Dienstag, 19. November 2019

Diskussion um Batterien und Zellen-Produktion spitzt sich zu Die Zellteilung von Porsche und Daimler

Auf Angriff gepolt: Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück fordert eine eigene Zellen- und Batterieproduktion für Autos in Deutschland

Hybridautos von Porsche gibt es bereits. 2020 will die Volkswagen-Tochter ihren ersten reinen Elektro-Sportwagen auf den Markt bringen - und damit Tesla die Stirn bieten. Der VW-Konzern insgesamt will den Anteil seiner Elektrofahrzeuge bis 2025 auf ein Viertel seines Absatzes hochschrauben. Damit könnte der VW zwischen zwei und drei Millionen E-Autos jährlich verkaufen. Bei Daimler wiederum sollen im Zuge der Elektrooffensive samt neuer E-Modell-Marke "EQ" bis 2025 zehn Elektroautos den Stern tragen.

Dass diese Autos leistungsfähige Batterien brauchen, ist unstreitig. Strittig ist allerdings, wer künftig die für die Batterien notwendigen Zellen fertigt und wo das am besten geschehen soll. So warnt jetzt der einflussreiche Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück in einem dpa-Gespräch die deutschen Autobauer davor, Produktion und Wertschöpfung in diesem Geschäft kampflos den Asiaten zu überlassen.

Sollten sich die deutschen Autobauer nicht zu einer heimischen Produktion entschließen und weiter Zellen aus Asien beziehen, drohten Einbußen bei der Wettbewerbsfähigkeit und ein massiver Arbeitsplatzverlust. "Dann würden wir einen sozialen Aufstand bekommen," warnt Hück. Die Autobauer müssten schnell handeln und sich für eine Gemeinschaftsproduktion hierzulande entscheiden. Andernfalls drohe ihnen auch heftiger "Ärger" mit Arbeitnehmervertretern.

Hück steht mit seiner Einschätzung zur Batteriezellen-Produktion im scharfen Gegensatz zu Daimler-Chef Dieter Zetsche und anderen Auto-Managern. Zetsche sprach sich jetzt im "Handelsblatt" (kostenpflichtig) explizit gegen eine eigene Produktion aus:

"Wir haben als einziges Unternehmen in Deutschland Zellen produziert. Heute wissen wir, dass wir diese zu einem Bruchteil unserer Kosten am internationalen Markt einkaufen können. Es ist schlichtweg nicht wirtschaftlich, Zellen selbst zu produzieren. Außerdem weiß niemand, welche Technologie sich letztlich durchsetzen wird", sagte Zetsche.

Auf die Anzahl der Arbeitskräfte in Deutschland hätte eine Zellenproduktion auch wenig Einfluss: "Ich bin durch unsere Zellenproduktion gelaufen und war da ziemlich alleine. Das ist eine hochautomatisierte Fertigung."

Zetsche: Es ist schlicht unwirtschaftlich, Zellen selbst zu produzieren

Zetsche widerspricht damit explizit Hücks These und Ansinnen, dass mit einer eigenen Zellproduktion Arbeitsplätze in Deutschland gesichert würden, die durch das allmähliche Ende des Verbrennungsmotors verloren gingen. Bisher beziehen deutsche Autobauer die Zellen - sozusagen die Speichermasse der Energie - aus Asien.

Schon länger machen sich Betriebsräte der deutschen Autobauer für einen heimischen Akkuproduktionsstandort stark. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh zum Beispiel forderte unlängst eine eigene große Batteriefabrik. Der Unterschied zu Hück: Eine eigene Zellenproduktion müsse dies nicht zwingend einschließen.

Auto-Manager wie Zetsche verweisen auf die hohen Investitionskosten und den günstigen Weltmarktpreis der Zellen. So auch die Porsche-Mutter Volkswagen. Zwar erwägt VW den Aufbau eigener Batteriezellen-Werke, zugleich räumt aber Volkswagen-Strategiechef Thomas Sedran im Interview mit manager-magazin.de ein: "Die Fertigung von Zellen ist sehr kapitalintensiv. Weltweit gibt es nur eine Handvoll Unternehmen, die das wirklich können."

Ob sich VW künftig auf Forschung und Entwicklung beschränken oder eine Fabrik eventuell selbst oder mit Partnern betreiben werde, sei noch nicht klar. Die Grundsatzentscheidung dazu solle bis Ende des Jahres fallen. Ob im Ausland oder auf heimischen Boden - offen lässt der Manager auch, wo so eine Fabrik dann stehen sollte.

Porsche-Mann Hück hingegen pocht auf einen deutschen Standort. Die Batteriezellen seien essenzieller Teil der Elektromobilität - "Deutschlands Autobauer dürfen sich hierbei nicht abhängig machen von Asien." Auch dürften Konzerne aus Rendite-Erwägungen die dafür notwendigen Investition nicht auf die lange Bank schieben, warnt Hück. Zugleich spricht sich der Porsche-Betriebsratschef im Gegensatz zu Osterloh dafür aus, beides - also Zellfertigung und Batterieproduktion - in Deutschland aufzubauen. "Wir brauchen beides in Deutschland."

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mit dpa

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