Dienstag, 23. April 2019

Auslieferung von US-Elektroauto beginnt Tesla Model 3 erhält Umweltbonus in Deutschland

Tesla Model 3: Das Elektroauto wird in Deutschland durch den "Umweltbonus" staatlich gefördert

Diese Meldung dürfte tausende deutsche Reservierer freuen: Der US-Elektroautobauer Tesla will in Kürze die ersten Model 3-Fahrzeuge an europäische Kunden ausliefern. Die Amerikaner erhielten von der niederländischen Zulassungsbehörde RDW am Montag grünes Licht für die Straßenzulassung, berichtete Bloomberg. Damit hat Tesla die finale Hürde genommen, um den Elektroauto-Bestseller nun an europäische Kunden übergeben zu können.

Laut Tesla sollen die Auslieferungen in Europa voraussichtlich im Februar beginnen, bisher hatte das Unternehmen den März angegeben. Starten will Tesla wie beim Marktstart in den USA vor mehr als einem Jahr mit der Topvariante mit großer Batterie. Die "Long Range"-Variante startet in Deutschland mit einem Basispreis von 56.400 Euro (inklusive MwSt und Bearbeitungsgebühr) - und liegt damit klar unter der Grenze von 60.000 Euro Netto-Listenpreis (71.380 Euro brutto), die das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) für die Gewährung einer Elektroauto-Kaufprämie vorsieht. Auch die Performance-Variante des Model 3 mit großer Batterie, die Tesla ebenfalls in Europa ausliefern will, liegt mit einem Basispreis von 67.080 Euro brutto unterhalb der Bafa-Fördergrenzen.

Beide Varianten des Model 3 sind nun auch auf der Bafa-Liste förderfähiger Elektroautos gelistet. Käufer der "Long-Range" oder der "Performance"-Variante des Model 3 erhalten damit bei entsprechendem Antrag an das Bafa 2000 Euro "Umweltbonus" vom Staat ausbezahlt. Den Herstelleranteil der Umweltprämie von ebenfalls 2000 Euro hat Tesla bereits in seinen auf der Website ausgewiesenen Bruttopreisen abgezogen.

Für die Bafa-Förderung zählt nur der Brutto-Listenpreis der jeweiligen Basisversion des Modells. Deshalb erhalten auch jene Model 3-Käufer den staatlichen Umweltbonus, die ihr Model 3 mit vielen aufpreispflichtigen Extras ausstatten und so am Ende deutlich mehr als 71.400 Euro brutto für ihr Fahrzeug bezahlen.

Mit dem Auslieferungsstart geht für Tausende europäische Elektroauto-Fans eine lange Wartezeit zu Ende: Bereits Ende März 2016 konnten Kunden ein Model 3 gegen eine Anzahlung von 1000 Euro reservieren. Innerhalb weniger Wochen kam Tesla auf 500.000 Vorbestellungen, in den USA übergab Tesla Ende 2017 die ersten Model 3-Fahrzeuge an Kunden. Europäischen Interessenten stellte Tesla ursprünglich einen Verkaufsstart für Ende 2018 in Aussicht. Den musste der Elektroautobauer aber wegen massiver Probleme beim Anlauf der Model 3-Fertigung mehrfach nach hinten verschieben. Die Produktionsschwierigkeiten hat Tesla in den vergangenen Monaten gelöst.

Vom Europa-Verkaufsstart hängt für Tesla viel ab

Dem Europa-Verkaufsstart des Model 3 dürften deutsche Autohersteller mit gemischten Gefühlen entgegensehen. In den USA hat das Fahrzeug zuletzt Rekorde gebrochen: Im Luxussegment hat es Modelle von Daimler und Audi abgehängt - und es 2018 als erstes Elektroauto unter die Top 10 der meistverkauften Fahrzeugmodelle in den USA geschafft.

Und Tesla dürfte in Europa durchaus aggressiv in den Markt gehen, denn vom erfolgreichen EU-Start des Model 3 hängt für Tesla viel ab. Tesla-Chef Elon Musk sprach zuletzt von einem "sehr schwierigen Jahr", das vor ihm liege. In den USA laufen Steuererleichterungen für das Model 3 aus, was die Auslieferungen für den Elektrowagen zuletzt sinken ließ. Laut Musk sollen Verkäufe in Europa und China die Absatzzahlen in diesem Jahr hoch halten.

Zudem streicht der kalifornische Autohersteller 7 Prozent seiner Stellen, um Kosten zu senken und damit auch ein bislang nicht eingelöstes Versprechen halten zu können. Bei der Präsentation des Model 3 im März 2016 versprach Musk eine Basisvariante für rund 35.000 Dollar Verkaufspreis. Diese verkauft Tesla bisher aus Profitabilitätsgründen nicht.

Aktuell liegen die durchschnittlichen Verkaufspreise eines Model 3 in den USA bei rund 50.000 Dollar. Dennoch gelang es Tesla, damit auch etablierte Mittelklasse-Konkurrenten wie BMWs 3er-Serie oder den Audi Q5 anzugreifen.

Traditionelle Autohersteller fahren dagegen mit eigenen Elektro-Modellen an. Jaguar liefert seit Ende 2018 den Elektro-SUV iPace aus, Audi will im Frühjahr die ersten Modelle seines E-Geländewagens E-Tron ausliefern. Daimler kontert in der ersten Jahreshälfte mit dem Elektro-Crossover EQC. Deren Basispreise liegen aber alle über 70.000 Euro - und damit noch erheblich über den Model 3-Preisen. Erst im Jahr 2020 dürften in Europa günstigere Elektroautos auf dem Markt kommen - etwa VWs I.D. Neo.

Anmerkung: In zwei früheren Versionen des Artikels haben wir die Basispreise der "Long Range"- und "Performance Long Range"-Varianten des Tesla Model 3 nicht korrekt angegeben, zudem war Angaben der Bafa-Fördergrenzen und der staatlichen Zuschusshöhe falsch dargestllt. Nach Hinweisen von Lesern haben wir die Fehler korrigiert - Die Redaktion.

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