Mittwoch, 27. Mai 2020

"Gigafactory"-Batteriezellenpartner Panasonic verdient mit Tesla erstmals Geld

Tesla-Batterie in der "Gigafactory" in Nevada: Die darin enthaltenen Zellen produziert Panasonic für Tesla vor Ort.

Diese Meldung dürfte der japanische Elektronikkonzern Panasonic schon lange ersehnt haben - denn schließlich soll die Geschäftsbeziehung zum US-Elektroauto-Hersteller Tesla nicht friktionsfrei sein: Im vergangenen Quartal hat Panasonics Batteriezellen-Joint-Venture mit Tesla erstmals einen Profit ausgewiesen.

"Für das kommende Jahr hoffen wir, dass sich die Gewinne stabilisieren werden", erklärte Panasonics Finanzchef Hirokazu Umeda laut der Finanzzeitung "Financial Times" ("FT"). Den Gewinn verdankt Panasonic laut Eigenangaben gesunkenen Rohstoffpreisen.

Insgesamt hat Panasonic 1,6 Milliarden Dollar in das Joint Venture mit Tesla investiert. Seit 2017 fertigen die Japaner als exklusiver Partner Lithium-Ionen-Batteriezellen in Teslas "Gigafactory"-Batteriefabrik in Nevada. Die Zellen verarbeitet Tesla in dem Werk dann zu Akku-Packs für seine Elektroautos weiter.


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Nach jahrelangen Verlusten, die in Panasonics Chefetagen für großen Unmut gesorgt haben sollen, scheint sich das Blatt für die Japaner nun zu wenden. Die Nachricht vom "Gigafactory"-Gewinn ließ Panasonics Aktienkurs an der Tokioter Börse um bis zu 10 Prozent steigen.

Die Wende kommt aber zu einem kritischen Zeitpunkt. Denn Tesla will sich schon länger unabhängiger machen von seinem japanischen Zellenpartner und unternimmt dazu nun einen konkreten Schritt: Der US-Autobauer hat mit dem chinesischen Batteriezellenspezialisten CATL einen größeren Deal für die Zellenlieferung abgeschlossen. Ab Juli 2020 wird CATL über zwei Jahre lang Zellen für Tesla produzieren.

Der Lieferumfang ist noch nicht bekannt - es dürfte dabei aber um Zellen gehen, die Tesla in seiner Shanghaier "Gigafactory" benötigt. Das Akku- und Autowerk hat vor wenigen Wochen den Betrieb aufgenommen.

In Teslas "Gigafactory" in Nevada stellt Panasonic seit 2017 Lithium-Ionen-Zellen her. Das Verhältnis zu Partner Tesla hat sich aber über die Jahre laut Berichten merklich abgekühlt. Tesla-Chef Elon Musk beschuldigte das japanische Unternehmen einst, verantwortlich zu sein für die Produktionsengpässe des Model 3.

Panasonics Batteriezellen-Pläne mit Toyota werden konkreter

Panasonic soll wiederum frustriert sein über das Ungleichgewicht zwischen den Verkaufszahlen der Tesla-Modelle und Musks aggressiven Plänen für neue Fabriken in China und in Grünheide bei Berlin. Das berichtet die "FT" unter Verweis auf mit den Vorgängen vertraute Personen.

Fakt ist jedenfalls, dass Panasonic den Schulterschluss zu anderen Autoherstellern sucht. Mit dem Autoriesen Toyota arbeitet Panasonic in einem Gemeinschaftsunternehmen zur Fertigung von Lithium-Ionen-Zellen zusammen. Eine entsprechende Absichtserklärung gab es schon im Januar 2019.

Nun sind die Pläne schon ziemlich konkret: Im April 2020 wollen die beiden japanischen Konzerne mit der Zellenproduktion loslegen, heißt es in Berichten. Die im Joint Venture "Prime Planet Energy and Solutions" gefertigten Zellen werden aber eine prismatische Form haben, während die von Tesla verwendeten Zellen zylindrisch sind.

Teslas Vereinbarung mit CATL lässt Panasonics Finanzchef aber zumindest offiziell eher kalt. Panasonic sei "nicht allzu besorgt" darüber, seinen Exklusivitätsstatus bei Tesla zu verlieren, gab er in Japan zu Protokoll.

Schließlich winkt ja auch noch ein möglicherweise besseres Geschäft mit Toyota. Die Deals zeigen aber, dass im Markt für Elektroauto-Batteriezellen vieles in Bewegung ist und sich mit den Zellen nun offenbar auch Geld verdienen lässt. Das war - angesichts hoher Überkapazitäten - jahrelang kaum der Fall.

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