Nach vermehrten Beschwerden Kartellamt prüft Preisgestaltung an E-Auto-Ladesäulen

Der Markt für Elektroauto-Ladesäulen ist noch vergleichsweise überschaubar. Doch die Beschwerden über die Preisgestaltung und die Konditionen nehmen zu - ein Fall für das Kartellamt.
Stromtankstelle in Baden-Württemberg: Verbraucher beschweren sich zusehends über Preisgestaltung und Konditionen an den Ladesäulen in Deutschland.

Stromtankstelle in Baden-Württemberg: Verbraucher beschweren sich zusehends über Preisgestaltung und Konditionen an den Ladesäulen in Deutschland.

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Lino Mirgeler/ dpa

Das Bundeskartellamt will auf Verbraucherbeschwerden hin den gerade erst entstehenden Markt für öffentliche Elektroauto-Ladestationen untersuchen. "Uns erreichen schon jetzt vermehrt Beschwerden über die Preise und Konditionen an den Ladesäulen", erklärte Kartellamtschef Andreas Mundt (59)am Donnerstag. Die Behörde wolle in dieser frühen Marktphase strukturelle Wettbewerbsprobleme identifizieren und damit einen Beitrag zum erfolgreichen Aufbau der Ladeinfrastruktur leisten. Schließlich seien Bedingungen und Preise für Laden im öffentlichen Raum von zentraler Bedeutung für den angestrebten Umstieg auf Elektromobilität. Da der Betrieb von Ladesäulen nicht der Regulierung für Stromnetze unterliege, müssten Wettbewerbsprobleme kartellrechtlich angepackt werden.

Die Monopolkommission des Bundes hatte bereits im vergangenen Jahr auf mangelnden Wettbewerb hingewiesen. Kommunen hätten häufig mit einzelnen Anbietern Verträge abgeschlossen und ihnen so eine marktbeherrschende Stellung verschafft.

Derzeit teilen sich etwa sieben E-Autos eine öffentliche Ladestation

Der Verband der Automobilindustrie berichtete unterdessen, im Juni und damit vor dem Start der höheren Förderung im Juli hätten sich die Neuzulassungen für Pkw mit elektrischen Antrieben mehr als verdoppelt auf knapp 19.000 Fahrzeuge. Im ersten Halbjahr liege die Zahl mit 93.682 Fahrzeugen knapp doppelt so hoch wie im Vorjahreszeitraum. Plug-in-Hybride seien stärker gefragt als reine batterieelektrische Autos. Private Käufer hätten sich im Unterschied zu gewerblichen zurückgehalten. "Die ab 1. Juli 2020 für sechs Monate abgesenkte Mehrwertsteuer in Kombination mit dem deutlich erhöhten Umweltbonus sollten in den nächsten Monaten zu einer Auflösung des Nachfragestaus bei privaten Käufern führen", erklärte VDA-Chefin Hildegard Müller (53).

Nach Daten des Energiekonzerns Eon sind mittlerweile in Deutschland mehr als 136.000 reine Elektroautos unterwegs und über 19.000 öffentliche Ladestationen installiert. Rechnerisch teilten sich sieben Fahrzeuge eine öffentliche Ladestation, die zumeist mehrere Ladepunkte habe. Von den Bundesländern sind in Bayern die meisten E-Autos und Ladestationen zu finden. Von den Großstädten hat Berlin das dichteste Ladesäulennetz, gefolgt von Hamburg und München. Details hat Eon in einem Energieatlas  zusammengetragen.

rei/dpa
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