Donnerstag, 5. Dezember 2019

Elektro-SUV Mustang Mach-E Fords gewagte Wette auf das Elektro-"Pferd"

Elektro-SUV Ford Mustang Mach-E: Dieser Ford soll Teslas Model Y davongaloppieren
Ford

Der britische Schauspiel-Star Idris Elba führte durch die Auto-Premiere und outete sich als ehemaliger Ford-Bandarbeiter. Chairman und Gründer-Urenkel Bill Ford erklärte auf der Bühne, dass sich der Wagen "wie ein Rakete" fahre. Zum Abschluss lieferte ein Detroiter Chor eine Performance ab, die irgendwo zwischen Gospel und Musical-Tanzshoweinlage verortet war.

Für die Vorstellung seines neuen Elektro-SUVs Mustang Mach-E zog Ford alle Show-Register - so legt es ein online abrufbares Video der Veranstaltung nahe. Ähnlich bombastisch präsentieren sich auch deutsche Autohersteller, wenn sie wie Porsche mit seiner Taycan-Weltpremiere den Aufbruch in eine neue Ära vermitteln wollen.

Doch bei Ford erstaunt das große Spektakel doch ein wenig. Der US-Autohersteller kämpft seit längerem mit massiven Problemen. Vor einem Monat hat der Traditionsautobauer seine Prognose gesenkt, weltweit streichen die Detroiter 12.000 Stellen und schließen fünf Werke. Zwar hat der Konzern vor gut einem Jahr angekündigt, 11 Milliarden Dollar in die Elektromobilität investieren zu wollen. Doch Vorreiter war der Konzern auf diesem Feld bisher nicht gerade. Die bislang erhältlichen Fords mit Elektroantrieb, ein Transporter und der Kompaktwagen Focus, boten für vergleichsweise hohe Preise eher mickrige Reichweiten.

Für Aufsehen hat keines der Modelle gesorgt. Das will Ford nun ändern, indem die Detroiter ganz tief in der Markenhistorie kramen - und einem ihrer bekanntesten Markennamen auf Elektroantrieb bürsten wollen: Den Sportwagen Mustang, erkennbar am stilisierten Pferd auf dem Kühlergrill, dem Begründer der amerikanischen Muscle Cars. Seit mehr als fünf Jahrzehnten bietet Ford dieses Modell an: Der Mustang steht, so betonte es Bill Ford, für drei Eigenschaften: "Fast, fun and Freedom" - und genau diese Eigenschaften soll nun auch die neue Elektro-Variante Mach-E auf die Straße bringen.

Super-Beschleunigung bietet nur die Top-Variante

Käufer eines traditionellen Mustangs erhielten für vergleichsweise kleines Geld (die Verbrenner-Variante startet in den USA ab rund 27.000 Dollar) höhere PS-Zahlen und ein bulliges Äußeres. Der Mustang gilt deshalb als Sportwagen für die breitere Masse. Weltweit hat Ford seit den 1960-Jahren 10 Millionen Mustangs verkauft - und eine loyale Fangemeinde aufgebaut.

Nun versucht sich Ford ein Stück weit an der Neudefinition seiner Markenikone: Denn der Mach-E wird kein klassischer Sportwagen mehr mit eher moderat dimensionierter Rückbank - sondern ein Sport-Geländewagen mit fünf Sitzen. Die Basisversion wird in den USA knapp 40.000 Dollar kosten, in Deutschland rund 46.000 Euro. Statt mit sonorem Zylinder-Brabbeln anzufahren wird der Mach-E dahinsurren, auf Wunsch auch mit einem Sound, der entfernt an einen Verbrenner erinnern soll. Innen setzt Ford beim neuen Mustang auf Touchscreens und viel Connectivity.

Immerhin, selbst in Basisvariante soll der Wagen rund 450 Kilometer weit mit einer Akkuladung kommen. Die Beschleunigungsleistungen der Basisvariante (unter 8 Sekunden auf 100 km/h) sind allerdings für ein Elektroauto nicht gerade atemberaubend, nur die Topversion Mach-E GT wird mit E-Sportwagen vom Schlag eines Porsche Taycan mithalten können.

Äußerlich erinnert der Mach-E an der Vorderseite stark an Teslas SUV Model X und den kommenden Kompakt-Geländewagen Model Y. Innen ebenfalls - mit Touchscreen, Highspeed-Internetverbindung und drahtlosen Updates. Die Detroiter haben sich, so geben sie zu, stark von Teslas Fahrzeugen inspirieren lassen.

Weshalb Ford mit seinem Mustang Mach-E Mut beweist

Die große Frage ist allerdings: Kann Ford mit dem Wagen einen ähnlichen Enthusiasmus bei seinen Mustang-Fans erzeugen wie es Tesla mit seinem Model 3 gelang? Immerhin hat Ford einige Hausaufgaben durchaus gut erledigt. Der US-Autobauer hat sich kürzlich in den USA bei VWs Schnelladestationsnetzwerk Electrify America eingeklinkt, in Europa ist Ford Mitglied im Ionity-Schnelladekonsortium. Zudem hat Ford in den USA auch bereits 2000 Händler, die speziell für den Verkauf von E-Autos geschult wurden-

Preislich fährt der Mustang Mach-E, der in mehreren Varianten zwischen 44.000 und 66.000 Dollar angeboten wird, ziemlich genau auf dem Level von Teslas Model Y mit. Der Wagen ist aber deutlich günstiger als die Luxus-Elektro-SUVs von Jaguar, Audi oder Mercedes, die bei rund 80.000 Euro Startpreis liegen. Teslas Model 3-Käufer klagen nicht nur in den USA über lange Wartezeiten bei Reparaturen und eher mauen Service. Dem wird Ford die Power seines Händlernetzes entgegensetzen.

Anders als etwa Hyundai mit seinem Kona EV oder Volvo mit dem XC40 Recharge bietet Ford nun eine eigens konstruierte Elektroauto-Plattform auf, die deutlich mehr Platz bietet als ein zum E-Auto umgemodelter Verbrenner. Allerdings dürfte Ford die neue neuen Plattform nur für wenige weitere Modelle nutzen. Denn ab 2023 sollen die ersten Ford-Elektroautos auf Basis von Volkswagens MEB-Elektroplattform ausgeliefert werden.

Ob Ford nun den Markennamen Mustang erfolgreich ins dämmernde Elektroauto-Zeitalter transferieren kann, muss sich noch weisen. Aus Markensicht ist das durchaus gewagt, meinen US-Marktkenner.

Tatsächlich beweist Ford mit dem Schritt aber auch ein Stück Mut. Denn mit dem Mustang-Label signalisieren sie auch, dass sie coole Elektroautos bauen wollen - und nicht welche, die wie GMs Chevrolet Bolt bei den Amis als Stadt-Kleinwagen durchgehen.

Ob die Detroiter damit auf das richtige Pferd setzen, muss die Zukunft weisen. Zeit hat Ford mit dem Mustang Mach-E jedenfalls keine zu verlieren. Die Produktion der Fahrzeuge startet im kommenden Jahr, die ersten Mach-Es will Ford Ende 2020 ausliefern.

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung