Dienstag, 25. Februar 2020

Deutsche Autobauer setzen auf E-Mobilität Mit E-Motoren in die Sackgasse

VW ID.3 an einer Ladestation in Wolfsburg

2. Teil: Vier Argumente gegen einen E-Auto-Boom

Drei maßgebliche Parameter, die über darüber entscheiden, ob ein Fahrzeug gekauft oder nicht gekauft wird, sind Notwendigkeit, Nutzen und Preis. Und diese wandeln sie sich gerade auf allen Absatzmärkten weltweit. Die Mobilität steht vor einem Paradigmenwechsel:

  • Die Notwendigkeit, ein Auto anzuschaffen, ergab sich bisher aus dem Bedürfnis nach individueller Mobilität. Die Zukunft sieht jedoch völlig anders aus: 2030 werden etwa 60 Prozent der Weltbevölkerung in Städten leben, 2050 soll dieser Wert sogar bei 68 Prozent liegen. Das bedeutet: Der Individualverkehr wird weiter schrumpfen, öffentliche Verkehrsmittel treten weiter in den Vordergrund.
  • Der flexible Nutzen wird entscheidend geprägt von der Infrastruktur (Laden und Parken) sowie dem wirtschaftlichen Mehrwert (Verleihbarkeit, Stromspeicher und Mehrfachnutzung). All diese Themen stecken - nicht nur in Deutschland - noch in den Kinderschuhen.
  • Der Preis ist für viele Neuwagenkäufer ein zentrales Entscheidungskriterium. Aktuell liegen die Preise für Elektro- und Hybridfahrzeuge oftmals deutlich über denen von Verbrennern. Kaufprämien, wie sie die Bundesregierung für Elektroautos anbietet, haben in der Vergangenheit noch nie einen wesentlichen Einfluss auf Marktentwicklungen gehabt. Laut dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) wurden seit 2016 lediglich 164.579 Förderanträge für Elektromobile gestellt. Dabei könnten insgesamt rund 300.000 Fahrzeuge gefördert werden.

Trotz der überschaubaren Nachfrage liegt der Fokus der deutschen Autohersteller aktuell auf batteriebetriebenen Modellen. Volkswagen investiert in den kommenden Jahren 44 Milliarden Euro ausschließlich in die Elektromobilität und will sich sogar zum reinen E-Anbieter wandeln. Ob sich diese Antriebsart durchsetzen wird oder doch noch die Wasserstoff-Offensive folgt, ist gegenwärtig nicht kalkulierbar. Die batteriegetriebene Elektromobilität als das globale Allheilmittel für die Zukunft zu betrachten ist aber ganz sicher nicht der richtige Weg.

Vier Argumente gegen einen E-Auto-Boom

1. Die Handelskriege der USA sowie die weltweiten machtpolitischen Verschiebungen haben viele Entscheidungsträger nachdenklich gestimmt. Wer Batterien für E-Autos herstellt, benötigt Kobalt, Lithium, Grafit, Nickel und Mangan. Der weltweite Vorrat an diesen Rohstoffen ist jedoch begrenzt - von einer menschenwürdigen Förderung ganz zu schweigen. Ein Wasserstoffantrieb kommt ohne diese Rohstoffe aus.

2. Die chinesische Regierung hat ihre Subventionen für E-Fahrzeuge im vergangenen Jahr gekürzt. Sollte es in China zu einer Kehrtwende in der Mobilitätspolitik in Richtung anderer Antriebsarten kommen, hätte die deutsche Automobilindustrie auf das falsche Pferd gesetzt.

3. Die Entsorgung von Millionen E-Batterien weltweit ist ein ungelöstes Problem. Während der Verkauf von Elektroautos steigt, klafft bei der sonst so kleinlich geregelten Entsorgung von Pkw im Bereich E-Mobilität eine gewaltige Lücke.

4. Je größer die Reichweite (und damit die Batterie) der E-Fahrzeuge, desto höher auch der CO2-Ausstoß bei der Herstellung. Soll ein E-Auto dieselben Distanzen ohne Ladestopp überbrücken wie ein Verbrenner, müssen immer längere Nutzungsdauern erreicht werden, damit die CO2-Gesamtbilanz positiv bleibt. Nur bei einer extrem hohen Laufleistung wäre ein Stromer dann wirklich klimafreundlicher - und das auch nur, wenn 100 Prozent des Stroms aus regenerativen Energien kommt.

Die deutschen Automobilhersteller tun gut daran, ihre Fähigkeiten und Kapazitäten an die sich verändernden Bedingungen anzupassen. Bei ihren Planungen dürfen jedoch nicht der Markt und die Debatte in Deutschland der Maßstab des Handelns sein. Die ausschließliche Konzentration auf batteriebetriebene E-Antriebe ist eine Fehlentscheidung und führt in die Sackgasse - auch in klimapolitischer Hinsicht. Die EU und die Bundesregierung tragen hierfür eine Mitverantwortung.

Stefan Randak ist Mitglied der MeinungsMacher von manager-magazin.de. Trotzdem gibt diese Kolumne nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion des manager magazins wider.

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