Sonntag, 15. September 2019

Elektro-Autobauer revolutioniert Energieversorgung Tesla will Eigenheime unter Strom setzen

Der Bau von Teslas Riesen-Batteriefabrik in Nevada schreitet voran. Aus einem Teil der dort ab 2017 produzierten Batterien sollen stationäre Stromspeicher werden - für dieses neue Geschäft stellt Tesla jetzt schon Leute

Der Elektroautohersteller Tesla bereitet den ganz großen Schlag gegen die traditionellen Energieversorger vor - und will nun ins Geschäft mit Batterien für Privathäuser einsteigen.

Dafür baut Tesla gerade ein neues Geschäftsfeld mit dem etwas sperrigen Namen "Energiespeicherung" auf - und sucht dafür dringend neue Mitarbeiter. Insgesamt 78 Stellen seien dafür auf der Website ausgeschrieben, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Darunter sind Jobangebote für einen Chefjustiziar, mehrere Ingenieure, einem Projektmanager für Installationen und einen Lobbyisten.

Tesla rechnet damit, dass die Energieversorgung von Eigenheimen und Gewerbeimmobilien durch stationäre Batteriespeicher ein Riesen-Geschäft wird. "Das Geschäftsfeld wird in nächster Zeit mehrere Milliarden Dollar pro Jahr erlösen", heißt es in einer der Jobbeschreibungen. Gegenüber Bloomberg wollte Tesla Motors kein weiteres Statement dazu abgeben - verwies jedoch per E-Mail darauf, dass man in den kommenden Monaten über die Energiespeicherungs-Pläne informieren wolle.

Dass Tesla ins Geschäft mit stationären Akkus einsteigen will, ist schon seit einigen Monaten bekannt. Gemeinsam mit dem Partner Panasonic zieht Tesla derzeit in der Wüste von Nevada die "Gigafactory", die weltgrößte Fabrik für Lithium-Ionen-Batterien, hoch. Bereits im Jahr 2017 soll die Produktion anlaufen. Beim Vollausbau im Jahr 2020 wird die Tesla-Fabrik alleine die aktuelle Produktion an Lithium-Ionen-Batterien verdoppeln, erklärte Tesla.

Durch die Massenproduktion sollen die Batteriepreise deutlich sinken, Tesla will so Elektroautos billiger anbieten. Doch 30 Prozent der Jahresproduktion an Batteriezellen sollen ab 2020 für stationäre Speicher verwendet werden, hieß es vor einigen Monaten.

Solarfirma Solarcity setzt bereits auf Tesla-Akkus - im Modellversuch

Einen sicheren Abnehmer dafür hat Tesla-Chef Elon Musk wohl in der Tasche. Der Mehrfach-Unternehmer hat auch das Solarunternehmen Solarcity mitgegründet, das derzeit von Musks Bruder geführt wird. Solarcity bietet in den USA bereits Solarzellen-Module in Kombination mit stationären Batterien an, die das Tesla-Logo tragen. Das Angebot war aber erstmal als Testballon gedacht - bis Mitte 2015 will Solarcity insgesamt 450 solcher Solarsysteme mit Batterie-Backup installiert haben.

Ab Sommer 2015 weitet Solarcity das Angebot aus, heißt es auf der Unternehmenswebsite. In den kommenden fünf bis zehn Jahren will das Solarunternehmen Batterien mit jedem installierten Solarzellen-System verkaufen.

Noch ist der weltweite Markt für stationäre Batterien klein. Doch bereits im Jahr 2020 könnten weltweit 5,1 Milliarden Euro in solche Stromspeicher investiert werden, heißt es in einer Bloomberg-Studie vom Juni 2014. Das wären um 17 Mal mehr als noch im Jahr 2013. Wie stark sich Tesla für diesen Markt interessiert, zeigen auch einige andere Indikatoren. So sind Tesla-Topmanager als Sprecher bei mehreren Fachkonferenzen für Energiespeicherung vorgesehen, berichtet Bloomberg.

"Tesla ist mehr Energie-Innovationsunternehmen"

Bei einer Analystenkonferenz vor wenigen Wochen kündigte Tesla-Chef Elon Musk an, dass Tesla bereits eine Batterie für den Einsatz in Privathäusern entwickle. Die Produktion des Haus-Akkus solle "in gut sechs Monaten" starten, erklärte Musk. In den USA hat Tesla zudem mit dem texanischen Stromnetz-Eigentümer Oncor Electric Delivery über ein mögliches Investment gesprochen: Zwei Milliarden Dollar könnten in stationäre Batterien fließen, die durch Wind- und Solarstrom verursachte Strommengenschwankungen ausgleichen sollen.

"Tesla bewegt sich so schnell als möglich in diesen Raum", erklärte Teslas Technikchef J.B. Straubel vergangenes Jahr auf einer Konferenz. "Ich sehe uns im Kern mehr als Energie-Innovationsunternehmen also sogar als Autofirma", erklärte Straubel damals.

Zuletzt hatte Tesla die hohen Erwartungen deutlich verfehlt: Im Weihnachtsquartal lag der Verlust bei 108 Millionen Euro. Tesla verkaufte zudem um 1000 Autos weniger als geplant - wegen schlechten Wetters, aber auch wegen Verzögerungen in der Produktion.

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