Zulassungsstatistik Dreimal so viele reine E-Autos wie vor einem Jahr

Die Pkw-Nachfrage in Deutschland ist im Juni deutlich gestiegen - auch wenn das Niveau vor der Pandemie noch nicht erreicht ist. Rasante Zuwächse verbuchen vor allem reine Elektroautos sowie Hybridfahrzeuge.
Strom tanken: Kunden kauften im ersten Halbjahr noch mehr Hybrid-Autos, doch immer öfter greifen sie auch zu reinen Elektroautos

Strom tanken: Kunden kauften im ersten Halbjahr noch mehr Hybrid-Autos, doch immer öfter greifen sie auch zu reinen Elektroautos

Foto: Jan Woitas/ picture alliance / dpa

Bei immer mehr Neuwagen in Deutschland handelt es sich um reine Elektroautos: Insgesamt rund 149.000 Batterie-Antriebe kamen im ersten Halbjahr 2021 neu auf die Straße, wie das Kraftfahrt-Bundesamt  (KBA) am Montag mitteilte. Das waren mehr als dreimal so viele E-Autos wie noch im Vorjahreszeitraum. Mehr als jeder zehnte Neuwagen hatte damit einen Elektromotor. Noch im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres hatte ihr Anteil gerade einmal bei 3,5 Prozent an allen Neuzulassungen gelegen. Die Corona-Krise hatte den gesamten Autoabsatz damals einbrechen lassen.

Allein im Juni sorgten 33.420 neu zugelassene Elektroautos für einen Anstieg um 311,6 Prozent bei einem Anteil von 12,2 Prozent. Hybrid-Fahrzeuge wiederum legten um rund 153 Prozent auf 76.564 Pkw zu. Damit werde schon im Juli die Zahl von einer Million E-Autos auf Deutschlands Straßen erreicht, hatte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (63, CDU) vergangene Woche angekündigt. Grund sind demnach die erhöhten Förderprogramme. Der Anteil der Benziner ging hingegen um 4,6 Prozent auf insgesamt knapp 40 Prozent zurück. Der Anteil der Dieselfahrzeuge verringerte sich um 18,8 Prozent auf aktuell 19,9 Prozent.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) bewertet die steigende Zahl alternativer Antriebe als großen Erfolg. "Allerdings muss die Ladeinfrastruktur aufholen", teilte VDA-Präsidentin Hildegard Müller (54) mit. "Bis 2030 braucht Deutschland mehr als eine Million Ladepunkte für E-Pkw und E-Transporter und damit erheblich mehr Anstrengungen." Das Missverhältnis von zugelassenen E-Autos und Lademöglichkeiten im Pkw-Bereich ist mittlerweile so groß, dass Verkehrsminister Andreas Scheuer (46, CSU) zuletzt erwog, Tesla zur Öffnung seines Ladenetzes zu verpflichten.

Inzwischen hat sich der Automarkt wieder erholt, allerdings nur langsam. Insgesamt wurden in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 1,39 Millionen Autos neu zugelassen. Das sind knapp 15 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Aber: "Die Neuzulassungen bleiben 2021 noch deutlich unter dem Niveau vor Beginn der Corona-Pandemie", erklärte der Präsident des Verbands der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK), Reinhard Zirpel, am Montag.

EY sieht auf Gesamtmarkt keine durchgreifende Erholung

Die Neuzulassungen im Juni blieben insgesamt mit 274.000 hinter dem Vorkrisenniveau zurück, betonte auch die Unternehmensberatung EY. Im Juni 2019, vor Ausbruch der Corona-Pandemie, waren demnach rund 325.000 Fahrzeuge neu zugelassen worden. Trotz der positiven Tendenz könne von einer "durchgreifenden Markterholung" also noch immer "keine Rede" sein, erklärte EY-Experte Peter Fuß am Montag. Die Kauflust der Privatleute und die Investitionsbereitschaft der Unternehmen kehrten zwar langsam zurück. Doch die Produktionsengpässe aufgrund des Chipmangels bremsten den Neuwagenabsatz erheblich.

rei/dpa-afx/Reuters/AFP
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