Sonntag, 20. Oktober 2019

Benzin-Tankstellen in Norwegen unter Druck Wie wollen Sie die Elektroauto-Invasion überleben, Herr Svela?

Tankstellen-Manager Svela: "Ein Elektroauto wird niemals fossile Brennstoffe benötigen. Diesen Fakt müssen wir anerkennen."

In Norwegen ist bereits jedes dritte verkaufte Fahrzeug ein Elektroauto. Ein Alptraum für die Tankstellenbetreiber? Nicht unbedingt, erklärt Anders Kleve Svela, Manager bei der Kette Circle K (ehemals Statoil), gegenüber manager-magazin.de.

mm.de: Herr Svela, in Norwegen sind Elektroautos dank großzügiger Subventionen auf dem Vormarsch. Sterben Tankstellenbetreiber wie Sie nun einen Tod auf Raten?

Anders Kleve Svela: Wir registrieren einen kontinuierlich sinkenden Absatz von Benzin. Dagegen steigt der Absatz von Diesel. Unterm Strich gleicht sich das in etwa aus. Uns liegen keine Informationen darüber vor, ob Fahrten mit Elektroautos Fahrten mit herkömmlichen Autos ersetzen oder zusätzlich erfolgen.

Anders Kleve Svela
  • Anders Kleve Svela ist Elektroauto-Experte bei der norwegischen Tankstellenkette Circle K. Sie gehört zum kanadischen Einzelhandels-Riesen Alimentation Couche-Tard. Bis 2010 zählten die Tankstellen zum Reich des norwegischen Ölkonzerns Statoil.

mm.de: Jedes dritte in Norwegen verkaufte Auto ist ein reines Elektroauto oder ein Plugin-Hybrid - davon spüren Sie gar nichts?

Svela: Ob wir ohne Elektroautos mehr Sprit verkaufen würden, ist reine Spekulation. Ihre Zahl ist insgesamt noch nicht sehr groß. Es gibt 2,5 Millionen Pkw in Norwegen, davon sind 100.000 Elektroautos. Die meisten Leute brauchen zusätzlich zu einem Elektroauto immer noch einen Wagen mit Verbrennungsmotor. Eine viel größere "Bedrohung" für uns sind spritsparende konventionelle Fahrzeuge.

mm.de: Gibt es denn einzelne Regionen, in denen ein Elektroauto-Effekt spürbar ist?

Svela: Es gibt zwei Inseln in West-Norwegen, auf denen der Anteil von Batteriefahrzeugen besonders hoch ist: Finnøy und Averøy. Fahrer von Elektroautos dürfen die Tunnel dorthin kostenlos nutzen. Auch in Oslo ist der E-Auto-Anteil sehr hoch. Zuletzt verkauften sie sich allerdings wieder schlechter. (Anmerkung der Redaktion: Reine Batterieautos verkauften sich zuletzt in Norwegen schlechter, Plugin-Hybride dafür besser.)

mm.de: Klingt insgesamt, als sei das Thema nicht von großer Bedeutung für Sie. Stellt sich Ihr Unternehmen gar nicht auf einen fortgesetzten Technologie-Wechsel ein?

Svela: Ein Elektroauto wird niemals fossile Brennstoffe benötigen. Diesen Fakt müssen wir anerkennen. Es gibt zwei Möglichkeiten, dem zu begegnen: Wir können unsere Augen schließen und hoffen, dass Elektroautos wieder verschwinden. Oder wir bieten die Art von Energie an, die Elektroautos brauchen. Das ist Strom aus Schnellladesäulen.

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