Montag, 14. Oktober 2019

Kritik der Monopolkommission Fehlende Ladestrom-Konkurrenz bedroht Elektroauto-Wende

Elektroauto Audi E-Tron an einer Schnellladesäule

Elektroautos an öffentlichen Ladesäulen zu laden ist abseits der Tesla-eigenen Supercharger nicht nur teils recht kompliziert. Auch die Preisgestaltung ist höchst unterschiedlich und damit auch ein Stück weit intransparent, was für viele Elektroauto-Pioniere ein Ärgernis darstellt.

Nun versucht auch die Monopolkommission des Bundes dem teuren Ladestrom ein Stück weit beizukommen - indem sie mehr Wettbewerb auch zwischen den Stromtankstellen verlangt. Andernfalls werde der Ladestrom verteuert und die Umstellung auf Elektro-Antriebe könne ins Stocken geraten, warnte die Kommission in einem am Mittwoch veröffentlichten Gutachten.

In vielen Regionen und Städten beherrsche derzeit mit einem Anteil von über 50 Prozent ein einziger großer Betreiber den Markt. Der fehlende Wettbewerb könne zu überhöhten Preisen für den Ladestrom führen und "das Gelingen der Energiewende gefährden", warnte der Vorsitzende der Monopolkommission, Prof. Achim Wambach.

Das Gremium, das die Bundesregierung berät, mache dafür Fehler in der öffentlichen Förderung verantwortlich. Wettbewerbliche Kriterien würden vernachlässigt, um den Ausbau zu beschleunigen. So schlössen Kommunen häufig Verträge mit einzelnen Anbietern ab und räumten ihnen "faktisch marktbeherrschende" Stellungen ein.

Stadtwerkeverband: Ladesäulen sind ein "Zuschussgeschäft"

Autofahrer könnten sich, anders als Verbraucher beim Haushaltsstrom, nicht für einen günstigen Anbieter entscheiden. Die Kommunen sollten deshalb möglichst mehrere unterschiedliche Anbieter für den Aufbau der Ladeinfrastruktur gewinnen. Notfalls müssten die Kartellbehörden eingreifen.

Der Stadtwerkeverband VKU wies die Kritik zurück. Die kommunalen Unternehmen leisteten Pionierarbeit beim Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur. Sie seien "in erhebliche Vorleistung gegangen, um den Klimaschutz im Verkehrssektor voranzubringen", sagte der stellvertretende VKU-Hauptgeschäftsführer Michael Wübbels. In der Regel sei der Aufbau und Betrieb von Ladesäulen ein Zuschussgeschäft. Daraus einen Marktmissbrauch abzuleiten wäre absurd.

Zudem bemängelten die Experten der Monopolkommission, dass beim Ausbau der Windenergie derzeit zu wenige Projekte zur Verfügung stünden. Die Betreiber müssen bei Versteigerungen Gebote abgeben. Wer die geringsten staatlichen Subventionen verlangt, erhält den Zuschlag. Zuletzt kamen die vom Bund ausgeschriebene Megawatt-Leistungen durch die Gebote gar nicht zusammen, so dass alle Projekte Zuschläge nahe den vorher festgelegten höchsten Subventionen erhielten.

Wenn nicht mehr Flächen für Windparks gefunden werde, seien die Ausbauziele nicht zu erreichen, kritisiert die Kommission. Darüber hinaus verteuere sich so der Zubau, den letztlich die Verbraucher über den Strompreis bezahlen müssten.

wed mit Material von Reuters, dpa

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