Sonntag, 21. Juli 2019

Vorbestellung samt Anzahlung für I.D. geplant VW eifert Tesla mit Elektroauto-Reservierungen nach

VW-Elektroauto I.D. in Tarnverkleidung

Vor knapp zwei Jahren mussten Tesla-Mitarbeiter mit einer Menschenflut zurechtkommen: Tausende Interessenten standen am 31. März 2016 vor den Tesla-Stores weltweit Schlange, um das Elektroauto Model 3 zu bestellen und eine Anzahlung von 1000 Dollar zu leisten - mehr als eineinhalb Jahre, bevor die ersten Fahrzeuge ausgeliefert wurden. Tesla erhielt dadurch nicht nur frisches Kapital. Über 100.000 Vorbestellungen innerhalb von 24 Stunden zeigten auch, dass die Nachfrage nach Teslas künftigem Elektroauto hoch sein würde.

Das Reservierungskonzept sorgte in der Autobranche für Aufsehen und findet nun einen prominenten Nachahmer. Auch der Volkswagen-Konzern will den Markt für sein künftiges "Volks"-Elektroauto VW I.D. auf diese Weise ausloten. Die Wolfsburger wollen noch in der ersten Jahreshälfte Reservierungen für den I.D. entgegennehmen, der Anfang 2020 erstmals ausgeliefert werden soll. Dabei sollen Interessenten auch eine Anzahlung leisten für ein Auto, dessen endgültige Version bislang noch nicht vorgestellt wurde - eine Vorgehensweise, die für VW Neuland ist.

Die zu zahlende Summe für den Wagen wird aber deutlich niedriger liegen als bei herkömmlichen Vorbestellungen, wie die Fachzeitschrift "Automotive News Europe" (ANE) berichtet. Allzu üppig werde die Anzahlung nicht ausfallen, versicherte VW-Vertriebschef Jürgen Stackmann gegenüber ANE. Man wolle anhand der verlangten Summe aber ein "ernsthaftes Interesse" der Kunden erkennen können und nicht nur ein "haltet mich auf dem Laufenden".

Im November startet VW die Produktion des I.D. im sächsischen Zwickau. Die im ersten halben Jahr produzierten Fahrzeuge sollen an die Vorreservierer gehen, erklärte Stackmann - statt wie bisher üblich vorrangig an Händler. Mit dem I.D. verbinden die Wolfsburger große Hoffnungen: Der Wagen in Größe eines Golf ist das erste Modell von Volkswagens geplanter Elektroauto-Familie. Die Basisversion des ID soll preislich ungefähr auf dem Niveau eines Golf Diesel-Modells liegen.

Die Vermutung, dass VW mit den Vorreservierungen im Tesla-Stil künstlich Interesse für den Wagen erzeugen wolle, wies Stackmann gegenüber der ANE von sich. Das sei kein PR-Gimmick, meinte der Vertriebschef. Kunden in Elektroauto-freundlichen Ländern hätten großes Interesse daran, den VW I.D. früh zu reservieren - auch wenn Anzahlungen in ihren Ländern nicht üblich sein.

"Wir haben das mehrfach in Norwegen getestet und die Kunden wollen es", so Stackmann. Seine Vertriebsleute halten in dem Land bis zu 10.000 I.D.-Vorreservierungen für möglich. "Deutschland ist da sicherlich nicht der Schrittmacher für Europa", meinte Stackmann gegenüber ANE.

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