Die dritte Begründung von Musk für das Auslieferungsproblem ist dagegen richtig originell: Seine Kunden waren auf Urlaub und konnten die Fahrzeuge nicht in Empfang nehmen.

All das hält Musk jedoch nicht davon ab, die Zukunft seines Unternehmens in rosigen Farben zu malen. In diesem Jahr will Tesla seine Produktion auf 55.000 Fahrzeuge hochfahren, um 70 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Der Elektro-SUV Model X, dessen Marktstart in der Vergangenheit mehrfach verschoben wurde, soll im dritten Quartal ausgeliefert werden. Auch der Bau von Teslas riesiger Batteriefabrik schreitet laut Musk wie geplant voran, ab 2016 sollen in der Wüste von Nevada die ersten Akkus vom Band laufen.

Alles vollgeladen bei Tesla also? Nicht ganz. Über sein wichtigstes Zukunftsprojekt schwieg Musk - sein Model III, mit dem Tesla ab 2017 den Massenmarkt aufrollen will. Bisher ist nur bekannt, dass das Fahrzeug rund 300 Kilometer weit mit einer Akkuladung kommen und rund 35.000 Dollar kosten soll.

Seite 1 von 2

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung