Montag, 6. April 2020

Elektroauto für 15.000 Euro geplant Warum sich Dacia als Elektroauto-Billigheimer versuchen will

Für China hat Renault den K-ZE mit entwickelt, Dacia will eine EU-Version für 15.000 Euro anbieten.

Die rumänische Renault-Tochter Dacia verkauft sich seit Jahren ziemlich erfolgreich als der Aldi unter den Automarken: Ihre günstigen Autos seien für all jene gedacht, die kein Statussymbol brauchen, tönt die Dacia-Werbung. Den Kleinwagen Sandero bietet die Marke ab rund 7000 Euro als Neuwagen an, den Kompakt-Kombi Logan MCV ab 8000 Euro, und der SUV Duster kostet in Basisversion gerade mal 11.500 Euro.

Dennoch bekommt Dacia in Europa ein Problem: Die ab 2020 geltenden strengeren CO2-Grenzwerte werden auch im Niedrigpreissegment den Einbau teurerer Abgasreinigungstechnik erforderlich machen. Die strikteren CO2-Regelungen sind einer der Gründe dafür, warum sich viele große Autohersteller langsam aus dem Kleinstwagen-Segment zurückziehen - oder Hybride in allen Baureihen anbieten.

Der parallele Einsatz von Elektro- und Verbrennungsmotoren ist den Rumänen aber offenbar zu kostspielig. Die Renault-Tochter erwägt zum einen den stärkeren Einsatz von Flüssiggasmotoren, wie die Fachzeitschrift "Automobilwoche" vor Kurzem berichtete. Zum anderen will die Automarke auch ein eigenes Elektromodell anbieten. Natürlich zum Kampfpreis, wie Renault-Manager gegenüber der Zeitschrift bestätigten.

Denn bei der Mutter-Renault gibt es ein Modell, dass sich bestens für Dacias Günstig-Strategie eignet: Den Elektro-Klein-SUV K-ZE, den Renault für den chinesischen Markt entwickeln ließ - unter Mithilfe von Renaults Billigauto-Profi und Logan-Urvater Gerard Détourbet. In China wird der nur 3,74 Meter lange Wagen seit Kurzem ab rund 8000 Euro angeboten.

Er wurde innerhalb von nur drei Jahren in einem Joint-Venture mit dem chinesischen Hersteller Dongfeng konzipiert. In der Produktion ist er konsequent auf günstig getrimmt. Die Entwickler achteten aber wie schon bei dem für Indien entwickelten Günstig-SUV Kwid darauf, dass der Wagen innen und außen nicht nach Billigheimer anfühlt.

44 Elektro-PS müssen in China reichen

Leistungswunder ist der K-ZE mit seinem 33 kW (44 PS) starken Elektromotor keines (Details dazu hier). In China ist die Höchstgeschwindigkeit des Wagens auf 105 km/h limitiert, die größte erhältliche Batterie ist mit knapp 26 kWh vergleichsweise bescheiden dimensioniert. Da der Elektro-SUV aber inklusive Batterie unter einer Tonne wiegt, sind damit Reichweiten von bis zu 270 Kilometer nach NEFZ-Fahrzyklus drinnen - mehr als ausreichend also für Stadtfahrten und auch mal für Langstreckenfahrten mit mehreren Ladestopps.

Allerdings ist der K-ZE aktuell nur für die laxeren chinesischen Sicherheitsanforderungen ausgelegt. Wie ein Renault-Manager gegenüber der Automobilwoche erklärte, muss der Wagen für einen Marktstart in Europa noch abgeändert werden. Er wird wohl auch unter einem anderen Modellnamen als dem Kürzel K-ZE verkauft.

Bereits 2021 soll der Elektro-SUV nach Europa gebracht werden, heißt es in dem Bericht. Offenbar will Dacia nicht nur die Sicherheitsstandards nach oben schrauben, sondern möglicherweise auch die PS-Zahl etwas erhöhen. Denn ein Renault-Manager versprach für den Wagen 250 Kilometer Normreichweite - was auf einen etwas stärkeren Motor als in der China-Basisversion schließen lässt.

Trotzdem soll der Wagen dem Vernehmen nach zu einem Kampfpreis in den Markt gehen. Der Wagen soll in Europa rund 15.000 Euro inklusive Batterie kosten - in Deutschland könnte er also abzüglich der Umweltprämie nur 10.000 Euro kosten.

Ein solcher Preis dürfte den Markt kräftig aufmischen: Denn selbst aufs Günstig-Segment zielende deutsche E-Auto-Start-ups wie E.Go oder Sono Motors liegen mit ihren Basismodellen über der 20.000 Euro-Schwelle.

Warum Renault nun seinen Elektro-Verkaufsschlager Zoe aufwertet

Dacia dürfte so auch dem erfolgreichsten Elektro-Modell der Mutter ein Stück weit Konkurrenz machen: Mit knapp 38.000 Verkäufen von Januar bis Oktober landete Renault Elektro-Kleinwagen Zoe hinter Teslas Model 3 (rund 64.400 Verkäufe) zuletzt auf Platz zwei der Elektroauto-Neuzulassungen in Westeuropa, wie Marktdaten des auf Elektroautos spezialisierten Autoanalysten Matthias Schmidt zeigen. Rund 40 Prozent der Zoe-Neuzulassungen in Westeuropa entfallen übrigens auf sein Heimatland Frankreich.

Zoe-Käufer müssen für das Basismodell in Deutschland knapp 17.500 Euro nach Abzug der Umweltprämie zahlen. Dazu kommen noch monatlich 74 Euro Batteriemiete - oder einmalig zusätzliche 8000 Euro für den Batteriekauf. Teslas aktuell in Deutschland angebotene Basisversion, das Model 3 Standard Range Plus, ist mit 44.400 Euro fast doppelt so teuer, eine Batteriemietgebühr gibt es bei den Kaliforniern allerdings nicht.

Vor Kurzem hat Renault den Zoe allerdings mit stärkerem Akku, einem modernisierten Innenraum und besseren Assistenzsystemen aufgepeppt: Selbst die Basisversion wird nun mit einem von 22 kWh auf 41 kWh vergrößerten Akku ausgeliefert, der laut Renault-Angaben für bis zu 300 Kilometer Reichweite sorgen soll. Den Preis für die Basisversion hat Renault aber beinahe gleich gelassen.

Mit dem Upgrade bringt sich Renault gegen die nun startende Elektro-Konkurrenz von Peugeots e-208, Opels Corsa-e und auch dem VW ID.3-Basismodell in Stellung.

Ab 2021 wird Renault dann die zweite Generation seines Zoe ausliefern, vermutlich mit nochmal vergrößertem Akku. Die Rolle des Elektro-Billigheimers übernimmt dann wohl endgültig die Tochter Dacia - ein Vorgehen, das sich bereits bei Verbrennerfahrzeugen bewährt hat.

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