Freitag, 24. Mai 2019

E-Auto-Start-up Lucid spricht angeblich mit Staatfonds Chinas Tesla-Rivalen - einer hofft nun auf saudisches Geld

6. Teil: Thunder Power - die Taiwanesen hat die Branche noch kaum auf dem Schirm

Limousinen-Prototyp von Thunder Power: Ende 2018 soll die Serienfertigung des Autos in China starten
Zagato Design
Limousinen-Prototyp von Thunder Power: Ende 2018 soll die Serienfertigung des Autos in China starten

Was über das erste Modell bekannt ist: Es war ein wuchtiges Gefährt, dass die Taiwanesen bereits auf der IAA 2015 präsentierten: Eine viertürige, noch namenlose Elektrolimousine, gezeichnet vom italienischen Designbüro Zagato - und mit durchaus soliden Leistungswerten: Eine Reichweite von 650 Kilometern sollte der 125 kWh-Akku im Unterboden ebenso ermöglichen wie 250 km/h Spitzengeschwindigkeit. Neu an dem Auto: Es soll sich kabellos per Induktion laden lassen - und zwar in drei bis vier Stunden statt wie bisher in zehn.

Wann und wie Thunder Power starten will: Im Frühjahr 2018 gab Unternehmenschef Willen Sham - von den meisten europäischen Medien eher unbemerkt - Details zum Start bekannt: Ende 2018 soll die Serienfertigung des Autos in China starten, der Wagen soll rund 63.000 Dollar kosten. Die Fabrik in china soll eine jährliche Kapazität von 100.000 Fahrzeugen besitzen, ab 2022 will Thunder Power die Produktion verdoppeln. Ab 2025 soll die Limousine dann autonomes Fahren ermöglichen. Dabei setzt Thunder Power nicht auf Bilderkennung, sondern auf eine Art neuronales Netzwerk, dass die Denkweise des menschlichen Hirns imitiert. Laut Eigenangaben hat Thunder Power bereits 390 Patente für den Wagen angemeldet, 75 davon seien bereits in USA und China anerkannt.

Wer im Führungsteam sitzt: CEO Wellen Sham, gebürtiger Chinese, hat in den USA einen Abschluss in Biochemie gemacht. Allzu viel ist nicht über ihn bekannt, Sham hat aber laut seinem LinkedIn-Profil wohl reichlich Erfahrung in der Venture Capital-Branche. Entwicklungschef von Thunder Power ist Peter Tutzer, der bei VW einst für die Entwicklung des Supersportwagens Bugatti Veyron verantwortlich war, der Chefingenieur des Unternehmens arbeitete am Ferrari LaFerrari mit.

Wer das Start-up finanziert: Laut Bloomberg besitzt Sham selbst rund 13 Prozent an Thunder Power, der Rest wird von überwiegend taiwanesischen Fonds und Risikokapitalgebern gehalten. Bloomberg schätzt die aktuelle Marktkapitalisierung von Thunder Power auf rund 410 Millionen Dollar.

Wo es bereits knirscht: noch gibt es zu dem Unternehmen nur sehr spärliche Informationen. Thunder Power zog mit Ausnahme der IAA 2015 vor, im Hintergrund zu bleiben.

Unsere erste Runden-Wertung: Der große Unbekannte in der Runde der potenziellen Tesla-Fighter. Dass das Unternehmen selbst zahlreiche Patente angemeldet hat, spricht für intensive Forschung an Batterie und Antriebsstrang. Zudem erklärt das Unternehmen auch, dass Zulieferer wie Dallara, die deutsche CSI und Bosch zu seinen Partnern zählen. Das deutet darauf hin, dass die Taiwanesen durchaus weit vorne mitspielen. Nur über die Finanzen und Investoren weiß man bislang wenig.

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung