Interesse an Batteriefahrzeugen sinkt trotz Subventionen Elektroauto-Kaufprämie droht der Mega-Flop

Elektroauto-Prämie ohne Wirkung: Tesla-Fahrer bekommen keinen Zuschuss

Elektroauto-Prämie ohne Wirkung: Tesla-Fahrer bekommen keinen Zuschuss

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Knapp drei Monate nach ihrer Einführung droht die Kaufprämie für Elektroautos zum Fiasko zu werden. Auch im Juli haben sich die Zulassungszahlen aus Sicht der Hersteller enttäuschend entwickelt.

Im vergangenen Monat haben die Behörden gerade einmal 1801 Autos zugelassen, die sich an einer Steckdose aufladen lassen - weniger als im Juli des Vorjahres. Der Marktanteil der Elektrowagen lag bei mickrigen 0,65 Prozent. Auf diesem Niveau dümpelte der E-Auto-Anteile schon, bevor es die Prämie gab. In vielen anderen europäischen Ländern liegt er deutlich höher.

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Von den im Juli zugelassenen Stromautos waren 1016 so genannte Plugin-Hybride, bei denen ein Verbrennungsmotor die Reichweite vergrößert. Diese Wagen, zu denen der VW Passat GTE oder der BMW 225xe zählen, kamen in etwas größerer Zahl auf die Straßen als vor einem Jahr. Bei den rein batterieelektrischen Fahrzeugen registrierte das Kraftfahrt-Bundesamt jedoch einen deutlichen Rückgang von 18,4 Prozent auf nur noch 785 Wagen.

Käufer eines Batterie-Elektroautos bekommen seit Mai einen Zuschuss von 4000 Euro. Wer sich einen Plugin-Hybrid zulegt, erhält 3000 Euro. In beiden Fällen teilen sich Staat und Hersteller die Kaufprämie.

"Die Prämie ist zumindest in diesem Jahr ein Flop", sagte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer gegenüber manager-magazin.de. "Aufs Jahr werden vermutlich gerade so viele reine Elektroautos mit Prämie verkauft wie im Jahr zu vor ohne Prämie, nämlich gerade mal etwas mehr als 12.000."

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Trotz der Prämie haben Autofahrer kaum Anreize, sich ein Elektroauto zu kaufen, sagt Dudenhöffer. Angesichts niedriger Ölpreise und Steuersubventionen für Diesel bekämen sie "an jeder Tankstelle das Signal, auf das Bewährte zu setzen". Vielen potenziellen Käufern fehle es zudem an Informationen über Elektroautos und Vertrauen in eine leistungsfähige Ladeinfrastruktur.

Im Vergleich zu anderen Ländern erscheint die deutsche Kaufprämie zudem recht niedrig. In Frankreich liegt sie bei bis zu 10.000 Euro für den Fall, dass der Autofahrer zugleich einen alten Diesel-Wagen verschrottet. Dort haben Elektroautos immerhin etwa 1,7 Prozent Marktanteil.

Im Stromer-Musterland Norwegen erlässt der Staat Elektroauto-Käufern hohe Verbrauchssteuern. Deshalb liegt der Marktanteil der Batteriefahrzeuge bei etwa 30 Prozent.

Im kommenden Jahr könnte Schwung in den E-Auto-Markt kommen

Ebenfalls nicht gerade verkaufsfördernd sind Rabattstrategien, wie sie der führende Elektroauto-Hersteller Renault in Deutschland verfolgt. Die Franzosen stecken sich die Subvention in die eigene Tasche, anstatt sie zusätzlich zu den bereits vorher gewährten Rabatten an die Autokäufer weiterzugeben. Renault selbst verweist indessen darauf, man habe den hohen Rabatt vor Einführung der Prämie gezahlt, um diese gewissermaßen vorwegzunehmen und aus eigener Tasche zu zahlen.

Kunden des Elektroauto-Vorreiters Tesla wiederum kommen gar nicht in den Genuss der Kaufprämie, da der Staat diese nur für Autos mit einem Netto-Listenpreis von bis zu 60.000 Euro gewährt. Das günstigste Tesla Model S kostet jedoch gut 64.000 Euro netto.

Im kommenden Jahr könnte allerdings etwas Schwung in den deutschen Elektroautomarkt kommen. Dann bringt Opel den Ampera-e zu den Händlern. Der Kleinwagen soll auf eine Reichweite von bis zu 320 Kilometer kommen. Das bietet bisher zu dem (in den USA) veranschlagten Kaufpreis von 37.500 Dollar kein Hersteller.

Doch auch BMW bringt bald einen i3 mit verbesserter Reichweite auf die Straße. Und schließlich hat auch Tesla für nächstes oder übernächstes Jahr sein Massenmarkt-Auto Model 3 versprochen.

manager-magazin.de/Wochit