Samstag, 19. Oktober 2019

Wettlauf um "Gigafactory" für Elektroauto-Akkuzellen Daimler setzt auf Batteriezellen aus Sachsen-Anhalt

6. Teil: LG Chem: Überraschungs-Coup in Breslau

Logo des koreanischen Konzerns LG Chem

Deutsche, französische und polnische Politiker planen noch, wie sie gemeinsam Batteriefabriken in ihren beiden Ländern ansiedeln können. Dabei entsteht in Polen gerade eine größere Produktionsstätte für Lithium-Ionen-Batterien: Der koreanische Konzern LG Chem eröffnete 2018 im polnischen Breslau die erste größere Zellenfabrik auf dem Kontinent, nachdem Daimler in Sachsen die Zellproduktion einstellen musste. Von Polen aus will LG Chem Autobauer in Europa mit Zellen versorgen. Zu den Kunden zählen DAimler, Prosche, Volvo, Audi, Renault und Jaguar.

Doch ist das Werk tatsächlich als Gigafactory ausgelegt - also ein Werk, dass es mit Teslas Riesen-Batteriefabrik in Nevada aufnehmen kann? Noch nicht, aktuell ist das Werk auf 3 bis 5 Gigawattstunden ausgelegt, Teslas Gigafactory soll auf knapp 40 kommen.

Das könnte sich aber schnell ändern, denn LG investiert immerhin 1,3 Milliarden Euro in Breslau. Damit ist das Projekt schon mal kräftig gewachsen - noch im vergangenen Jahr war von einer eher niedrigen dreistelligen Millionensumme die Rede. Nun peilt LG in Polen in den kommenden Jahren eine jährliche Produktionskapazität von bis zu 70 GWh an, wie polnische Medien vor einigen Wochen berichteten.

Vorerst sollen in der Fabrik aber mal 2500 Menschen Arbeit finden. Polen sei der wettbewerbsfähigste Produktionsstandort, um europäische und internationale Hersteller zu versorgen, sagte LG-Chem-Vizepräsident Chang-Beom Kang.

Die Rohstoffe wie Lithium sollen zunächst aus Asien importiert werden. Später könnten sie möglicherweise polnische Firmen liefern.

Geplante Jahreskapazität: Langfristig bis zu 70 Gigawattstunden (GWh). Das entspräche Batterien für 1,4 Millionen E-Autos. Zunächst soll die Fabrik ab dem kommenden Jahr aber Akkus für 100.000 Wagen herstellen.

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