Samstag, 14. Dezember 2019

Elektroauto-Start-up startet Community-Funding Warum Sono Motors Finanzinvestoren den Laufpass gibt

Sono Motors-Gründer Jona Christians (li.), Laurin Hahn (re.): Community-Funding statt Finanzinvestoren für den Start ihres Solar-Elektroautos Sion

Moos als Luftfilter im Inneren, Solarzellen statt Blech außen - und das Versprechen, bei der Produktion ihres ersten Modells Sion komplett CO2-neutral zu bleiben: Das Münchener Elektroauto-Start-up Sono Motors fiel schon bisher durch ungewöhnliche Ideen für den Automobilbau auf.

Mit einer Crowdfunding-Kampagne gelang dem 2016 gegründeten Unternehmen der Start, es holte Privatinvestoren an Bord, sicherte sich Verträge zur Auftragsfertigung im ehemaligen Saab-Werk in Trollhättan. Doch nun macht Sono bei der Finanzierung der Serienfertigung einen aufsehenerregenden Rückzieher: Die laut Eigenangaben weit gediehenen Verhandlungen mit Finanzinvestoren für eine weitere Finanzierungsrunde hat Sono abgebrochen.

Den daraus resultierenden finanziellen Engpass will Sono Motors nun mit einem ungewöhnlichen Schritt beseitigen: Mit einer 50 Millionen Euro schweren öffentlichen Community-Funding-Kampagne. Das Start-up will das Geld nun vorrangig bei seiner laut Eigenangaben 10.000 Unterstützer starken Gemeinschaft auftreiben, die Sonos E-Auto Sion bereits vorreserviert und dafür mindestens 500 Euro angezahlt haben. Und dabei wollen die Gründer auch mit maximaler, bei Start-ups eher unüblicher finanzieller Offenheit punkten.

"Bei den Verhandlungen mit großen, finanzstarken Investoren hat sich immer wieder gezeigt, dass sie nicht unsere Werte und Ziele verfolgen," begründet Sono Motors-Mitgründer Laurin Hahn den Schritt. Zwar habe man sich in den vergangenen Monaten bewusst an Finanzinvestoren gewendet. Denn der Kapitalbedarf für den Start einer Autoproduktion sei groß, die Beschaffung von Wagniskapital in Deutschland für Start-ups aber schwierig. Deshalb, so erklären Hahn und sein Mitgründer Jona Christians, blieb Sono Motors keine andere Wahl als auch mit internationalen Großinvestoren zu sprechen.

Dabei habe man sich aber teils "verbogen", zwischen den Versprechen an die Reservierer und den Anforderungen der Investoren "zerrieben", gibt Hahn zu. Sono ist mit diesen Problemen nicht alleine: Denn Risikokapitalgeber versuchen oft, Jungunternehmen Knebelverträge aufzudrücken.

Finanzinvestoren wollten laut Sono Technologie aus Deutschland abziehen

Das Sono-Elektroauto Sion soll nachhaltig und sozial verträglich sein und in Europa produziert werden. Der eigene Nachhaltigkeitsanspruch habe schlicht nicht zum Fokus der Finanzinvestoren auf schnelle Profite und aggressives Wachstum gepasst. Mit dem Geld und den Forderungen der Finanzinvestoren wäre der Sion "so, wie wir ihn geplant haben, für 10.000 Menschen schlicht nicht auf die Straße gekommen," erklärt Hahn. Zudem wäre es "im Großen und Ganzen ein Technologie-Ausverkauf gewesen".

Schwierig war es in den Verhandlungen mit Finanzinvestoren offenbar auch wegen einer von Sono entwickelten Technologie. Die beim Sono Sion gelungene nahtlose Integration von Solarzellen in die gesamte Karosserie habe man patentieren lassen, sagt Hahns Mitstreiter und Sono-Mitgründer Jona Christians. An dem Verfahren zeigen laut Sono auch bereits europäische Nutzfahrzeughersteller Interesse. Doch das Patent wäre wohl bei einem Deal mit Finanzinvestoren ebenso wie andere Technologien ins Ausland abgewandert, gibt Sono zu verstehen.

Deshalb probierte es Sono Motors nun mit einem Finanzierungsmodell, das das Jungunternehmen als Rückbesinnung auf die Wurzeln darstellt. Im Jahr 2016 sorgte das Jungunternehmen mit einer Crowdfunding-Kampagne für ein mit Solarzellen beplanktes E-Auto für Aufsehen. Damals nahm Sono Motors so knapp über 800.000 Euro ein, die darauf folgenden klassischen Finanzierungsrunden mit professionellen Investoren brachten mehrere Millionen Euro.

Nun wendet sich das Start-up erneut an seine Gemeinschaft - allerdings um einige Dimensionen größer. Bis 30. Dezember 2019 läuft nun eine neue Community-Funding-Kampagne, mit der das Elektroauto-Start-up 50 Millionen Euro Kapital aufstellen will. Beteiligen können sich daran alle Interessierten - und zwar über die Sono Motors-Website. Sono hofft aber auf breiten finanziellen Rückhalt durch seine bisherigen 10.000 Unterstützer, die bereits ein Sion-Fahrzeug mit mindestens 500 Euro angezahlt haben.

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