E-Auto-Statistik Deutschland überholt die USA bei Stromer-Neuzulassungen

Auch wenn weltweit die meisten Elektroautos auf Chinas Straßen fahren, Deutschland holt bei den Neuzulassungen rasant auf. Das liegt nicht zuletzt an Volkswagen - die Wolfsburger treiben Tesla vor sich her.
Und noch ein Tesla-Konkurrent: Der neue ID.4 von Volkswagen im Showroom der Autostadt in Wolfsburg

Und noch ein Tesla-Konkurrent: Der neue ID.4 von Volkswagen im Showroom der Autostadt in Wolfsburg

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Peter Steffen / dpa

Nicht zuletzt wegen Prämien von bis zu 9000 Euro haben die Deutschen vergangenes Jahr ihre Liebe zu Elektroautos und Plug-in-Hybriden entdeckt. Durch den Boom hat Deutschland nun die USA als zweitgrößten Markt für Stromer abgelöst, teilte das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) am Dienstag mit.

Auch die deutschen Autokonzerne konnten ihre Position der weltweiten Übersichtsstudie zufolge deutlich verbessern: Zwar liegt auf Herstellerebene Tesla mit knapp 500.000 Neuzulassungen weiter vorne. Doch der VW-Konzern holt mit 422.000 weltweit zugelassenen reinen Elektroautos und Plug-in-Hybriden kräftig auf und springt von Rang sechs auf den zweiten Platz. Auf Herstellerebene verteidigt die BMW-Gruppe mit 193.000 Fahrzeugen Rang vier, Daimler verbessert sich mit 163.000 zugelassen Stromern auf den sechsten Platz. Die Ränge drei und fünf nehmen die chinesischen Autobauer SAIC und BYD ein.

"Die erfolgreiche Aufholjagd der deutschen Hersteller bei den neu zugelassenen Elektroautos zeigt, dass sie auf dem richtigen Weg sind", sagt ZSW-Vorstandsmitglied Markus Hölzle. "Trotzdem bedarf es noch stärkerer Anstrengungen der heimischen Automobilindustrie, um langfristig mit der Weltspitze mithalten zu können."

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Auf Länderebene zeigt sich folgendes Bild: In Deutschland kamen 2020 mehr Elektrofahrzeuge neu auf die Straßen als in den USA (322.000). Die Neuzulassungen kletterten hierzulande um die weltweite Höchstrate von 264 Prozent auf knapp 395.000 Vollstromer und Plug-in-Hybride.

Stromer-Neuzulassungen: China vorn gefolgt von Deutschland und den USA

Der größte Markt für Elektroautos und Plug-in-Hybride bleibt den Daten zufolge China mit 1,25 Millionen Neuzulassungen im Jahr 2020. Das ist mehr als ein Drittel der weltweit 3,18 Millionen. Allerdings sinkt der Anteil. Während der chinesische Markt nur noch um 3 Prozent zulegte, ging es weltweit um 38 Prozent nach oben. Zählt man alle Stromer-Neuzulassungen in Europa zusammen, liegt der Kontinent mit einem Wachstum um 134 Prozent auf 1,37 Millionen Fahrzeuge sogar vor China.

Frankreich brachte es auf 195.000 zugelassene Elektroautos und Plug-in-Hybride, das Vereinigte Königreich aif 175.000 und Norwegen auf 108.000. Die Plätze sieben bis zehn gehen an Schweden mit 94.000, die Niederlande mit 88.000, Italien (60.000) und Kanada (53.000).

"Der E-Fahrzeugmarkt entwickelt sich in vielen Ländern sehr vielversprechend, insbesondere in der Europäischen Union", sagt Frithjof Staiß, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des ZSW. Er führt das allerdings auf höhere Fördersätze und andere Maßnahmen wie die abgesenkte Mehrwertsteuer in Deutschland zurück. Diese Förderimpulse müssten in ein marktgetriebenes Wachstum gewandelt werden.

Hälfte aller E-Autos weltweit fährt auf Chinas Straßen

Zum Jahresende gab es weltweit 10,9 Millionen Elektroautos und Plug-in-Hybride auf den Straßen. Fast die Hälfte des Bestands zählt das ZSW dabei mit fünf Millionen in China, in den USA sind es 1,77 Millionen. Deutschland kommt auf rund 569.000 und ist damit noch weit von seinem Ziel von sieben bis zehn Millionen im Jahr 2030 entfernt. "Hierfür müssen in Deutschland im Schnitt jedes Jahr rund eine Million E-Fahrzeuge neu zugelassen werden", sagt Staiß. Und er geht davon aus, dass für die neuen EU-Klimaschutzziele sogar noch mehr Stromer notwendig wären. "Der Erfolg des vergangenen Jahres ist somit erst der Anfang."

Nicht in die Auswertung flossen Hybride ein, die nicht am Stromnetz aufgeladen werden können, sowie Brennstoffzellenautos. Letztere spielen nach wie nur eine kleine Rolle: Laut ZSW wurden weltweit 9000 zugelassen, der Bestand stieg auf 28.000.

rei/dpa-afx