Solarauto-Start-up vor neuer Finanzierungsrunde So will Sono Millionen Euro einsammeln

Prototyp des Solar-Elektroautos Sion von Sono Motors

Prototyp des Solar-Elektroautos Sion von Sono Motors

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Sono Motors Solar-Elektroauto Sion: Dieses Billig-Elektroauto tankt beim Stehen

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Ein Elektroauto für nur 20.000 Euro, die Außenhaut aus Solarzellen. Innen Schalter und Knöpfe, die bereits für andere Autohersteller produziert werden. Carsharing-Funktionen ab Werk, die Gründer allesamt unter 30 Jahren alt - Sono Motors ist Deutschlands wohl ungewöhnlichstes Auto-Start-up, über dessen Fortschritte manager-magazin.de mehrfach berichtete.

Ob der Elektro-Fünftürer wie geplant Ende 2019 in größeren Stückzahlen gebaut wird, ist noch offen. Doch unbestreitbar ist, dass Sono Motors mit vergleichsweise geringem Budget ziemlich weit gekommen ist. Nun geht das Start-up in eine neue Finanzierungsrunde, um sein Modell Sion in Serie produzieren zu können.

Bisher hat sich das 2016 gegründete Start-up über Crowdfunding und Anzahlungen für Autoreservierungen finanziert. 2017 stiegen auch mehrere Investoren ein, unter ihnen der Autozulieferer Böllinger Group und der Gründer des Energiedienstleisters Juvi. Ein Betrag in niedriger zweistelliger Millionenhöhe kam so zusammen.

Nun werden die Summen größer: In der gerade erst gestarteten Finanzierungsrunde will Sono Motors einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag einsammeln, wie Sono-Mitgründer Laurin Hahn und Finanzchef Martin Sabbione am Donnerstag im Gespräch mit manager-magazin.de erklärten.

Sono setzt auf vier Geldquellen, Bewertung von 100 Millionen Euro möglich

Sono setzt in der neuen Finanzierungsrunde gleich auf vier verschiedene Geldkanäle: Zunächst hat sich das Start-up an jene 8000 Investoren gewandt, die ihr Elektroauto bereits reserviert und dafür eine Anzahlung geleistet haben. Von diesen Investoren hat Sono weitere fünf Millionen Euro erhalten. Nun startet Sono eine neue, öffentliche Crowdinvesting-Kampagne.

Zudem legt der bayerische Vermögensverwalter CAV einen Spezialfonds für Sono auf, der sich an vermögende Privatpersonen richtet und ein Mindestinvestment von 200.000 Euro vorsieht. Das Ziel des Fonds ist es, rund 15 Millionen Euro an Kapital einzusammeln. Parallel dazu verhandelt Sono Motors auch noch mit institutionellen Investoren über einen möglichen Einstieg. Die Profi-Investoren, mit denen Sono spricht, kommen laut Finanzchef Sabbione "eher aus dem Finanzumfeld".

Gelingt die Kapitalerhöhung wie geplant, käme Sono Motors auf eine Bewertung von "mehr als 100 Millionen Euro", wie Sabbione erklärte.

Keine eigene Fabrik geplant, viel Konkurrenz für den Sion im Jahr 2020

Mit dem Geld will Sono Motors seinen ehrgeizigen Zeitplan halten: Bereits Ende 2019 soll es mit der Serienproduktion des Sion losgehen. Die Baugruppen sind laut Sono-Mitgründer Hahn bereits weitgehend zertifiziert, Anfang des Jahres stehen noch die für die Serienzulassungen notwendigen Crashtests an. Die Simulationen dafür sind laut Hahn bereits gestartet und verlaufen bislang vielversprechend. Wie weit die Polykarbonat-Hülle des Sion dann auch in der Realität die behördlichen Auflagen hält, muss sich noch erweisen.

Für den tatsächlichen Einstieg in die Massenfertigung wird Sono aber wohl noch eine weitere Finanzierungsrunde benötigen, wie auch das Start-up selbst andeutet. Dabei versucht das junge Münchner Unternehmen, die Kosten möglichst gering zu halten. Eine eigene Fabrik plant Sono nicht, die Produktion soll ein Auftragsfertiger aus dem europäischen Raum übernehmen.

Presswerkzeuge oder Lackierarbeiten hat der Sion ebenfalls nicht nötig - sein Außenkleid besteht aus Polykarbonat und Solarzellen. Allein das, behaupten die Sono-Leute, spart ihnen bei der Entwicklung dreistellige Millionenbeträge.


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Sollte der Sion die Zulassung erhalten und 2020 tatsächlich auf den Markt kommen, müssen die Münchner sich jedoch auf einige Konkurrenz einstellen. Neben luxuriösen Elektro-Modellen von Audi, Mercedes und BMW wird dann auch die Marke VW ihr Elektro-Massenmodell "Neo" auf dem Markt haben. Das VW-Auto dürfte allerdings gut 30.000 Euro kosten, um 10.000 Euro mehr als der Sion. Allerdings hat das Sono-Elektroauto auch nur eine Reichweite von rund 250 Kilometern mit einer Akkuladung, VW verspricht für den Neo gut 500 Kilometer Reichweite.

Sion soll eher ein Familienauto sein

Sono positioniert sein Modell aber ohnedies etwas anders: Der Sion soll eher Familienauto sein und bietet ab Werk bereits die Möglichkeit, den Wagen minuten-, stunden- oder tageweise an andere zu vermieten. "Wir haben relativ viele Anfragen von kleinen Carsharing-Anbietern und Kommunen", sagt Hahn dazu. Die direkte Konkurrenz zur mächtigen deutschen Autoindustrie sucht er ohnedies nicht: In den kommenden Jahren soll Sono laut Hahn zum Mobilitäts- und Energiedienstleister werden - und nicht zum Autoriesen.

Ambitionslos ist Sono aber deshalb nicht: Zum einen hat das Start-up vor einigen Monaten mit Thomas Hausch einen COO an Bord geholt, der über jahrzehntelange Erfahrung in der klassischen Autoindustrie verfügt. Zum anderen setzt sich Sono das Ziel, mindestens 230.000 Sion über den gesamten Lebenszyklus des Autos zu verkaufen - also gut 30.000 Fahrzeuge pro Jahr zu produzieren. Das ist für Autoriesen wie Volkswagen zwar eine eher kleine Nummer - aber auch nicht ganz unbedeutend.

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