Elektromobilitäts-Antreiber bei Autoherstellern Diese Männer trimmen deutsche Autobauer auf Elektro

Diese Manager trimmen die deutschen Autobauer auf Elektro

Diese Manager trimmen die deutschen Autobauer auf Elektro

Foto: Daimler; Porsche; Volkswagen; DPA; Audi; Opel
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Deutschlands Autoherstellern steht in diesem Jahr ein Kraftakt bevor: Sie müssen viel Geld investieren, um ihre Elektroauto-Ankündigungen wahr werden zu lassen. Noch in diesem Sommer startet Audi die Serienfertigung seines Elektro-SUV e-tron. Daimler will 2019 mit seiner Elektro-Submarke "EQ" losrollen, Porsche seinen Stromboliden "Mission E" auf die Straße bringen.

Ein Jahr später will die Marke Volkswagen mit dem "I.D" einen Kompakt-Elektrowagen vorfahren, der 500 Kilometer Reichweite schafft und preislich auf herkömmlicher Golf-Ebene liegen soll. BMW polt ab 2019 erstmal den Mini und den SUV X3 auf Elektroantrieb um, danach schrittweise die gesamte Modellpalette.

In den vergangenen Monaten haben Deutschlands Autobosse oft erläutert, wie sie ihre Elektroauto-Pläne beschleunigen werden. Offiziell ist das Thema bei allen oberste Chefsache - klar, denn letztlich werden Vorstandvorsitzende in den kommenden Jahren am Erfolg oder Misserfolg ihrer Elektroauto-Strategie gemessen. manager-magazin.de hat nachgefragt, welche Manager in den Konzernen die Elektromobilität maßgeblich vorantreiben - und dazu höchst unterschiedliche Antworten erhalten.

VW: Eigenes Vorstandsressort für Stromer

Thomas Ulbrich leitet ab 1. Februar das Vorstandsressort Elektromobilität der Marke VW

Thomas Ulbrich leitet ab 1. Februar das Vorstandsressort Elektromobilität der Marke VW

Foto: Volkswagen

VW-Markenchef Herbert Diess will die Kernmarke des Konzerns zur führenden Stromer-Massenmarke machen - und leistet sich dafür nun einen eigenen Vorstandskollegen, der sich ausschließlich mit Stromern beschäftigt. Denn ab 1. Februar gibt es bei der Marke VW ein eigenes Vorstandsressort für Elektromobilität. Leiten wird es Thomas Ulbrich (51). Der studierte Fahrzeugingenieur arbeitet seit 30 Jahren für die Wolfsburger, zuletzt als Produktions- und Logistikvorstand der Marke VW.

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Ulbrich trägt damit die Projektverantwortung für sämtliche E-Fahrzeuge der Marke VW, zudem soll er den Umbau von VWs bisheriger Phaeton-Produktionsstätte in Zwickau leiten - dort soll ab 2020 VWs neues Elektromodell I.D. vom Band laufen. Das soll nur das erste einer ganzen Serie von Elektromodellen werden - denn mit dem I.D. entwickeln die Wolfsburger gleich eine eigene Plattform für künftige VW-Stromermodelle.

VWs erstes ID-Elektromodell soll nicht mehr kosten als ein Diesel-Golf. Das klappt nur, wenn die Produktionskosten für den Wagen niedrig ausfallen. Da erscheint die Wahl des Produktionsexperten Ulbrich durchaus folgerichtig. Dass er Kosten drücken kann, zeigte Ulbrich in den vergangenen zwei Jahren: Er sorgte in der Produktion mit dafür, VWs magere operative Rendite von 1 auf zuletzt 3,5 Prozent nach oben zu treiben.

Daimler: Doppelführung für den Start der Elektroauto-Marke EQ

Wilko Stark: Daimlers Chefstratege leitet auch die Einheit CASE, die Daimlers Elektroauto-Fahrplan erstellt

Wilko Stark: Daimlers Chefstratege leitet auch die Einheit CASE, die Daimlers Elektroauto-Fahrplan erstellt

Foto: Daimler

Wie auch VW basteln die Stuttgarter an einer eigenen Plattform für ihre Elektroauto-Modelle. Noch im Jahr 2019 kommt das erste Modell von Daimlers neuer Stromer-Marke "EQ" auf den Markt: Der Elektro-SUV EQ-C soll 400 Kilometer Reichweite mit vollgeladenen Batterien schaffen, preislich orientiert er sich an Mercedes Kompakt-Geländegänger GLC.

Mit dem EQ-A, der 2020 auf den Markt kommt, positioniert sich Daimler dann direkt gegen Teslas Model 3. Alle paar Monate wollen die Stuttgarter ein neues EQ-Modell vorstellen und so schnell auf hunderttausende gebaute E-Autos pro Jahr kommen. Bis 2022 will Daimler so zehn rein elektrisch angetriebene Pkws auf den Markt bringen.

Die Verantwortung für die neue Elektromarke liegt bei Daimler-Entwicklungsvorstand Ola Källenius.

Operativ laufen die Fäden für Daimlers Stromer-Offensive bei zwei seiner Mitarbeiter zusammen: Daimlers Chefstratege Wilko Stark (44, Bild oben) ist nicht nur oberster Produktplaner für die PKW-Sparte. Seit einem halben Jahr leitet er auch die Daimler-Strategieeinheit CASE, die Konzepte für die Themen Vernetzung, autonomes Fahren, neue Mobilitätsdienste und elektrische Antriebe entwickelt. Stark stieß 2012 zu Daimler, zuvor war er in VWs Strategieabteilung und als Unternehmensberater für Boston Consulting tätig.

Jochen Hermann leitet die Entwicklung von Daimlers neuer E-Auto-Plattform

Jochen Hermann leitet die Entwicklung von Daimlers neuer E-Auto-Plattform

Foto: Daimler

Ihm zur Seite steht Elektroantriebs-Entwicklungschef Jochen Hermann (48). Der studierte Luft- und Raumfahrttechniker ist nicht nur für die Gesamtentwicklung der neuen Elektrofahrzeug-Plattform zuständig. Er ist auch Entwicklungsleiter von Daimlers Strategieeinheit CASE.

Seit 1997 arbeitet er für die Stuttgarter, unter anderem in leitender Position bei der Entwicklung von Brems-, Fahrwerks- und Assistenzsystemen.

BMW: Elektroautos sind Sache des Entwicklungschefs

BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich

BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich

Foto: DPA

Der Münchner Autohersteller BMW investierte früher als die Konkurrenz in Elektroautos: Drei Milliarden Euro steckten die Bayern in die Entwicklung ihres Elektroautos i3, das seit 2013 verkauft wird. Ein Verkaufsrenner wurde der 35.000 Euro teure Kleinwagen mit ursprünglich 150 Kilometern Reichweite nicht. Zwar hat BMW per Ende 2017 mehr als 100.000 Elektroautos und Plugin-Hybride verkauft. Trotzdem verabschieden sich die Münchener nun von ihrem Sonderweg, teure und technisch aufwändige Karbonkarosserien für Elektroautos zu bauen.

Dazu passt auch, dass die einstigen i3-Vordenker bei BMW längst von Bord gegangen sind. Statt die i3-Architektur weiterzuentwickeln, rüsten die Münchner nun lieber ihre herkömmlichen Fahrzeuge auf Teil- oder Vollelektroantrieb um. Oberster Schirmherr für die Elektrifizierung war in den vergangenen Monaten BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich (57). Er kündigte zuletzt 25 elektrifizierte Fahrzeuge bis 2025 an, davon zwölf mit reinem Batterieantrieb. Der studierte Maschinenbauer und erfahrene Benzinmotorenentwickler arbeitet seit 30 Jahren bei BMW. Von 2007 bis 2012 leitete er die Marken- und Produktstrategie des Münchener Autoherstellers.

Seine rechte Hand für die Elektrifizierung der BMW-Flotte ist der neue Chef der Submarke BMW i, Robert Irlinger. Der promovierte Ingenieur entwickelt nun einen Elektrobaukasten für alle BMW-Modellreihen. Als Schnellschuss elektrifiziert BMW bis 2020 den Mini und danach den SUV X3. Denn die große Elektrooffensive der Bayern startet später als die der Konkurrenten: Die auf der IAA vorgestellte Elektroauto-Studie i Vision Dynamics mit 600 Kilometern Reichweite dürfte frühestens 2021 in Serie gehen.

Audi: Entwicklungsvorstand fungiert als "Mr. e-tron"

Peter Mertens ist seit Mai 2017 Audis Technikchef

Peter Mertens ist seit Mai 2017 Audis Technikchef

Foto: Audi

Audi bringt sich als erster deutscher Premiumhersteller direkt gegen Tesla in Stellung: Im August bringt Audi den E-Tron Quattro auf den Markt, ein Elektro-SUV mit 500 Kilometer Reichweite, der in 4,6 Sekunden auf 100 km/h schießt. Einen offiziellen Preis für den Wagen hat Audi noch nicht genannt, er dürfte aber über 80.000 Euro für die Basisversion liegen.

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Zwar gibt es einen eigenen Projektleiter für den Bau des Strom-Boliden, doch die Fäden für Audis Elektro-Modelle laufen beim Entwicklungschef zusammen: "Peter Mertens ist unser Mr. E-Tron", heißt es bei Audi. Der promovierte Produktionstechniker ist seit Mai 2017 Vorstand Technische Entwicklung der Vier-Ringe-Marke. Mertens (56) startete seine Karriere bei Daimler, hat aber auch als Baureihenleiter für Opel gearbeitet und war von 2011 bis Anfang 2017 Entwicklungschef bei Volvo.

Und er hat noch einiges an Arbeit vor sich: Kurz nach dem Elektro-SUV-Start will Audi eine Coupé-Version auf den Markt bringen. Bis 2025 wollen die Ingolstädter mindestens fünf reine Stromautos im Programm haben. Diese sollen in Zusammenarbeit mit der Mutter Volkswagen und der Konzernschwester Porsche entstehen. Künftig sollen sich Audis Oberklassemodelle A8 und A9 eine Elektroplattform mit Porsches Panamera teilen. Auf der Basis von Porsches Supersportler Mission E, der ab 2020 in den Verkauf kommt, soll ein weiteres Audi-Elektromodell entstehen.

Porsche: Elektromobilität ist oberste Chefsache

Porsche-CEO Oliver Blume baut den Sportwagenhersteller zum Elektro-Angreifer um

Porsche-CEO Oliver Blume baut den Sportwagenhersteller zum Elektro-Angreifer um

Foto: Porsche

Der Zuffenhausener Sportwagenbauer bringt 2019 einen Elektro-Supersportwagen zu den Händlern. Der vorläufig "Mission E" getaufte Bolide soll in stärkster Motorisierung in 3,5 Sekunden auf 100 km/h sprinten, eine Reichweite von 500 Kilometer mit vollgeladener Batterie bieten - und sich an Schnellladesäulen in nur 15 Minuten zu 80 Prozent aufladen lassen. Kosten dürfte er wohl mehr als 100.000 Euro.

Porsche-CEO Oliver Blume (49) ist laut Auskunft der Zuffenhausener derjenige, der das Thema Elektromobilität im Konzern maßgeblich vorantreibt. Er will den Sportwagenbauer innerhalb weniger Jahre zur Elektroauto-Marke umbauen. Schon im Jahr 2023, so sehen es Blumes Pläne vor, könnte jeder zweite Porsche einen Elektroantrieb haben. Der Nachfolger von Porsche Kompakt-SUV Macan, der 2022 auf den Markt kommt, soll dann nur mehr mit Elektroantrieb angeboten werden.

Seine rechte Hand für die unmittelbare Stromer-Zukunft ist Stefan Weckbach, der Baureihenleiter des Mission E. Der promovierte Ingenieur, der seit 2008 für die Sportwagenschmiede arbeitet, hat vor seiner Elektro-Mission die neue Generation des Porsche 718 Boxster auf die Straße gebracht.

Opel: Wichtigster E-Auto-Manager sitzt in Paris

Christian Müller, Geschäftsführer Engineering Opel Automobile GmbH und Entwicklungschef der Rüsselsheimer

Christian Müller, Geschäftsführer Engineering Opel Automobile GmbH und Entwicklungschef der Rüsselsheimer

Foto: Opel
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Autogramm Opel Ampera E: Mission Possible

Foto: Opel

Gut 400 Kilometer Reichweite im Alltag zu einem Preis unter 40.000 Euro - das versprach Opel im Herbst 2016, als die Rüsselsheimer ihr Elektromodell Ampera-E in Paris präsentierten. Seit die langjährige Opel-Mutter General Motors die deutsche Marke an den französischen Autohersteller PSA Peugeot Citroen verkaufte, sind jedoch kaum Opel-Stromer ausgeliefert worden. Der einstige Projektleiter für den Ampera-E, Ralf Hannappel, wechselte im Juli 2017 zu Jaguar Land Rover.

Unter der neuen Mutter PSA verfolgt Opel eine neue Elektromobilitäts-Strategie. Statt eines einzelnen Elektro-Vorzeigemodells soll nun in den kommenden Jahren die gesamte Opel-Modellpalette schrittweise elektrifiziert werden. Ab 2020 will Opel vier elektrifizierte Modelle anbieten, darunter auch den Ampera-E, von dem Lohscheller "so viele Modelle wie möglich" von GM zu bekommen versucht. Solche Bezugs-Problem dürfte er beim für 2020 geplanten E-Corsa und der Hybrid-Version des SUV Grandland nicht haben. Ab 2024 will Opel sämtliche Baureihen auch mit Batterie- oder Plugin-Hybridantrieb anbieten.

Wichtigster Elektroantriebs-Mann in Rüsselsheim dürfte Opels Technikchef Christian Müller (48) werden: Der Maschinenbau-Ingenieur ist seit August Geschäftsführer Engineering bei Opel. Davor leitete er GMs europäische Antriebsstrang-Abteilung und war als Programmmanager für mehrere Motorenprogramme in Turin zuständig. Sein oberster Ansprechpartner für Elektroantriebe sitzt in Paris: Alain Raposo leitet seit Juli 2017 PSAs neu gegründete Einheit Elektromobilität, die im Strategieteam von PSA-Vorstand Patrice Lucas angesiedelt ist. Der studierte Ingenieur Raposo arbeitete zuvor jahrelang für PSAs Erzkonkurrenten Renault, wo er ab 2014 die Einheit Antriebsstrang und Elektroauto-Engineering führte.

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