US-Elektroautobauer steigert Absatz Wie Tesla scheinbar der Coronakrise trotzte

Tesla-Chef Elon Musk: Ein gutes Auftaktquartal 2020 - doch das zweite Quartal dürfte auch für Tesla hart werden

Tesla-Chef Elon Musk: Ein gutes Auftaktquartal 2020 - doch das zweite Quartal dürfte auch für Tesla hart werden

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Der Mitteilungskern war gerade mal drei Absätze kurz , die Börse belohnte das knappe Zahlenwerk dennoch mit einem Kurssprung um bis zu 16 Prozent: Im ersten Quartal 2020 hat der Elektroautobauer Tesla  weltweit 88.400 Autos an Kunden übergeben. Das waren 15.400 Fahrzeuge mehr als im Vorjahreszeitraum. Tesla steckte die weltweiten Verwerfungen durch die beginnende Coronakrise scheinbar mühelos weg und übertraf die Schätzungen der Analysten deutlich - weshalb die Tesla-Aktie am Freitag kräftig stieg.

Ist Tesla als Unternehmen also immun gegen die Verwerfungen durch Coronavirus-bedingte Werksstillegungen? Nicht wirklich, denn der Erfolg fußt auch ein Stück weit auf geschicktem Taktieren von Tesla-Chef Elon Musk.

Das neueste Auto- und Akkuwerk des Autobauers, die "Gigafactory" in Shanghai, musste in diesem Quartal von 24. Januar bis 10. Februar seine Tore schließen - auf Anordnung der chinesischen Behörden. Das Shanghaier Werk, so heißt es aber in Teslas Quartalsbericht, "schaffte erneut Rekord-Produktionsniveaus, trotz signifikanter Rückschläge".

Werk in Shanghai ist Hoffnungswerk - aber noch nicht mit Rekordproduktion

Doch diese Behauptung muss man erst einmal in Relation setzen. Tesla zog sein Shanghaier Werk zwar in Rekordzeit hoch. Auf dem Output-Level des Stammwerks in Fremont ist das chinesische Werk aber noch nicht. Chinesischen Medienberichten von Anfang März zufolge soll die Shanghaier "Gigafactory" rund 3000 Fahrzeuge pro Woche hergestellt haben. Das sind hochgerechnet auf ein Quartal rund 36.000 Fahrzeuge. Zwar es beeindruckend, wie schnell Tesla  in China in Richtung voller Produktionskapazität des Werkes unterwegs ist. Doch das Stammwerk in Fremont verließen bis Mitte März mehr als doppelt so viele Fahrzeuge pro Woche.

In Fremont mühte sich Tesla zudem, das Werk im Coronavirus-Sturm möglichst lange offen zu halten. Sein Hauptwerk ließ Musk erst dann vorübergehend stilllegen, als es wegen einer behördlichen Anordnung nicht mehr anders ging, und zwar am 23. März. Dabei gab es bereits am 17. März - wie in vielen europäischen Ländern - eine sogenannte "shelter in place" Anordnung der Behörden im Raum San Francisco. Sie besagte, dass alle Bürger möglichst zu Hause bleiben und Distanz zu anderen halten sollten.

Wie Elon Musk in der US-Coronakrise taktierte

Teslas US-Personalchef erklärte laut einem Bericht von "Bloomberg" damals, dass die Autoerzeugung und Energieinfrastruktur als Schlüsselsektoren erachtet werden und die Fabrik deshalb in Betrieb bleibe. In einer E-Mail an die Mitarbeiter erklärte Musk damals folgendes: "Ich will da super klar sein: Falls Sie sich auch nur irgendwie krank fühlen oder einfach nur unbehaglich, bitte fühlen Sie sich nicht verpflichtet, zur Arbeit zu kommen". Er selbst "werde persönlich bei der Arbeit sein, aber so bin ich eben", so Musk.

Corona-Panik "dämlich"?

Auch auf seinem Lieblingsmedium Twitter schrieb Musk persönlich gegen die Maßnahmen der Behörden an. Noch am 6. März twitterte Musk, dass die "Coronavirus-Panik dämlich ist". Und in einem Tweet am 17. März stellte Musk fest, dass die Gefahr einer Panik seiner Meinung nach bei weitem die Gefahren einer Coronavirus-Infektion übertreffe. "Wenn wir übermäßig viele medizinische Ressourcen für Corona aufwenden, geschieht das zu Lasten der Behandlung anderer Krankheiten", schlussfolgerte Musk. Zudem legte er seinen Followern noch Links zu möglichen künftigen möglichen Behandlungsmöglichkeiten von Covid19-Infektionen nahe.

Diese Taktik verschaffte Tesla etwas Luft, um das Werk dann erst eine Woche später als viele andere Unternehmen im Silicon Valley zu schließen. Berichten des US-Onlineportals "The Verge" zufolge mussten aber selbst nach der offiziellen Werksstilllegung am 23. März noch Dutzende Arbeiter im Werk erscheinen, um die letzten Arbeiten an bereits fast fertiggestellten Tesla-Fahrzeugen vorzunehmen. Und die Auslieferungen von fertiggestellten Autos gehen in den USA auch nach der vorübergehenden Stilllegung des Fremonter Werks weiter.

US-Analyst warnt vor knallhartem zweiten Quartal für Autobauer

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Zudem werden auch die ersten Model Y Kompakt-SUVs ausgeliefert, wie sich dem Quartalsbericht ebenfalls entnehmen lässt. Die Produktion von Teslas fünftem Modell startete im Januar, die Auslieferungen begannen im März. Man sei beim Model Y "bedeutend vor dem Zeitplan", heißt es in dem Quartalsbericht knapp dazu.

Musk selbst erklärte bereits Mitte 2019, dass das Auftaktquartal 2020 für Tesla "herausfordernd" werde - und das noch lange bevor die Coronavirus-Pandemie absehbar war. Das zweite Quartal 2020, meinte er damals, werde nicht ganz so schlimm, aber ebenfalls zäh.

Das dürfte sich wohl nicht ganz bewahrheiten. Denn die kommenden Wochen und Monate werden - auch für Tesla - wohl deutlich härter als der Zeitraum Januar bis März dieses Jahres. Tesla hat am 23. März bereits zahlreiche Entlassungen ausgesprochen, wie viele andere US-Unternehmen in diesem Zeitraum auch.

Laut dem US-Magazin "Fortune"  rechnet etwa US-Analyst Toni Scconaghi vom Investmenthaus AllianceBernstein damit, dass der Lockdown in großen Teilen der USA bis Mitte Juni anhalten könnte. In seinem Bericht vom 1. April zieht er auch Parallelen zur Rezession des vergangenen Jahrzehnts, als die Autoverkäufe in den USA von 2007 bis 2009 um 20 Prozent einbrachen.

Spatenstich für Teslas deutsches Autowerk Mitte April geplant

Es dauerte ein Jahrzehnt, bis die USA wieder die Neuwagen-Zulassungen der Jahre erreichte. Und diesmal könnte der Automarkt wesentlich schneller einbrechen als vor mehr als einem Jahrzehnt. Das gilt nicht nur für die USA, sondern auch für Europa.

In China scheint es aktuell nicht ganz so schlimm zu sein. Aber noch läuft Teslas Werk dort eben nicht auf vollen Touren.

Immerhin scheint nun auch der Spatenstich für Teslas europäisches Autowerk in Grünheide bei Berlin (Details dazu hier) kurz bevorzustehen. Laut Medienberichten ist der Bauantrag eingegangen und wird nun von den lokalen Ministerien geprüft. Die komplette umweltrechtliche Genehmigung ist zwar noch in Arbeit, Tesla hat aber wie von den Behörden erlaubt offenbar bereits einen großen Teil der Fläche gerodet und planiert.

Das Landesumweltamt will den Fundamentbau vorab erlauben, berichtet die Berliner Zeitung, da die Prognose für die abschließende Genehmigung positiv sei. Mitte April soll der Spatenstich erfolgen - allerdings wohl ohne Anwesenheit von Musk persönlich. Denn die weltweiten Reiseverbote wegen der Coronavirus-Pandemie treffen auch den Tesla-Chef.