Pro - Warum die Elektroauto-Subvention sinnvoll ist Die Kaufprämie ist ein heilsamer Schock

Elektroautos: Eine Kaufprämie soll den Durchbruch bringen

Elektroautos: Eine Kaufprämie soll den Durchbruch bringen

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Kaufprämien, Steuererleichterungen: Wie andere Nationen Elektroautos fördern

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In diesen Tagen hebt Bedenkenträger-Deutschland den Zeigefinger: Eine Kaufprämie für Elektroautos? Igitt, Hände weg davon.

So ein Eingriff in den Markt widerspricht doch so ziemlich allem, was unsere Ökonomie-Professoren in den gefühlten letzten 100 Jahren gelehrt haben. Mitnahmeeffekte, Gießkannen-Prinzip, Fehlallokationen - eine ganze Mottenkiste mit ordnungspolitischen Argumenten holen die Gegner der Prämie  jetzt heraus.

Ist ja auch alles irgendwie richtig, in der Theorie. Aber leider völlig falsch in der Realität.

Denn die Kaufprämie, über die Kanzlerin Angela Merkel und die Industrie am Dienstag diskutieren, ist dringend nötig. Und zwar als industrie- und umweltpolitische Notwehr-Maßnahme.

In Nevada entsteht die weltgrößte Batteriefabrik, nicht in Niedersachsen

Warum, zeigt sich zum Beispiel in der Wüste von Nevada. Dort errichtet Tesla die größte Batteriefabrik der Welt. Der kalifornische Elektroauto-Hersteller gibt weltweit den Takt bei der Entwicklung emissionsfreier Autos vor.

Möglich ist das auch geworden, weil Kalifornien und Washington starke Anreize für den Bau von Elektroautos setzen. Dazu gehört eine Kaufprämie in Höhe von 7500 Dollar pro Fahrzeug.

Das schafft einen Markt, in dem sich der Bau von Elektroautos lohnt. Wer vor Ort entwickelt und produziert, profitiert besonders stark. Kein Wunder, dass das Elektroauto mit der nach Tesla zweitgrößten Reichweite ebenfalls aus den USA kommt - der Chevrolet Bolt von General Motors.

Kaufprämie eliminiert Preisabstand zu Diesel-Stinkern

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Die größten Märkte für Elektroautos: Deutschland verliert den Anschluss

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Noch stärker sollte die Entwicklung in China zu denken geben. Dort heizen staatliche Anreize den Markt für Elektroautos den Markt gerade in ungekanntem Ausmaß an. Und es sind chinesische Modelle, die die Top Ten der am meisten verkauften Stromer unter sich ausmachen.

So entstehen neue Batteriefabriken, ein Netz von Ladesäulen und Skaleneffekte in allen Bereichen der E-Mobilität nahezu von allein. Und vor allem entstehen Unternehmen, die viel Geld in die Entwicklung emissionsfreier Autos stecken, um mit ihnen den Weltmarkt zu erobern.

Das ist die Realität: Im Wettlauf um das Auto der Zukunft interessiert sich der Rest der Welt wenig für hehre ordnungspolitische Grundsätze. Auch Japan und Frankreich tun dies nicht, sie zahlen Elektroauto-Käufern ebenfalls hohe Prämien.

Die deutschen Hersteller fahren hinterher, trotz einzelner Lichtblicke wie von BMW. Der schwache Heimatmarkt trägt daran eine Mitschuld. Zu lange hat die Politik die Autobauer hierzulande aktiv und nahezu bedingungslos dabei unterstützt, bestehende Technik zu ver(schlimm)bessern. Das Diesel-Fiasko bei Volkswagen markiert das endgültige Scheitern dieser Weiter-So-Strategie.

Eine Kaufprämie könnte den Preisabstand von manchem Diesel zu einem Elektroauto beinahe eliminieren. Intelligent ausgestaltet, könnte sie deshalb ein grundsätzliches Umdenken vor allem bei Vielfahrern und Flottenkunden herbeiführen. Und damit eine Zeitenwende für das Automobil in Deutschland einläuten.

Diese ist bitter nötig. Das zeigt sich in Stuttgart. Dort ist Atmen gesundheitsgefährdend. Diesel- und Benzinautos verpesten die Luft in einem nicht hinnehmbaren Maße. Das gilt auch für andere Städte. Jedes Jahr sterben Tausende Menschen an den Folgen, die Kosten im Gesundheitssystem gehen in die Milliarden.

Vorbild Energiewende - gut gemeint, schlecht gemacht, viel gebracht

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Aktuelles Reichweiten-Ranking: So weit kommen die Elektroautos

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Doch noch nicht einmal eine grüne Landesregierung und ein grüner Bürgermeister trauen sich, dieser stillen Katastrophe mit wirksamen Mitteln zu begegnen. Auch das ist die Realität in Deutschland: Umweltpolitisch sinnvolle Verbote oder Beschränkungen scheitern oft am Unwillen der Gesellschaft.

Finanzielle Anreize wie die - ordnungspolitisch unkorrekte - Kaufprämie sind dagegen zwar oft weniger effizient, aber immerhin wirken sie überhaupt. Das Geld ist kurzfristig streng genommen sogar schlecht angelegt. Das macht aber nichts - im Gegenteil.

Das zeigt die Energiewende. Für sie blättern die Stromkunden Jahr für Jahr Milliarden hin. Vieles läuft bei diesem Projekt nicht optimal: Der Netzausbau hinkt hinterher, dreckige Kohlekraftwerke verdrängen vergleichsweise saubere Gaskraftwerke in der Stromproduktion.

Energiewende hat viele starke Firmen hervorgebracht

Doch der Anteil erneuerbarer Energien wächst rapide. Solar- und Windkraftanlagen werden dramatisch billiger. Dies auch, weil (zu) hohe Subventionen plötzlich eine gigantische Nachfrage, technischen Fortschritt und zwischenzeitlich auch Überkapazitäten provoziert haben.

Mancher Pleite im Solarsektor sowie den Schwierigkeiten der Versorger RWE und Eon stehen zudem viele starke Firmen in der deutschen Ökoenergie-Branche gegenüber. Es ist kein Zufall, dass zwei deutsche Windradbauer (Nordex und Siemens) gerade zwei spanische (Acciona, Gamesa) übernehmen wollen. Spanien hatte die staatliche Unterstützung für erneuerbare Energien vor vier Jahren gestrichen.

Mehr Elektroautos wären auch aus Sicht der Energiewende ein Segen. Immer häufiger produzieren Windräder und Solaranlagen mehr Elektrizität als das System aufnehmen kann. In den Batterien von Elektroautos wäre der Strom gut aufgehoben.

Auch wenn es Vertreter der reinen ordnungspolitischen Lehre schaudern lässt - manchmal braucht es einen exogenen Schock, der wichtige Dinge in Bewegung bringt. Die Kaufprämie für Elektroautos wäre ein solcher Schock - und zwar ein heilsamer.

Lesen Sie hier, welche Argumente gegen eine Elektroauto-Kaufprämie sprechen.