Benzin-Tankstellen in Norwegen unter Druck Wie wollen Sie die Elektroauto-Invasion überleben, Herr Svela?

In Norwegen ist bereits jedes dritte verkaufte Fahrzeug ein Elektroauto. Ein Alptraum für die Tankstellenbetreiber? Nicht unbedingt, erklärt Anders Kleve Svela, Manager bei der Kette Circle K (ehemals Statoil), gegenüber manager-magazin.de.
Tankstellen-Manager Svela: "Ein Elektroauto wird niemals fossile Brennstoffe benötigen. Diesen Fakt müssen wir anerkennen."

Tankstellen-Manager Svela: "Ein Elektroauto wird niemals fossile Brennstoffe benötigen. Diesen Fakt müssen wir anerkennen."

mm.de: Herr Svela, in Norwegen sind Elektroautos dank großzügiger Subventionen auf dem Vormarsch. Sterben Tankstellenbetreiber wie Sie nun einen Tod auf Raten?

Anders Kleve Svela: Wir registrieren einen kontinuierlich sinkenden Absatz von Benzin. Dagegen steigt der Absatz von Diesel. Unterm Strich gleicht sich das in etwa aus. Uns liegen keine Informationen darüber vor, ob Fahrten mit Elektroautos Fahrten mit herkömmlichen Autos ersetzen oder zusätzlich erfolgen.

Anders Kleve Svela

Anders Kleve Svela ist Elektroauto-Experte bei der norwegischen Tankstellenkette Circle K. Sie gehört zum kanadischen Einzelhandels-Riesen Alimentation Couche-Tard. Bis 2010 zählten die Tankstellen zum Reich des norwegischen Ölkonzerns Statoil.

mm.de: Jedes dritte in Norwegen verkaufte Auto ist ein reines Elektroauto oder ein Plugin-Hybrid - davon spüren Sie gar nichts?

Svela: Ob wir ohne Elektroautos mehr Sprit verkaufen würden, ist reine Spekulation. Ihre Zahl ist insgesamt noch nicht sehr groß. Es gibt 2,5 Millionen Pkw in Norwegen, davon sind 100.000 Elektroautos. Die meisten Leute brauchen zusätzlich zu einem Elektroauto immer noch einen Wagen mit Verbrennungsmotor. Eine viel größere "Bedrohung" für uns sind spritsparende konventionelle Fahrzeuge.

mm.de: Gibt es denn einzelne Regionen, in denen ein Elektroauto-Effekt spürbar ist?

Svela: Es gibt zwei Inseln in West-Norwegen, auf denen der Anteil von Batteriefahrzeugen besonders hoch ist: Finnøy und Averøy. Fahrer von Elektroautos dürfen die Tunnel dorthin kostenlos nutzen. Auch in Oslo ist der E-Auto-Anteil sehr hoch. Zuletzt verkauften sie sich allerdings wieder schlechter. (Anmerkung der Redaktion: Reine Batterieautos verkauften sich zuletzt in Norwegen schlechter, Plugin-Hybride dafür besser.)

mm.de: Klingt insgesamt, als sei das Thema nicht von großer Bedeutung für Sie. Stellt sich Ihr Unternehmen gar nicht auf einen fortgesetzten Technologie-Wechsel ein?

Svela: Ein Elektroauto wird niemals fossile Brennstoffe benötigen. Diesen Fakt müssen wir anerkennen. Es gibt zwei Möglichkeiten, dem zu begegnen: Wir können unsere Augen schließen und hoffen, dass Elektroautos wieder verschwinden. Oder wir bieten die Art von Energie an, die Elektroautos brauchen. Das ist Strom aus Schnellladesäulen.

Norwegen will ab 2025 gar keine Verbrenner mehr zulassen - was dann?

mm.de: Warum sollen Elektroauto-Fahrer ausgerechnet bei einer normalen Tankstelle laden?

Svela: Meistens werden sie die Batterie zu Hause füllen, aber es gibt auch einen Markt für schnelles Laden. Wir wollen ein Teil dieses Marktes sein und haben deshalb an einigen unserer Tankstellen Schnellladesäulen errichtet. Bisher sind es 30, und die Zahl wächst.

mm.de: Es gilt jedoch als nahezu unmöglich, mit Stromtankstellen Geld zu verdienen. Die Mengen an Elektrizität sind gering, die Ladezeit lang.

Svela: Wer bei uns lädt, bleibt etwa 20 bis 30 Minuten. Deshalb ist die Chance recht hoch, bei dieser Gelegenheit Artikel des täglichen Bedarfs zu verkaufen. Nicht zuletzt brauchen auch Fahrer von Elektroautos manchmal eine Pause - und einen Kaffee, ein Hot Dog und dergleichen. Wir wollen die erste Anlaufstelle für alle Fahrer von Elektroautos sein.

mm.de: Norwegen will ab 2025 keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr zulassen. Wie stellen Sie sich auf diesen radikalen Schritt ein?

Svela: Indem wir Schnellladesäulen aufstellen und ein gutes Angebot aller möglichen Artikel haben. Unsere Reise von Benzin-Tankstellen zu Energie-Tankstellen hat begonnen.