E-Auto-Zulassungen in Westeuropa Tesla schlägt VWs ID-Modelle - vorerst

Der Markt für Elektroautos boomt: Gut eine Millionen E-Autos und Plug-in-Hybride wurden im ersten Halbjahr in Westeuropa verkauft. Eine Auswertung zeigt, welche Hersteller dabei am meisten profitieren.
Gibt's im Dutzend nicht billiger: Teslas Elektrolimousine Model 3 ist mit Abstand das meistverkaufte E-Auto-Modell in Westeuropa

Gibt's im Dutzend nicht billiger: Teslas Elektrolimousine Model 3 ist mit Abstand das meistverkaufte E-Auto-Modell in Westeuropa

Foto: Stephen Lam/ REUTERS

Beinahe monatlich meldete das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt neue Rekorde bei den Neuzulassungen von reinen Elektroautos und Plugin-Hybriden. Die Zahlen zeigen in schöner Regelmäßigkeit, wie sehr die im Zuge der Corona-Pandemie erhöhte "Umweltprämie" verfängt. Dank der vom Staat und den Autoherstellern zu gleichen Teilen getragenen Förderung sinkt der Listenpreis von reinen E-Autos um fast 10.000 Euro – und bringt die Neuwagenpreise mancher Modelle schon ziemlich nahe an ähnlich ausgestattete Modelle mit Verbrennungsmotor.

Für viele deutsche Autohersteller ist das starke Abschneiden ihrer neuen E-Modelle im Heimatmarkt ein Erfolg, mit dem sie gerne werben. Doch in Summe zählt für große Konzerne das gute Abschneiden auf den großen Weltmärkten USA, China und Europa. Wie es aktuell in der für sie wichtigsten Region punkto E-Autos, in Westeuropa, läuft – das zeigt eine Detailauswertung  des auf E-Auto-Daten spezialisierten Unternehmens Schmidt Automotive Research, die manager magazin vorliegt.

Der starke Fokus vieler heimischer Autobauer auf den Stammmarkt Deutschland ist anhand der vorliegenden Zahlen gut nachvollziehbar. Denn im ersten Halbjahr war Deutschland unter den 18 Ländern Westeuropas der mit Abstand größte Markt für Elektroautos und Plugin-Hybride. Von Januar bis Juni wurden hierzulande knapp 150.000 reine Batterie-Elektroautos und 160.000 Plug-in-Hybride verkauft. In Frankreich waren es in Summe nur halb so viele in jeder der beiden Kategorien, in Großbritannien rund 75.000 reine Stromer und knapp 60.000 Verbrennermotor-Autos mit Ladestecker. Insgesamt wurden in Westeuropa im ersten Halbjahr 2021 etwas mehr als eine Million E-Autos und Plug-in-Hybride verkauft:

Westeuropas E-Auto-Verkäufe nähern sich denen im weltgrößten Markt für E-Autos an, heißt es in der Studie: In China wurden binnen sechs Monaten zwar insgesamt knapp 1,13 Millionen Batterieautos und Plugin-Hybride verkauft, im Monat Juni betrug der Unterschied aber nur 8000 Fahrzeuge.

Das bestverkaufte Elektroauto-Modell in Westeuropa war im ersten Halbjahr ganz klar ein aus den USA und zunehmend aus China importiertes Fahrzeug: Das Model 3 von Tesla kam westeuropaweit auf 66.000 verkaufte Stück, das entspricht in etwa einer Verdopplung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Volkswagens E-Auto-Hoffnung VW ID.3 kam in den 18 westeuropäischen Ländern zusammengenommen auf 30.000 Verkäufe. Im ersten Halbjahr 2020 war der ID.3 noch nicht auf dem Markt, die Wolfsburger haben also einen mehr als ordentlichen Marktanlauf geschafft.

Spannend dabei auch: Der vom ID.3 abgeleitete Elektro-Kompakt-SUV ID.4, der seit Anfang 2021 erhältlich ist, kam aus dem Stand auf fast 25.000 Verkäufe in nur einem Halbjahr:

Dabei schwanken die Tesla-Neuzulassungszahlen monatlich stärker als bei der Konkurrenz: Laut der Auswertung von Schmidt Automotive Research wurden im März und im Juni weit über 20.000 Tesla Model 3 in Westeuropa zugelassen, in den übrigen Monaten lagen die Zulassungen deutlich unter 10.000 Stück pro Monat. Das könnte mit den Lieferterminen von Schiffen zusammenhängen – oder schlicht damit, dass Tesla-Chef Elon Musk zu Quartalsende hin besonderen Druck auf seine Verkäufer ausübt. Bei allen anderen der zehn meistzugelassenen E-Modellen sind die Neuzulassungs-Zahlen pro Monat deutlich konstanter.

Anhand der bisherigen Zahlen prognostiziert Schmidt Automotive Resarch, dass im Gesamtjahr 2021 knapp über eine Million reine Batterie-Elektroautos in Europa zugelassen werden – trotz Chipmangel und weiteren Auswirkungen durch Corona. Teslas neues Werk in Grünheide soll noch Ende 2021 mit der Produktion von Model Y-SUVs anlaufen, das dürfte dem US-Elektroautobauer bei "regionalen Volumen" helfen, heißt es. Auch VW schraubt die Fertigungskapazitäten für E-Autos aktuell kräftig hoch: Im sächsischen Zwickau alleine sollen jährlich bis zu 200.000 E-Autos vom Band rollen.

Der Zweikampf zwischen Tesla und VW um die E-Auto-Verkäufe in Westeuropa dürfte also noch an Fahrt aufnehmen.

wed
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