Wettlauf um "Gigafactory" für Elektroauto-Akkuzellen Daimler setzt auf Batteriezellen aus Sachsen-Anhalt

Die Automobilbranche steht unter Strom: Der Volkswagen-Konzern  will in den nächsten zehn Jahren 70 Elektroauto-Modelle und 30 Plugin-Hybridautos anbieten. Daimler  hat Anfang September 2018 den Mercedes EQC vorgestellt, den ersten Vertreter seiner Elektroauto-Submarke EQC. Bis 2022 wollen die Schwaben 10 reine Elektroauto-Modelle offerieren. Ein Teil der dafür notwendigen Zellen wird in wenigen Jahren in Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt produziert: Daimler ist erster Großkunde des neuen Werks, das der chinesische Konzern Farasis in Ostdeutschland baut.

BMW  weitet sein Angebot an Elektroautos aus, Tesla drängt mit seinem Einstiegsfahrzeug Model 3 nach Europa - und japanische Hersteller ebenfalls.

Dafür müssen die Autohersteller große Mengen Lithium-Ionen-Batteriezellen einkaufen- vor allem in Asien, wo aktuell ein Großteil der Zellen produziert wird. Der Transport der schweren Zellen ist aufwändig. Doch zu einer eigenen Zellenproduktion konnten sich europäische Autohersteller und Zulieferer aus Kostengründen bisher nicht durchringen. Das stört nicht nur Arbeitnehmervertreter und manche Automanager, die vor Abhängigkeiten warnen. Auch Politiker in Deutschland und der EU fürchten, dass dadurch Arbeitsplätze und Wertschöpfung auf dem Spiel stehen.

Mitte 2017 hat die EU deshalb ein eigenes Projekt gestartet mit dem Ziel, Lithium-Ionen-Zellfabriken in Europa aufzubauen. Nun formieren sich die ersten großen europäischen Batteriekonsortien: VW macht gemeinsame Sache mit dem schwedischen Start-up Northvolt. Die deutsche Traditionsmarke Opel besetzt mit ihrer Mutter PSA ebenfalls ein Feld im großen Batteriefertigungs-Monopoly und beteiligt sich an einem deutsch-französischen Batteriezellen-Konsortium. Details dazu lesen Sie auf den kommenden Seiten. Wir stellen die wichtigsten Player im großen europäischen E-Autoakku-Monopoly vor.

Großkunde Daimler: Chinas Farasis will größte Investition in Sachsen-Anhalt seit 15 Jahren tätigen

Elektroauto Mercedes EQC: Die Batteriezellen der kommenden EQ-Brüder sollen auch aus Sachsen-Anhalt kommen

Elektroauto Mercedes EQC: Die Batteriezellen der kommenden EQ-Brüder sollen auch aus Sachsen-Anhalt kommen

Foto: Daimler

Die Meldung überraschte ebenso wie der Ort und die geplante Größe: Der bislang wenig bekannte US-chinesische Batteriehersteller Farasis hat einen ersten Großkunden für sein geplantes Werk in Bitterfeld-Wolfen sicher. Der Standort soll klimaneutrale Zellen für die nächste Elektroauto-Generation EQ von Mercedes-Benz liefern. Der Großauftrag solle nach dem Start der Produktion im neuen Werk erfüllt werden, sagte der Europa-Chef des Unternehmens Farasis, Sebastian Wolf Mitte September gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Geplant sei, dass die Fabrik ab 2022 in die serienmäßige Fertigung gehe.

Wie viele Batteriezellen Daimler aus Sachsen-Anhalt geordert hat, wollte Wolf unter Verweis auf Verschwiegenheitsklauseln nicht sagen. Das Interesse an den Batteriezellen aus dem künftigen deutschen Farasis-Werk sei sehr groß. Es gebe viele Anfragen und mehrere Verhandlungspartner.

Bauantrag im früheren "Solar Valley" bereits gestellt

Zum Start der Produktion will das Unternehmen in Bitterfeld-Wolfen Batterien mit einer Kapazität von 6 bis 10 Gigawattstunden bauen, genug für 60.000 bis 80.000 E-Autos. Auch die "Magdeburger Volksstimme" hatte über den Deal berichtet.

Doch zunächst muss das Werk auf dem Gelände des früheren "Solar Valley" überhaupt gebaut werden. Der Bauantrag sei gestellt, sagte Wolf. Im kommenden Jahr sollen die Arbeiten auf dem 30 Hektar großen Gelände beginnen, zwei Jahre später soll die Fabrik arbeiten.

Farasis investiert für sein Werk im "Solar Valley" nach eigenen Angaben rund 600 Millionen Euro und will 600 Jobs schaffen. Der Standort soll neuer Europa-Sitz des Konzerns werden. Farasis wurde 2002 im US-amerikanischen Kalifornien gegründet und sitzt inzwischen im chinesischen Ganzhou. Die Fabrik ist laut Wirtschaftsministerium die größte Investition in Sachsen-Anhalt seit 15 Jahren.

Geplante Jahreskapazität: 6-10 GWh, das entspricht je nach benötigter Leistung 60.000-80.000 E-Autos

Volkswagen: Bedarf für vier Gigafactories - eigenes Zellenwerk in Salzgitter

Volkswagen-Werk Salzgitter

Volkswagen-Werk Salzgitter

Foto: Silas Stein/ dpa

Monatelang gab es immer wieder Berichte, nach denen Volkswagen eine sehr große Batteriefabrik bauen will. Im Mai erklärte Volkswagen nun offiziell, den Einstieg in die Batteriezellfertigung zu planen - und erstmal eine Zellfertigung in Salzgitter aufzuziehen. Seit Anfang September 2019 sind die Pläne konkreter: Joint-Venture-Partner für die Zellfabrik ist das schwedische Akku-Start-up Northvolt, an dem Volkswagen 20 Prozent hält.

Die Zellfertigung in Niedersachsen soll zunächst mit einigen hundert Mitarbeitern starten - VW selbst will die Produktion mit dem Jahreswechsel 2023/2024 starten, mit rund 700 Beschäftigten. In der ersten Ausbaustufe soll das Werk eine Jahreskapazität von 16 Gigawattstunden haben. Volkswagen will rund eine Milliarde Euro in das Projekt investieren.

Ende Juni 2018 hat Volkswagen 100 Millionen Euro in einen US-Spezialisten für Feststoffbatterien investiert, die als Nachfolger der bisherigen Lithium-Ionen-Akkus gelten. Insgesamt hat der Volkswagen-Konzern aber einen immensen Batteriebedarf für seine Elektroauto-Pläne, der sich nicht nur aus dem Werk in Salzgitter bedienen lässt. Bis 2025 sollen 80 neue Elektromodelle an den Start gehen, darunter rund 50 rein batteriebetriebene Fahrzeuge und 30 Plug-in-Hybride. 50 Milliarden Euro Investitionen sind zudem für neue Batteriekapazitäten vorgesehen. Gebraucht würden, so meinte der VW-Manager Thomas Sedran einmal, mindestens vier Gigafabriken.

Geplante Jahreskapazität: 16 GWh in der ersten Ausbaustufe. Bis zum Jahr 2025 braucht der Volkswagen-Konzern nach eigenen Angaben eine Batteriekapazität von 150 GWh, also für etwa drei Millionen reine Batterieautos.

Deutsch-französisches Batteriekonsortium: EU muss Projekt fördern, fordert PSA-Chef Tavares

Wirtschaftsminister Peter Altmaier setzt sich für eine deutsch-französische Kooperation bei der Batteriezellen-Fertigung ein

Wirtschaftsminister Peter Altmaier setzt sich für eine deutsch-französische Kooperation bei der Batteriezellen-Fertigung ein

Foto: Tobias Schwarz/ AFP

Deutsch-französisches Batteriekonsortium: Opel zieht in einem deutsch-französischen Konsortium für die milliardenschwere Batteriefertigung in Europa mit. Weitere Partner seien die Opel-Muttergesellschaft PSA  und der französische Batteriehersteller Saft, kündigten Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und sein französischer Kollege Bruno Le Maire Anfang Mai in Paris an.

Damit würden auch Arbeitsplätze in Deutschland entstehen. Ziel sei es, die besten Batterien weltweit herzustellen. Dafür werde die beste verfügbare Technik eingesetzt. 25 bis 30 Prozent des globalen Bedarfs an Elektrobatterien solle in Europa hergestellt werden. "Wir wollen auch exportieren", sagte Altmaier.

Die französisch-deutsche Batteriefertigung soll laut Altmaier bereits in drei Jahren anlaufen: "Meine Hoffnung ist, dass es 2022 so weit ist", erklärte Altmaier. Die EU-Kommission habe erlaubt, dass die Fertigung mit bis zu 1,2 Milliarden Euro öffentlichen Geldern gefördert werden könnte, sagte Le Maire. Die nötigen Investitionen würden sich insgesamt auf fünf bis sechs Milliarden Euro belaufen, der Löwenanteil müsse von Unternehmen gestemmt werden.

Zwei Fabriken geplant - eine in Frankreich, eine in Deutschland

Es solle in Frankreich eine Pilotanlage geben sowie zwei Fabriken - eine in Frankreich, eine in Deutschland, mit jeweils rund 1500 Beschäftigten. Die EU-Kommission bekam bis Juni Förderanträge für ein europäisches Batterieprojekt, eine Entscheidung soll bis Ende Oktober fallen.

EU-Kommissionsvize Maros Sefcovic hatte 2017 eine Batterie-Allianz auf den Weg gebracht. Ziel ist, rechtzeitig zu dem erwarteten Boom von Elektroautos in Europa Batteriefabriken aufzubauen. Bisher werden nach offiziellen Angaben rund 84 Prozent der Batterien weltweit in Asien produziert und nur drei Prozent in Europa.

Der Peugeot-Hersteller PSA hatte Opel vor knapp zwei Jahren übernommen und saniert den deutschen Traditionshersteller mit eiserner Hand. Als deutscher Standort ist das Opel-Komponentenwerk in Kaiserslautern eingeplant.

Auf der Automesse IAA in Frankfurt Mitte September machte PSA-Chef Carlos Tavares allerdings klar, dass es die Batteriezellen-Werke nur mit EU-Unterstützung geben werde. "Wenn wir keine wasserdichte Zusage von der EU bekommen, dass Deutschland und Frankreich Zuschüsse für unsere geplante Batteriefabrik in Kaiserslautern geben dürfen, werden wir sie nicht bauen", stellte Tavares in einem Roundtable-Gespräch klar. Ohne Zuschüsse sei der Businessplan tiefrot, PSA beschließe keine Verlustprojekte. Falls man die Zusage nicht erhalte, werde man Zellen von chinesischen Unternehmen zukaufen.

Geplante Jahreskapazität: noch nicht bekannt

Northvolt: Mächtige Konzerne im Hintergrund

Geplante Fabrik von Northvolt in Schweden

Geplante Fabrik von Northvolt in Schweden

Foto: Northvolt

Northvolt: Das von zwei ehemaligen Tesla-Topmanagern gegründete schwedische Unternehmen will in Skellefteå (800 Kilometer nördlich von Stockholm) Europas größte Fabrik für Lithium-Ionen-Zellen und Elektroauto-Batteriepacks bauen. Im März 2019 hat sich Northvolt den Volkswagen-Konzern als Forschungspartner angelacht - gemeinsam mit weiteren Partnern sollen VW und Northvolt eine europäische Batterie-Allianz anführen. Mitte Juni 2019 hat sich Volkswagen zu 20 Prozent an Northvolt beteiligt.

An der von Altmaier ausgelobten Förderung der Batteriezellen-Fertigung wollen sich Northvolt und VW beteiligen. Derweil plant Northvolt weiter den Bau einer Zellenfabrik in Nordschweden, die rund vier Milliarden Euro kosten soll. Seit 2018 ist eine 80 bis 100 Millionen Euro teure Test-Produktionslinie in Västeras im Bau - laut FT hat Northvolt dafür einen Kredit über 51,5 Millionen Euro von der EIB erhalten. Im Juni 2018 erhielt Northvolt nach eigenen Angaben die Umwelterlaubnis für den Aufbau einer Fabrik in in Skelleftea in Nordschweden - laut Unternehmensangaben haben die Arbeiten bereits begonnen. Der erste Fabriksteil wird für eine Kapazität von 8 GWh ausgelegt. Das Geld für die erste Ausbaustufe, rund 1,5 Milliarden Euro, muss Northvolt noch eintreiben.

Ende Mai 2018 ist Deutschlands größter Industriekonzern Siemens bei Northvolt eingestiegen - nachdem Siemens im März Pläne für eine eigene Zellfertigung in Europa stoppte. Das Investment der Münchner bei Northvolt fällt mit zehn Millionen Euro aber eher bescheiden aus. Zu den bisherigen Geldgebern von Northvolt zählt etwa Vattenfall, der Schweizer Industrieriese ABB  ist als Technologiepartner und früher Investor an Bord. Und auch Volkswagen ist mit seiner schwedischen Lkw-Tochter Scania indirekt an Northvolt beteiligt

Geplante Jahreskapazität: 2020: 8 Gigawattstunden (GWh); 2023: 32 GWh. Das entspricht etwa 640.000 Autos mit einer 50-Kilowattstunden-Batterie (mittlere Größe).

LG Chem: Überraschungs-Coup in Breslau

Logo des koreanischen Konzerns LG Chem

Logo des koreanischen Konzerns LG Chem

Foto: © Mike Blake / Reuters/ REUTERS

Deutsche, französische und polnische Politiker planen noch, wie sie gemeinsam Batteriefabriken in ihren beiden Ländern ansiedeln können. Dabei entsteht in Polen gerade eine größere Produktionsstätte für Lithium-Ionen-Batterien: Der koreanische Konzern LG Chem eröffnete 2018 im polnischen Breslau die erste größere Zellenfabrik auf dem Kontinent, nachdem Daimler in Sachsen die Zellproduktion einstellen musste. Von Polen aus will LG Chem Autobauer in Europa mit Zellen versorgen. Zu den Kunden zählen Daimler, Prosche, Volvo, Audi, Renault und Jaguar.

Doch ist das Werk tatsächlich als Gigafactory ausgelegt - also ein Werk, dass es mit Teslas Riesen-Batteriefabrik in Nevada aufnehmen kann? Noch nicht, aktuell ist das Werk auf 3 bis 5 Gigawattstunden ausgelegt, Teslas Gigafactory soll auf knapp 40 kommen.

Das könnte sich aber schnell ändern, denn LG investiert immerhin 1,3 Milliarden Euro in Breslau. Damit ist das Projekt schon mal kräftig gewachsen - noch im vergangenen Jahr war von einer eher niedrigen dreistelligen Millionensumme die Rede. Nun peilt LG in Polen in den kommenden Jahren eine jährliche Produktionskapazität von bis zu 70 GWh an, wie polnische Medien vor einigen Wochen berichteten.

Vorerst sollen in der Fabrik aber mal 2500 Menschen Arbeit finden. Polen sei der wettbewerbsfähigste Produktionsstandort, um europäische und internationale Hersteller zu versorgen, sagte LG-Chem-Vizepräsident Chang-Beom Kang.

Die Rohstoffe wie Lithium sollen zunächst aus Asien importiert werden. Später könnten sie möglicherweise polnische Firmen liefern.

Geplante Jahreskapazität: Langfristig bis zu 70 Gigawattstunden (GWh). Das entspräche Batterien für 1,4 Millionen E-Autos. Zunächst soll die Fabrik ab dem kommenden Jahr aber Akkus für 100.000 Wagen herstellen.

CATL: Großfabrik in Erfurt geplant

CATL-Hauptquartier in Ningde, China

CATL-Hauptquartier in Ningde, China

Foto: Jake Spring/ REUTERS

Der chinesische Batteriespezialist Contemporary Amperex Technology (CATL) ist aktuell der weltgrößte Produzent von Lithium-Ionen-Zellen. Gegründet wurde CATL erst vor sieben Jahren. 2017 haben die Chinesen dann Panasonic bei der Zahl der jährlich produzierten Zellen überholt. Den Blitzaufstieg des Unternehmens förderte die chinesische Regierung nach Kräften; der Börsengang Mitte Juni 2018 glückte fulminant.

Nun investieren die Chinesen in größerem Umfang in Thüringen: CATL wird in dem Industriegebiet "Erfurter Kreuz" ein Batteriezellenwerk bauen. Bis 2022 will CATL da rund 240 Millionen Euro investieren. 600 neue Arbeitsplätze sollen so entstehen, langfristig könnten es bis zu 1000 werden.

Der Vertrag mit CATL über die Batteriezellenfabrik wurde am Rande der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen geschlossen. Mit den deutschen Autoherstellern sind die Chinesen gut im Geschäft: Volkswagen zählt ebenso zum Kundenkreis wie BMW. Die Bayern werden in den kommenden Jahren Zellen im Wert von vier Milliarden Euro von CATL beziehen - 1,5 Milliarden davon entfallen auf das künftige Erfurter Werk. BMW ist Erstkunde, die Bayern haben sich wohl darüber hinaus an der Ausstattung der CATL-Fabrik beteiligt. Auch mit Daimler sind die Chinesen schon länger über einen Liefervertrag für Europa im Gespräch.

VW-Konzernchef Diess kommentierte den CATL-Vorstoß gegenüber dem "Handelsblatt" so: "Die Chinesen zeigen in Deutschland ja gerade, dass der Einstieg auch mit etwas Verspätung machbar ist."

Geplante Jahreskapazität des CATL-Werks: 14 Gigawattstunden (GWh). Das entspricht etwa 280.000 Autos mit einer 50-Kilowattstunden-Batterie (mittlere Größe). Das ist aber wohl nur der Anfang; CATL rechnet damit, spätestens 2026 bei 100 GWh anzukommen. Das wäre dann deutlich größer als Teslas Gigafactory.

TerraE: Deutsche Mittelständler und Konzerne planen nationales Großprojekt

Screenshot der Website von Terra E

Screenshot der Website von Terra E

Plötzlich und unerwartet erschien im Frühjahr 2017 das Konsortium TerraE auf der Bildfläche. Der Zusammenschluss zahlreicher Firmen aus der deutschen Batteriebranche plante den schrittweisen Aufbau einer Zellfabrik mittlerer Größe in der Bundesrepublik und sprach von einer "deutschen Gigafactory".

Hervorgegangen ist das Konsortium aus der Branchenvereinigung Kompetenznetzwerk Lithium-Ionen-Batterien. Eine Schlüsselrolle spielt der Akku-Spezialist BMZ Group aus Karlstein am Main. Wer im Hintergrund noch den Ton angibt, war nicht völlig klar. Die Rede ist von "Mentoren" wie BMW, Thyssenkrupp  und der Deutschen Post  mit ihrer E-Transporter-Tochter StreetScooter.

Etwa vier Milliarden Euro wollte TerraE in Deutschland in den Fabrikaufbau investieren und rund 3000 Arbeitsplätze schaffen. Ursprünglich sollte die TerraE-Fabrik schon 2018 den Betrieb aufnehmen und dann nach und nach auf die geplante Endgröße wachsen.

Doch im Oktober 2018 wurde TerraE als Konsortium aufgelöst, die BMZ Group übernahm TerraE komplett. Wie es nun weitergeht und ob TerraE tatsächlich eine Batterie-Großfabrik baut, steht noch in den Sternen. BMZ ist nach eigenen Angaben bereit, bis zu 300 Millionen Euro in die erste Ausbaustufe zu investieren, die einen Output von bis zu 4 GWh haben soll. Mittelfristig sollen es bis zu 8 GWh werden.

Auch TerraE bewirbt sich um die Förderungen des Bundes, das Elektroauto-Start-up E.Go ist allerdings vor Kurzem ausgestiegen. Ursprünglich geplant war, dass TerraE als Auftragsfertiger Kunden zunächst in der Industrie suchen sollte. Das sollten im ersten Schritt etwa Gabelstapler- oder Werkzeugbauer sein. Großaufträge aus der Autoindustrie sollten folgen. Eine neue Technologie soll die Energiedichte verbessern und bei der Herstellung Strom sparen.

Ursprünglich geplante Jahreskapazität: 34 GWh bis 2028 (das entspricht Batterien für 680.000 Elektroautos).

Aktuelle Pläne: 4 GWh in der ersten Stufe ab 2020, mittelfristig 8 GWh

SK Innovations: Koreaner investieren für Daimler in Ungarn

Der koreanische Konzern SK Innovations baut für 650 Millionen Euro eine Batteriefabrik in Ungarn

Der koreanische Konzern SK Innovations baut für 650 Millionen Euro eine Batteriefabrik in Ungarn

Foto: REUTERS

Der südkoreanische Mischkonzern SK Innovations zählt bislang zu den kleineren Playern bei der Produktion von Lithium-Ionen-Zellen. Doch jetzt investieren die Koreaner kräftig in Osteuropa: Laut Medienberichten steckt SK Innovations 650 Millionen Euro in eine Fabrik für Elektroauto-Batteriezellen in Ungarn.

Das Batteriewerk wird in der nordungarischen Stadt Komarom, rund eine Autostunde westlich von Budapest, gebaut. Im März 2018 erfolgte der Spatenstich, die Produktion von Lithium-Ionen-Zellen soll die Fabrik bereits Anfang 2020 starten. Laut Meldungen von Mitte April soll SK auch mit Volkswagen über die Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens zum Bau einer Batteriefabrik sprechen - entschieden ist dabei aber noch nichts. Ob es sich dabei um eine Fabrik in Europa handelt, ließ sich den Meldungen nicht entnehmen.

Vorerst wird aber Daimler wohl einer der großen Abnehmer der in Ungarn produzierten Zellen sein: Vor einem Jahr haben die Stuttgarter bekannt gegeben, dass SK und der Konkurrent LG Chem die Zellen für Mercedes-Benz Elektroauto-Familie EQ liefern werden. Das erste EQ-Modell, das in Bremen gebaut wird, soll ab 2020 in den Handel kommen. Bis 2025 sollen mehr als zehn elektrische Mercedes-Modelle auf dem Markt sein.

Geplante Jahreskapazität des SK-Werks: Rund 7,5 Gigawattstunden, das entspricht rund 150.000 Autos mit einer 50-Kilowattstunden-Batterie mittlerer Größe. Ein Riesen-Batteriewerk ist das noch nicht, aber ein Anfang.

Samsung SDI: Die Koreaner sind schon da

Batterie-Werk von Samsung SDI in Ungarn

Batterie-Werk von Samsung SDI in Ungarn

Foto: Samsung SDI

Samsung SDI: Die Batterie-Tochter des koreanischen IT-Riesen polt im ungarischen Göd, 30 Kilometer nördlich von Budapest, eine ehemalige Fernseherfabrik zum Akkuwerk um. Die Umbauarbeiten auf dem 330.000 Quadratmeter großen Gelände sind seit gut einem Jahr abgeschlossen. Doch die Batterieproduktion startete erst im zweiten Quartal 2018.

Rund 300 Millionen Euro steckt Samsung in das Werk. Vor einigen Monaten haben die Koreaner auch eine besonders flache Batteriezelle vorgestellt, mit der sich laut Samsung in Premiumfahrzeugen zwischen 600 und 700 Kilometer Reichweite erzielen ließen. Dennoch: Das Investment der Koreaner in Europa ist - gemessen an den Mitbewerbern - bisher eher sparsam.

Geplante Jahreskapazität: Zunächst etwa 2,5 GWh, rund 50.000 Elektroautos mit 50 Kilowattstunden-Batterie. Um eine Gigafactory handelt es sich also (noch) nicht.

Tesla: Um die europäische Gigafactory ist es still geworden - aus einem Grund

Teslas Gigafactory in Nevada (Januar 2017)

Teslas Gigafactory in Nevada (Januar 2017)

Foto: Tesla

Eigentlich wollte Tesla  noch im Jahr 2017 einen Gigafactory-Standort für den Bau von Batterien in Europa verkünden (und weitere auf anderen Kontinenten). Doch während sich in China etwas tut, ist es um die hochfliegenden Pläne des US-amerikanischen Elektroautobauers in Europa sehr ruhig geworden. Im Juli 2019 erklärte Tesla-Chef Elon Musk, dass noch in diesem Jahr eine Standortentscheidung fallen soll - wieder mal.

Das Zögern hat wohl einiges mit der Beseitigung der Model 3-Produktionsprobleme zu tun, die für Tesla monatelang Priorität hatte. Auf der Hauptversammlung Anfang Juni 2018 sagte Musk schon einmal, dass Tesla bis Ende des Jahres über einen Batteriestandort in Europa entscheiden wolle - die dann eben nicht fiel. Dabei hatten sich zahlreichen Regionen in der EU schon Mitte 2017 lautstark als Standort für die Fabrik ins Spiel gebracht.

Deutschland sei weiter ein Favorit, erklärte Musk Ende Juni 2018 via Twitter. "Vielleicht ist es an der deutsch-französischen Grenze in der Nähe der Benelux-Länder sinnvoll", antwortete er auf die Frage eines Followers, ob es nicht taktisch klug wäre, eine europäische Batteriefabrik in Deutschland anzusiedeln. Mehrere deutsche Bundesländer buhlen um die Tesla-Fabrik.

In China ist Tesla weiter: Da baut das Unternehmen eine Gigafactory in Schanghai, die chinesische Geldgeber finanzieren sollen. Insgesamt hält Musk weltweit zehn bis zwölf riesige Batteriefabriken nach Vorbild seiner Gigafactory in Nevada für erforderlich. In den zukünftigen Gigafactories sollen laut Musk sollen sowohl die Batterien als auch Fahrzeuge hergestellt werden. In den USA sind diese Fertigungsschritte bisher getrennt. Die Autos werden in Fremont bei San Francisco, die Batterien in der Mutter aller Gigafactories bei Reno in Nevada gebaut.

Geplante Jahreskapazität: Noch unklar. In den USA jedenfalls will Tesla schon 2018 Batterien mit einer Kapazität 35 GWh aus der Gigafactory liefern; später soll die Fabrik auf bis zu 150 GWh ausgebaut werden. Das reicht für drei Millionen Autos.

Bosch: Pläne für Zellenfertigung beerdigt

Bosch-Konzernzentrale

Bosch-Konzernzentrale

Foto: Inga Kjer/ dpa

Der deutsche Autozulieferer-Riese Bosch erwog lange einen Einstieg in die Zellfertigung - eine laut Bosch-Chef Volkmar Denner "sehr große Entscheidung, die wir gründlich vorbereiten". Laut Denner müsste sich Boschs Zellchemie deutlich von asiatischen Konkurrenten unterscheiden - und auch die Fertigungstechnik. Denn wenn man neuartige Batterien auch in einer bestehenden Fabrik fertigen könne, habe ein Neueinsteiger in den Markt "keine Chance", erklärte Denner Ende Juli 2017 . Forscher und Entwickler arbeiten daran, dass beides zusammenkomme.

Offensichtlich tat es das nicht. Mitte März 2018 verkündete Bosch, sich gegen den Aufbau einer eigenen Batteriezellenproduktion entschieden zu haben. Das hätte nach Schätzung der Schwaben rund 20 Milliarden Euro an Investitionen erfordert.

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