Sonntag, 22. September 2019

Elektroauto-Hersteller mit Tesla-Veteranenriege Model-3-Macher Hochholdinger wechselt zu Tesla-Rivale Lucid

Prototyp von Lucids geplanter Elektro-Limousine, dem "Lucid Air"
Lucid Motors
Prototyp von Lucids geplanter Elektro-Limousine, dem "Lucid Air"

Die "Produktionshölle" beim Anlauf des Model 3 hat er mit Tesla-Chef Elon Musk in mühevollen Monaten ausgemerzt. Das Arbeitsklima bei Tesla dürfte Peter Hochholdinger allerdings nicht so recht zugesagt haben. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass der Topmanager Tesla verlässt - eine Meldung, die auch Teslas Aktienkurs zusetzte. Nun ist klar, wohin er wechselt: Der deutsche Produktionsexperte, der jahrzehntelang bei Audi arbeitete, heuert als Produktionschef beim kalifornisch-chinesischen Elektroauto-Start-up Lucid Motors an.

Die Personalie gab Lucid in einer kurzen Mitteilung bekannt. Bei seinem neuen Arbeitgeber trifft Hochholdinger auf eine ganze Riege an Tesla-Veteranen, wie unter anderem die WirtschaftsWoche berichtet: Lucid-CEO Peter Rawlinson, ein gebürtiger Brite, war einst Chefingenieur für Teslas Model S. Peter Hasenkamp, Lucids Beschaffungschef, war früher für den Einkauf des Model S zuständig. Lucids oberster Hardware-Entwickler Eric Bach und Verkaufschefin Doreen Allen haben ebenfalls in höheren Positionen für Tesla gearbeitet, bevor sie zu Lucid Motors wechselten.


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Das kalifornisch-chinesische Start-up gibt es schon seit über zehn Jahren, ursprünglich hieß das Unternehmen Atieva. Es startete als Batterie- und Elektroantriebsspezialist, seit 2014 arbeitet das Unternehmen auch an einem eigenen Auto. Im Jahr 2016 stellte Lucid seinen ersten Prototypen vor, den Lucid Air. Der zielt anders als Teslas Model 3 klar auf die automobile Oberklasse.

CEO Rawlinson verspricht ein besonderes Raumgefühl in dem Wagen, die Fondsitze lassen sich wie in der Flugzeug-Business-Class fast waagerecht stellen. Mit dem Air, so stellte Rawlinson es bei öffentlichen Auftritten dar, wolle man auch gar nicht gegen Tesla anfahren - sondern gegen die deutschen Premium-Autohersteller Audi, Mercedes und BMW. Details zum Lucid Air, dem Managementteam und den Kapitalgebern lesen Sie hier.

Wie Lucid seine Finanzierungsprobleme auf einen Schlag löste

Dazu passen auch die heftigen Leistungsdaten des Air. Die stärkste Variante des ersten Lucid-Modells soll mit 1000 PS in 2,5 Sekunden auf 100 km/h schießen, die Batterie ist mit 130 kWh um ein Drittel größer als die üppigsten Varianten von Teslas Limousine Model S. Rund 640 Kilometer Reichweite soll der Air so mit einer Akkuladung schaffen. Dazu gibt es noch mit Mikrolinsen aufgewertete Scheinwerfer, die je nach Fahrsituation den Weg besonders gut ausleuchten soll.

Gut 150.000 Dollar Listenpreis soll der Air in Top-Variante kosten, das Basismodell mit 400 Kilometern Reichweite soll ab rund 60.000 Dollar zu haben sein. Allerdings hatte Lucid mit all den schönen Plänen bislang ein Problem: Lange Zeit fehlte dem Start-up das Geld zur Verwirklichung. Ursprünglich wollte Lucid mit dem Bau einer Autofabrik in Arizona bereits 2017 beginnen, 2018 sollten die ersten Lucid Airs in den Handel kommen. Doch lange fand sich kein Financier, der ein paar hundert Millionen für den Bau des Werkes springen lassen wollte.

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Das hat sich im vergangenen Herbst jedoch geändert: Da stieg der saudi-arabische Staatsfonds PIF bei Lucid ein. Nun hat Lucid Motors, das aktuell auf rund 1300 Mitarbeiter kommt, insgesamt 1,2 Milliarden Dollar zur Verfügung, fast alles davon stammt von den Saudis. Der saudi-arabische Investmentfonds sollte vor seinem Investment bei dem Start-up eigentlich die Börsenrückzugs-Pläne von Elon Musk finanzieren - ein Plan, der sich allerdings zerschlug.


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Nun soll Lucid mit dem Geld des Golfstaats im Schnellverfahren loslegen. Bereits 2020 soll der Air auf den Markt kommen, die Fabrik in Casa Grande in Arizona steht bereits kurz vor der Grundsteinlegung. Lucid plant allerdings eine ganze Dimension kleiner als Tesla: Zumindest in der ersten Phase ist das Werk auf 20.000 Fahrzeuge pro Jahr ausgelegt, berichten lokale Medien.

Anders als bei Tesla kann Hochholdinger also in seinem neuen Job wohl eine Autofabrik von der Pike auf neu aufbauen. Dass er so etwas kann, hat Hochholdinger bereits in seiner Zeit bei Audi bewiesen. Denn für die Ingolstädter plante er das Werk im mexikanischen San José, dessen Leitung er ursprünglich übernehmen sollte. Doch dann wurde er von Tesla abgeworben.

Lucid-CEO Rawlinson lobte seinen neuen Produktionschef per Presseaussendung wenig überraschend in höchsten Tönen. Lucid sei "hocherfreut" über den Neuzugang. Hochholdingers Erfahrung und Führungsstärke werde beim Fortschreiten von Lucid Richtung Marktstart "von unschätzbarem Wert" sein.

Trotz des Wechsels bleibt, bis zur Grundsteinlegung in Arizona zumindest, eines für Hochholdinger fast gleich: sein Weg zur Arbeit. Denn Lucids neues Hauptquartier liegt ebenfalls im Silicon Valley, und zwar in Newark. Von Teslas Werk in Fremont sind es gerade mal 17 Kilometer in nordöstlicher Richtung zum Lucid-Headquarter. Für amerikanische Verhältnisse ist das fast schon nebenan.

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