Autobauer im Bündnis-Rausch Baidu, Foxconn, Tencent - Geely schließt dritte Tech-Partnerschaft

Der chinesische Autobauer Geely schließt Partnerschaften im Wochentakt, um seine Projekte für E-Mobilität und autonomes Fahren mittels Künstlicher Intelligenz voranzubringen. Nach Baidu und dem Apple-Zulieferer Foxconn gehört nun auch der Techriese Tencent zu Geelys Partnern.
Reichlich Spielmaterial für Kooperationen: Modell des chinesischen Autoherstellers Geely bei der Automesse in Shanghai

Reichlich Spielmaterial für Kooperationen: Modell des chinesischen Autoherstellers Geely bei der Automesse in Shanghai

Foto: Aly Song / REUTERS

Chinas Konzerne sind im Partnerschafts-Fieber: Der chinesische Autobauer Geely tut sich mit dem Technologieriesen Tencent zusammen, um intelligente Fahrzeug-Cockpits und Technologien für autonomes Fahren zu entwickeln. Dazu kündigte die Zhejiang Geely Holding Group eine Partnerschaft mit dem chinesischen Facebook-Rivalen Tencent an.

Es ist bereits das dritte Abkommen von Geely mit Firmen aus dem Technologiesektor binnen kurzer Zeit. Vergangene Woche erst hatte die von dem chinesischen Unternehmer und Daimler-Partner Li Shufu (57) gegründete Holding eine Partnerschaft mit dem Apple-Zulieferer Foxconn bekannt gegeben. Davor hatte sich Geely mit dem chinesischen Suchmaschinenriesen Baidu zusammengetan. Baidu teilte Anfang Januar mit, für die gemeinsame Arbeit mit Geely eine neue Tochter aufzusetzen. Sie solle zusammen mit Geely "intelligente Elektrowagen" entwickeln. 

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Baidu tüftelt bereits seit 2017 an der Technologie für selbstfahrende Autos, eine Zeit lang hatte der chinesische IT-Riese dafür auch mit BMW zusammengearbeitet. Insider hatten der Nachrichtenagentur Reuters Anfang Januar gesagt, Baidu werde bei dem Joint Venture mit dem chinesischen Autobauer Geely die Mehrheit haben. Die Aktie von Baidu hatte nach Bekanntgabe der Partnerschaft mit Geely deutlich zugelegt.

Geely bringt für seine Kooperationen technisch wohl die passenden Voraussetzungen mit: Der chinesische Autobauer setzt seit Längerem stark auf Elektroantriebe. Mit der 2010 erworbenen schwedischen Automarke Volvo hat Geely gemeinsam eine neue Plattform entwickelt, die sich auch gut für Elektroantriebe nutzen lässt. Das zeigt etwa Volvos jüngstes Elektromodell, der XC40 Recharge – der wie das zweite Modell von Volvos Elektroautomarke Polestar auf der neuen Plattform basiert.

Geely-Gründer Li Shufu ist zudem Großaktionär des deutschen Autobauers Daimler . Wie manager magazin mehrfach berichtete, drängt Li die Schwaben zu stärkerer Zusammenarbeit. Einen Erfolg kann er bereits für sich verbuchen: Die nächste Generation von Daimlers Kleinwagenmarke Smart, die nun komplett auf Elektroantrieb umgestellt ist, wird von Geely in China gebaut werden. Neben der Neuauflage von Zwei- und Viersitzern soll die Marke Smart künftig auch einen kompakten Elektro-SUV anbieten.

Zahlreiche Kooperationen bei Elektroantrieben

Die vor einigen Tagen verkündete Kooperation zwischen Baidu und Geely wiederum soll sich laut Angaben der Geely-Holding auf intelligente und internetverbundene Fahrzeuge konzentrieren. Details zu Investitionen oder möglichen Marktstarts künftiger Fahrzeuge nannte Geely damals nicht. Baidu betreibt Chinas populärste Internet-Suchmaschine. Der Konzern gilt in China als führend bei der Entwicklung selbstfahrender Autos.

Zuletzt haben globale und chinesische Autohersteller zahlreiche Kooperationen verkündet, um die milliardenschweren Entwicklungskosten für die Entwicklung elektrischer Antriebe für den chinesischen Markt besser schultern zu können. So hatte etwa das chinesische Elektroauto-Start-up Byton, das nun zu großen Teilen dem staatlichen chinesischen Autohersteller FAW gehört, Anfang Januar eine Kooperation mit dem iPhone-Auftragsfertiger Foxconn verkündet. Ein weiteres chinesisches E-Auto-Start-up, der Hersteller Nio, arbeitet nun mit dem Chiphersteller Nvidia bei der Entwicklung von Selbstfahr-Technologie zusammen.

Geely wiederum setzt schon länger auf die Abkehr von Verbrennungsmotoren – deren Entwicklung hat Geely in eine eigene Gesellschaft ausgelagert, die gemeinsam mit Volvo betrieben wird und künftig auch für Daimler Aggregate baut.

In den vergangenen Jahren hat Geely auch die Marke Lynk & Co gegründet, die sich zunächst auf traditionelle Motorisierung setzte, mittlerweile aber mit Elektroantrieben jüngere Kunden ansprechen will. Zudem ist Geely der größte Anteilseigner des malaysischen Autobauers Proton – und der britischen Traditions-Sportwagenmarke Lotus.

la/wed/Reuters