VDI-Studie sieht Klimaziele in Gefahr Ingenieure sehen 100 Prozent Elektroautos als Irrweg

Nur mit Elektroautos seien die deutschen CO2-Ziele nicht zu erreichen, warnt der Verband der Ingenieure. Eine neue Studie wirbt für einen Technologiemix mit Brennstoffzellen und auch Verbrennungsmotoren.
Die Ökobilanz des Elektroautos ist alles andere als sauber und gut, behauptet eine Studie des Verbands Deutscher Ingenieure. Der VDI sieht sich dabei nicht als Gegner des Elektroantriebs und betont seine Unparteilichkeit. Schließlich arbeiteten Ingenieure an der Weiterentwicklung aller Antriebsformen, wie ihr Präsident betont.

Die Ökobilanz des Elektroautos ist alles andere als sauber und gut, behauptet eine Studie des Verbands Deutscher Ingenieure. Der VDI sieht sich dabei nicht als Gegner des Elektroantriebs und betont seine Unparteilichkeit. Schließlich arbeiteten Ingenieure an der Weiterentwicklung aller Antriebsformen, wie ihr Präsident betont.

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Hendrik Schmidt/ DPA

Politisch sind die Würfel gefallen: Bis 2030 will und soll Deutschland nach dem Willen der Bundesregierung für ein besseres Klima seinen CO2-Ausstoß um 55 Prozent verringern. Der Straßenverkehr soll erheblich dazu beitragen und allein 65 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen. Leichter gesagt als getan: Aktuell schaffen Volkswagen und Daimler es nicht einmal, die aktuellen CO2-Grenzwerte einzuhalten - trotz steigender Verkaufszahlen bei Elektroautos, wie ein Studie zuletzt aufzeigte.

Das meiste Steuergeld fließt gleichwohl in die Förderung von Elektroautos, so dass der Kunde beim Erwerb eines neuen E-Autos sich über bis zu 9000 Euro Kauferleichterung freuen darf. Dass sich hier in Kombination mit anderen Programmen womöglich eine einseitige "Überförderung" ergeben kann, hat das Wirtschaftsministerium erst sehr spät bemerkt.

Auch aus anderer Sicht kamen zuletzt Zweifel auf, ob die Fokussierung auf Elektroantriebe den Klimaschutzzielen wirklich so dienlich ist. Der Schwenk auf Elektroautos werde die CO2-Emissionen in Deutschland bis 2030 netto vielmehr um 40 Millionen Tonnen CO2 erhöhen, warnten im Sommer die Berater von Stahl Automotive Consulting  (SAC).

Sinnvoller sei es, Kohlekraftwerke konsequent abzuschalten und gleichzeitig sparsame Verbrennungsmotoren weiter zu verwenden. "Im Kontext der Energiewende leistet Elektromobilität keinen Beitrag zum Klimaschutz in Deutschland", lautete das Fazit von SAC-Chef Martin Stahl. Er sei kein Gegner von Elektroautos, stellte der Ex-BMW-Manager und McKinsey-Berater klar. Es gebe für die Studie auch keine Auftraggeber aus der Industrie. Er wolle aber eine offene Debatte.

Mäßige Ökobilanz mit Batterien aus China

Neuen Rückhalt bekommen die Gegner einer einseitigen Subvention von und Fokussierung auf E-Auto mit der jetzt veröffentlichten Studie "Ökobilanz von Pkws mit verschiedenen Antriebssystemen" vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI). Die Ausarbeitung liegt manager magazin vor.

"Ein komplementäres Miteinander der Technologien ist unsere einzige Chance, die CO2-Ziele für 2030 zu erreichen", fasst VDI-Präsident Volker Kefer (64) das Ergebnis zusammen. Der einseitige Fokus der Politik auf Fahrzeuge mit Batterieantrieb gefährde dagegen die CO2-Ziele, betont die Studie und macht dafür folgende Kernargumenete geltend:

  • Die Ökobilanz von batterieelektrischen Fahrzeugen sei zum heutigen Zeitpunkt nicht besser als die von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.

  • Treibhausgase, die bei der Fahrzeugproduktion entstünden, seien aktuell ungefähr doppelt so hoch wie beim Verbrenner.

  • Die Batterieproduktion liege großteils in Asien, insbesondere China, wo der Strom noch immer hauptsächlich aus Kohle gewonnen werde. Nur wenn Strom aus erneuerbaren Energien dazu verwendet werde, schneide die Elektromobilität in der Klimabilanz besser ab. Daher müsse die Batteriezellenfertigung auch nach Europa verlagert werden, fordert der VDI zugleich.

  • Der "Wettkampf um mehr Reichweite" und damit aktuell größere Batterien sei für den Klimaschutz kontraproduktiv.

Produktion und Recycling bleiben das zentrale Problem

Solange die Frage der klimaschonenden Produktion von Batterien ebenso wenig gelöst sei wie das Batterierecyling, ist der Verbrennungsmotor aus Sicht des VDI eine "notwendige Technologie" und "nicht schlechter". Es gelte, parallel die Entwicklung und Verbreitung synthetischer Kraftstoffe voranzutreiben, um die Ökobilanz von Verbrennungsmotoren zumindest für eine Übergangsphase zu verbessern.

Zugleich bricht die Studie eine Lanze für die Brennstoffzellentechnologie. Die Brennstoffzelle ermögliche "aktuell den umweltfreundlichsten Antrieb" vor allem im Kurz- und Mittelstreckenbereich, heißt es. Sie eigne sich besonders für Lkw. Die gewünschte CO2-Reduktion werde auch hier aber nur erzielt, wenn die Produktion des dafür notwendigen Wasserstoffs aus regenerativen Quellen stammt.

Autoren der Studie sind drei Ingenieure des Karlsruher Instituts für Technologie  (KIT) - eine Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft. Das Institut gehört zu den weltweit renommierten Forschungseinrichtungen, insbesondere in ingenieurwissenschaftlichen Fachrichtungen.

rei
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