Alternative zum Verbrenner Die Vor- und Nachteile von Elektroautos

Angesichts der explodierenden Benzinpreise überlegen immer mehr Menschen, sich ein Elektroauto anzuschaffen. Welche Vorteile bietet ein Stromer im Vergleich zum Verbrenner – und wo hakt es noch?
Das derzeit beliebteste E-Auto in Deutschland: Mehr als 10.000 Tesla Model 3 wurden in diesem Jahr bereits neu zugelassen

Das derzeit beliebteste E-Auto in Deutschland: Mehr als 10.000 Tesla Model 3 wurden in diesem Jahr bereits neu zugelassen

Foto: imago stock/ imago images/ZUMA Press

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Seit Jahresbeginn haben sich die Lieferzeiten für Elektroautos nahezu verdoppelt. Auf einen Stromer warten Käuferinnen und Käufer einer Untersuchung des Duisburger "Center Automotive Research" derzeit durchschnittlich 15,6 Wochen, im Januar waren es noch 8,3 Wochen. Auf viele beliebte Modelle müssen Kunden sogar noch deutlich länger warten, vor allem, wenn sie ihr Auto individuell konfigurieren, was bei Neuwagen eher die Regel als die Ausnahme ist.

Die Gründe hierfür sind vielfältig. Durch die Corona-Pandemie kam es zu einem weltweiten Run auf Halbleiter, noch immer übersteigt die Nachfrage das Angebot an Chips erheblich. Besonders betroffen davon ist die E-Auto-Produktion, da in den Stromern grundsätzlich mehr Halbleiter eingebaut sind als in Autos mit Verbrennermotor. Zudem sind noch immer die Lieferketten gestört, den Unternehmen fehlt es an Material.

Die steigende Nachfrage nach Elektroautos aufgrund der hohen Benzinpreise wegen des Ukraine-Krieges verschärft die Situation weiter. Allein in den ersten fünf Monaten dieses Jahres wurden nach Daten des Kraftfahrzeugbundesamtes  (KBA) rund 17 Prozent mehr Elektroautos zugelassen als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Die Neuzulassungen von Benzinern und Diesel-Fahrzeugen ging im gleichen Zeitraum dagegen deutlich zurück.

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Die beliebtesten Elektroautos 2022

Foto: Mercedes-Benz

Viele Kunden haben bei ihrer Kaufentscheidung auch das EU-weite Verbot von klimaschädliche Neuwagen im Hinterkopf. Ende Juni haben sich die Umweltminister der 27 EU-Staaten darauf geeinigt, ab 2035 nur noch Neuwagen zuzulassen, die ausschließlich mit CO2-neutralen Kraftstoffen betrieben werden.

Aber lohnt sich die Anschaffung eines Elektroautos schon jetzt? Das manager magazin hat die Vor- und Nachteile der Stromer zusammengefasst.

Was für ein Elektroauto spricht

Niedrigere Kraftstoffkosten

Klar, das schlagende Argument bei den aktuellen Benzinpreisen sind sicherlich die Energiekosten. So mussten Autofahrer im März dieses Jahres für Superbenzin laut dem Statistischen Bundesamt  durchschnittlich knapp 42 Prozent mehr bezahlen als ein Jahr zuvor, für Diesel sogar knapp 63 Prozent mehr. Selbst während der beiden Ölpreiskrisen 1973/74 und 1979/80 sind die Preise nicht so stark gestiegen wie heute. Bei der Haushaltsenergie dagegen, zu der auch die Stromkosten gehören, lag die Preissteigerung im selben Monat "nur" bei 35,3 Prozent .

Der ADAC hat beispielhaft für einen Fiat 500 den Verbrauch eines Verbrennermotors mit dem eines Elektromotors verglichen. Bei einer Fahrleistung von 10.000 Kilometern pro Jahr müssen Autofahrerinnen demzufolge zwischen 800 und 1033 Euro jährlich für Benzin ausgeben. Die Stromkosten belaufen sich dagegen nur auf 463 bis 593 Euro.

Förderung durch Umweltbonus

Ein Elektroauto ist in vielen Fällen noch immer etwas teurer als ein Auto mit Verbrennermotor. Das liegt vor allem an dem Akku, der nach wie vor das teuerste Bauteil eines E-Autos ist und gut ein Drittel der Produktionskosten ausmacht. So kostet ein BMW i4 eDrive 40 (250 kW) rund 59.200 Euro. Das vergleichbare Benzinermodell 430i Gran Coupé (180 kW) ist dagegen schon ab 53.100 Euro zu haben. Der Diesel 420d Gran Coupé (140 kW) ist mit 50.500 Euro nach wie vor am günstigsten.

Bund und Unternehmen fördern deshalb seit 2016 die Anschaffung der Stromer mit einem sogenannten Umweltbonus . Im Rahmen des Konjunkturprogramms während der Corona-Krise hat der Staat seinen Anteil, die sogenannte Innovationsprämie, sogar verdoppelt. Seit Juli 2020 erhalten Käufer und Käuferinnen von rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen, die maximal 40.000 Euro kosten (Nettolistenpreis), eine staatliche Förderung von 6000 Euro. Hinzu kommt ein Herstelleranteil in Höhe von 3000 Euro. Bei einem Nettolistenpreis zwischen 40.000 und 60.000 Euro gibt es noch 5000 Euro vom Staat und 2500 Euro vom Hersteller.

Der Umweltbonus hat einen regelrechten Nachfrageboom bei den E-Autos ausgelöst, im vergangenen Jahr wurden mit 625.000 Förderanträgen mehr als doppelt so viele wie noch im Jahr zuvor gestellt. Nun will das Bundeswirtschaftsministerium die staatlichen Zuschüsse schrittweise wieder reduzieren. So soll die Innovationsprämie ab 2023 auf 4000 Euro gesenkt werden. Für 2024 und 2025 gäbe es dann nur noch 3000 Euro vom Staat. Die Hersteller zahlen dann 2000 Euro (2023) beziehungsweise 1500 Euro (2024) zum Umweltbonus dazu. Die Fördergrenze von 40.000 Euro soll entfallen, künftig soll der Gesamtfahrzeug-Bruttopreis, also inklusive Extras und Rabatten, den Betrag von 65.000 Euro nicht übersteigen. Ab 2026 soll der Umweltbonus dann komplett eingestellt werden.

Dieser Vorschlag des Bundeswirtschaftsministeriums ist allerdings noch nicht beschlossen, er befindet sich derzeit in der Ressortabstimmung der Bundesregierung. Sollte der Entwurf umgesetzt werden, könnte das schon jetzt für viele E-Auto-Käufer zum Problem werden. Denn wer derzeit einen neuen Stromer bestellt, muss aufgrund der Störungen in den Lieferketten und dem Mangel an Halbleitern mit einer monatelangen Lieferzeit rechnen. Die hohe Förderung gilt aber nur noch für Fahrzeuge, die bis zum 31. Dezember 2022 zugelassen werden.

Befreiung von der Kfz-Steuer

Einen weiteren Anreiz zum Kauf emissionsarmer Fahrzeuge setzt der Staat mit der Kfz-Steuer. Während Halterinnen für einen Diesel mit hohen CO2-Emissionen schon mal bis zu 286 Euro jährlich  hinblättern müssen, werden Elektrofahrzeuge die ersten zehn Lebensjahre komplett von der Steuer befreit. Danach werden lediglich 50 Prozent der Abgabe für vergleichbare Modelle fällig.

Eingesparte CO2-Emissionen verkaufen

Damit noch nicht genug: Wer will, kann seine durch die Nutzung eines Elektroautos eingesparten CO2-Emissionen mithilfe der Treibhausgasminderungsquote (THG-Quote) gewinnbringend an Unternehmen verkaufen . Entsprechende Anbieter, die sich zuhauf im Internet finden lassen, zertifizieren die CO2-Einsparungen. Unternehmen, die ihre gesetzlich vorgegebene CO2-Reduktion nicht einhalten, können diese Zertifikate dann kaufen und vermeiden so Strafzahlungen. Privatpersonen winken dadurch jährlich bis zu 350 Euro an steuerfreien Einnahmen. Wem diese Art des "Freikaufens" der Unternehmen weniger zusagt, kann seinen Anteil übrigens auch für nachhaltige Klimaprojekte spenden.

Geringere Reparatur- und Ladekosten

Der ADAC hat in einer umfangreichen Analyse  die gesamten Kosten von nahezu allen auf dem deutschen Markt erhältlichen Verbrennern, Plug-in-Hybriden und Elektroautos miteinander verglichen, also vom Kaufpreis über sämtliche Betriebs- und Wartungsaufwände bis zum Wertverlust. Dabei kamen die Experten zu dem Schluss, dass Elektroautos immer häufiger besser abschneiden als Verbrenner.

Das liegt zum einen an den geringeren Wartungskosten: Im Gegensatz zum Verbrenner entfallen beim E-Auto typische Verschleißteile wie Zündkerzen oder Kraftstofffilter. Auch regelmäßige Ölwechsel fallen weg. Dank der Rekuperation, also der Energierückgewinnung beim Bremsen, verschleißen die Bremsen zudem langsamer. Die jährliche Inspektion ist darüber hinaus günstiger als beim Verbrenner.

Wie der Kostenvergleich zeigt, schlägt beispielsweise der VW ID.3 den Golf 1.5 eTSI Live DSG – das günstigste Basismodell des VW Golf wurde nicht als Vergleichsmodell genommen, da der ID.3 eine deutlich bessere Motorleistung und eine stufenlose Automatik hat. Die E-Version kostet 47,2 Cent pro Kilometer, der vergleichbar ausgestattete Benziner kommt auf 56,9 Cent. Selbst inklusive eines Preisrabatts von 15 Prozent, der ja häufig bei Neuwagen gewährt wird, ist der Verbrenner mit 49,8 Cent pro Kilometer teurer als der VW ID.3. Das vergleichbare Dieselmodell, der Golf 2.0 TDI Life DSG, kommt sogar auf 60,6 Cent pro Kilometer.

Geringere Emissionen

Sicher einer der Hauptgründe für den Kauf eines Elektroautos: die fehlenden CO2-Emissionen. Allerdings muss man fairerweise dazu sagen, dass die Produktion der Batterie energieaufwändiger als die Produktion eines Verbrennermotors ist. Das wird auch immer wieder von Kritikern angemerkt. Der ADAC  hat jedoch berechnet, dass ein E-Auto im Fahrbetrieb diesen CO2-Fußbabdruck schnell wieder abbaut. Spätestens ab einer Fahrleistung von 50.000 bis 100.000 Kilometern wird der CO2-Nachteil der Stromer wieder ausgeglichen. Auch das Fraunhofer-Institut  kommt in einer Studie zu dem Schluss, dass Elektroautos über ihre gesamte Nutzungsdauer hinweg eine deutlich positive Treibhausgasbilanz aufweisen als konventionelle Fahrzeuge.

Kostenlose Parkplätze

Zumindest während des Ladevorgangs sind Parkplätze an E-Ladesäulen in der Regel kostenlos. Das kann sich besonders dann als Vorteil erweisen, wenn sich die Plätze in begehrten Innenstadtlagen befinden. Fürs Laden muss der E-Auto-Besitzer aber natürlich trotzdem zahlen. Viele Supermärkte locken ihre Kunden allerdings inzwischen auch mit kostenlosen Lademöglichkeiten.

In einigen Städten wie Hamburg oder München dürfen Elektroautos zudem auch kostenlos auf eigentlich gebührenpflichtigen Parkplätzen abgestellt werden – zumindest im Rahmen der Höchstparkdauer für diesen Stellplatz. Das deutschlandweit geltende Elektromobilitätsgesetz ermöglicht es Städten, Kommunen und Gemeinden, diese Fahrzeugklasse gegenüber den Verbrennern zu bevorzugen.

Was gegen ein Elektroauto spricht

Fehlende Ladeinfrastruktur

Die Ladeinfrastruktur ist eines der zentralen Themen bei einer Entscheidung für oder gegen ein Elektroauto. "Wenn Sie keine Möglichkeit haben, zu Hause zu laden, dann kaufen Sie kein Elektroauto", warnte jüngst Renault-Chef Luca de Meo (55).

Für Immobilieneigentümer mit gekauftem Stellplatz ist dies sicher kein Problem. Für rund 1500 bis 2000 Euro können sie sich eine sogenannte Wallbox neben ihrem Parkplatz installieren lassen. Das ist ein Starkstromanschluss speziell für E-Autos. Wer meint, ein Verlängerungskabel tut es hier auch, wird allerdings schnell enttäuscht. Der Ladevorgang dauert eher Tage als Stunden und belastet zudem den Anschluss.

Für Mieter ist das Ganze schon etwas schwieriger. Wer einen eigenen Stellplatz angemietet hat, hat immerhin seit Ende 2020 einen gesetzlichen Anspruch auf den Einbau einer Wallbox.

Ohne Stellplatz ist man auf den Arbeitgeber oder öffentliche Ladepunkte angewiesen. Das könnte vor allem in dicht besiedelten Gebieten schnell zum Eigentor werden. Schließlich muss die entsprechende Ladesäule auch gerade dann frei sein, wenn man Zeit zum Laden hat. Auch an einer Schnellladesäule sollte man etwa eine halbe Stunde Wartezeit einplanen, bis die Batterie wieder auf 80 Prozent aufgeladen ist – mehr sollten es in der Regel nicht sein, um den Akku zu schonen.

Doch da immer mehr Elektroautos über Deutschlands Straßen rollen, wird auch die Verfügbarkeit an freien Ladesäulen immer knapper. Schließlich kommt Deutschland beim Ausbau der Ladeinfrastruktur kaum hinterher. Derzeit gibt es hierzulande 28.726 Ladestationen  mit rund 52.000 Normalladepunkten und 9400 Schnellladepunkten . Wie der Verband der Automobilwirtschaft (VDA) in seinem Ladenetz-Ranking  ermittelt hat, kommen auf einen öffentlichen Ladepunkt im Schnitt rund 22 Elektroautos. Im Jahr 2022 waren es nur 17 Stromer. Die Versorgungslücke wächst also.

Immerhin haben nun auch die Mineralölkonzerne das Thema Laden für sich entdeckt. So will beispielsweise Shell in Kürze zwei Ladestationen in Deutschland eröffnen . Bis 2030 beabsichtigt der Konzern zudem, die Zahl der Ladepunkte an den rund 1000 Tankstellen von 240 auf 3000 ausbauen. Der Betreiber der 1000 Esso-Tankstellen in Deutschland, die EG Group, will diese mit Ultraschnellladern aufrüsten. Und BP will gemeinsam mit Volkswagen innerhalb von 24 Monaten bis zu 4000 Ladepunkte in Deutschland und Großbritannien errichten.

Die Konzerne setzen darauf, dass sich die Kunden länger an den Tankstellen beziehungsweise Ladestationen aufhalten müssen und dadurch vermutlich auch mehr konsumieren. Selbstverständlich arbeiten auch Autokonzerne wie Porsche oder Audi an einem entsprechenden Ausbau der Infrastruktur. Wie erfolgreich die Ingolstädter dabei sind, muss sich allerdings erst noch zeigen.

Geringere Reichweite

Mit einem Verbrenner kann das Elektroauto bei der Reichweite noch immer nicht mithalten. Der ADAC kam im vergangenen Jahr zu dem Schluss, dass die Stromer im Durchschnitt 15 bis 20 Prozent geringere Reichweiten erzielen als Fahrzeuge mit Verbrennermotor. Das ist natürlich vor allem für Vielfahrer, die lange Strecken fahren, lästig und zeitraubend.

Allerdings belegen auch viele Studien, dass Autofahrerinnen und -fahrer am häufigsten kurze Strecken mit ihren Fahrzeugen zurücklegen. Dafür reichen die Akkus allemal.

Im Winter müssen die Akkus allerdings besonders im Blick behalten werden, da sie deutlich schneller schlapp machen. Schließlich müssen nun nicht nur der Innenraum und die Scheiben beheizt werden, sondern auch die Batterie selbst. Der ADAC  schreibt hier von einem Mehrverbrauch im Winter von immerhin 10 bis 30 Prozent.

Fazit: Elektroautos holen rasant auf

Die Vorteile von Elektroautos gegenüber Verbrennern überwiegen zunehmend. Letztendlich auch, weil diese Antriebsart politisch gewollt und dementsprechend gefördert wird. Wer das Problem mit der Ladeinfrastruktur für sich persönlich gut lösen kann, für den könnte sich ein Umstieg – vor allem in diesem Jahr mit dem höheren Umweltbonus – durchaus lohnen.

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