Sharing-Angebot "We" setzt auf Elektroauto-Flotten So will sich VW beim Carsharing von der Konkurrenz abheben

So sollen die Elektroautos von VWs neuem Carsharing-Dienst We aussehen

So sollen die Elektroautos von VWs neuem Carsharing-Dienst We aussehen

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In Sekundenschnelle eben mal ein Auto mieten: Das ist ein Angebot, das in größeren Städten wie Berlin, Hamburg, Köln oder München immer mehr Fans findet. Carsharing-Angebote wie Car2Go oder DriveNow lassen Nutzer per App Fahrzeuge suchen und buchen. Die Mietwagen sind im gesamten Stadtzentrum verteilt und nicht an Verleihstationen gebunden - und lassen sich per Smartphone auf- und verschließen. Bezahlt wird pro genutzter Minute, im Minutenpreis von um die 30 Cent ist auch der verbrauchte Kraftstoff enthalten.

Hinter den größten Anbietern dieser modernen Art des Carsharings, Car2Go und DriveNow, stecken die Autokonzerne Daimler und BMW. Das Geschäft wächst kontinuierlich, und Studien sagen solchen modernen Formen des Autoteilens eine goldene Zukunft bevor.

Diese sieht nun auch der Volkswagen-Konzern, der sich nach einem gescheiterten Feldversuch namens Quicar in Hannover beim Carsharing auffällig zurückhielt. Nun machen die Wolfsburger eine große Kehrtwende: Am Mittwoch gaben die Wolfsburger bekannt, dass sie ab dem kommenden Jahr in Deutschland einen Carsharing-Dienst starten wollen - und damit in direkte Konkurrenz zu Daimlers Carsharing-Angebot Car2Go und BMWs DriveNow treten werden.

"Wir sind der Überzeugung, dass der Carsharing-Markt noch Potenzial hat", meinte der Vertriebsschef der Marke VW, Jürgen Stackmann, dazu selbstbewusst. Der Sinneswandel bei VW hat zum einen mit dem Ziel zu tun, bis 2025 zum weltweit führenden Mobilitätsanbieter aufzusteigen. Zum anderen spielt dabei wohl auch die Elektroauto-Offensive eine Rolle, die VW gerade vorbereitet.

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Denn anders als bei der Konkurrenz soll die Flotte des "We" genannten Angebots ausschließlich aus Elektroautos bestehen. Im Jahr 2020 will der Autobauer das Angebot auch auf europäische, nordamerikanische und asiatische Metropolen ausdehnen.

Doch allzu viele Details über das künftige Angebot gab Stackmann in Berlin nicht bekannt. manager-magazin.de hat deshalb nochmal bei Volkswagen nachgefragt, wie sich der neue Dienst von der bereits etablierten Konkurrenz unterscheiden soll - und wie groß VW in den Markt einsteigen will. Hier die wichtigsten Eckpunkte:

  • Volkswagens Carsharing-Angebot zielt auf Ballungsräume - wird also wohl vor allem in großen Metropolen angeboten. Wie viele Fahrzeuge je Stadt "We" anbieten wird, ist noch nicht final entschieden. Ein Feldversuch mit wenigen Fahrzeugen wird es jedoch nicht, wie ein Sprecher der Marke betonte: "Wir werden einen veritablen Markteintritt sicherstellen", erklärte er.
  • Volkswagens "We"-Angebot soll nicht nur Elektroautos, sondern auch andere Fahrzeugarten umfassen. Dazu könnten auch etwa Mikromobiliätslösungen wie Elektroroller zählen. Anders als die Konkurrenz plant VW offenbar auch eigene Verleihstationen für seine Fahrzeuge. "Die WE Sharingdienste werden nicht auf Free Floating Carsharing beschränkt sein", erklärte ein Sprecher. Unter Free Floating versteht die Branche die freie Verteilung und Verfügbarkeit von Fahrzeugen in eine bestimmten Geschäftsgebiet - ohne Bindung an eine etwaige Verleihstation.
  • Starten wird We 2019 zunächst mit verfügbaren Elektrofahrzeugen der Marke VW - also dem E-Golf und dem E-Up. Volkswagens neue Elektroauto-Familie I.D., die ab 2020 auf den Markt kommt, soll laut VW für den "Rollout" der We-Dienste "eine wesentliche Rolle spielen, da Fahrzeug und Services perfekt zusammenpassen." Übersetzt bedeutet dies: VW will das We-Carsharing dafür nutzen, um gleich zu Marktstart für seine neuen I.D. Elektroautos zu werben- und wird über den Dienst eine Art von bezahlten Probefahrten anbieten.
  • Positionieren will VW seinen Carsharing-Dienst wenig originell als "ganzheitliches Angebot", mit dem ein Kunde einen "Großteil seiner Mobilitätsbedarfe" decken kann. Alles klar? Fokus will VW dabei darauf legen, dass die Nutzung der Dienste möglichst einfach möglich ist. Und das tut der Konzern, ohne sich allzu klein zu machen. "Wir haben verstanden, wie der Markt funktioniert und werden mit Respekt, aber auch selbstbewusst in das Segment gehen", erklärte ein Sprecher der Marke VW.

Auch PSA, Renault und Volvo steigen ins Carsharing ein

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Ende August will VW dann weitere Details zu seinem We-Angebot nennen. VW will mit dem Service die Angebote der Konzernmarke Moia ergänzen, die vorwiegend auf Sammelshuttles und Fahrdienstvermittlung setzt und damit zuerst in Hannover und Hamburg punkten will.

Mit großangelegtem Carsharing ist VW nicht gerade früh dran. Daimler mit Car2go und BMW mit Drivenow sind seit Jahren die Platzhirsche in Deutschland und legen ihre Mobilitätsdienstederzeit komplett zusammen - wie manager magazin bereits vor einigen Monaten berichtete. Die Deutsche Bahn ist mit dem stationsgebundenen Flinkster im Geschäft.

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Allerdings haben auch andere große Autokonzerne das mühsame Geschäft mit dem Autoteilen bislang gescheut - und steigen wie Volkswagen erst jetzt größer in den Markt ein. Die Opel-Mutter PSA etwa startet Ende dieses Jahres ein größeres Carsharing-Angebot in Paris - ebenfalls mit Elektroautos. Die PSA-Tochtermarke Citroen hat damit immerhin schon etwas Erfahrung gesammelt. In Berlin bot Citroen unter dem Namen Multicity Elektroautos zum Carsharing an. Allerdings wurde der Dienst Ende 2017 eingestellt.

Ein Schritt auf dem Weg zum führenden Mobilitätsanbieter

PSA-Konkurrent Renault will in Paris Carsharing-Fahrzeuge in die Straßen stellen. Vor kurzem hat sogar die schwedische Luxusmarke Volvo eine eigene Mobilitätsmarke namens "M" vorgestellt. Deren Carsharing-Angebot soll im Frühjahr 2019 zunächst in Schweden und später in den USA starten.

Volkswagen muss also mit einigem Gegenwind für seine Carsharing-Angebote rechnen. Doch ganz grün hinter den Ohren beim Thema Carsharing sind die Wolfsburger auch nicht. Der Volkswagen-Konzern ist an mehreren Mobilitätsunternehmen weltweit beteiligt oder kooperiert mit solchen, die Carsharing anbieten. Unter Ex-Chef Matthias Müller hatte der Volkswagen-Konzern das Ziel ausgegeben, zu einem weltweit führenden Mobilitätsanbieter werden zu wollen.

Da ist "We" dann ein durchaus logischer Schritt - auch wenn der Konzern noch ziemlich viel Geheimniskrämerei um seinen Dienst macht.

mit Material von dpa-afx
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