Chefwechsel Batteriepartner Panasonic schasst Tesla-Fürsprecher

Tesla könnte in seiner Gigafactory in Nevada Gegenwind bekommen: Der japanische Batteriezellenpartner Panasonic wechselt den CEO aus, Elon Musks oberster Unterstützer muss gehen. Die Kooperation galt schon zuvor als brüchig.
Ablösung bei Panasonic: Teslas Batteriepartner beruft den Tesla wohlgesonnenen CEO Kazuhiro Tsuga (links) ab, sein Nachfolger wird der bisherige Leiter der Autosparte, Yuki Kusumi (rechts).

Ablösung bei Panasonic: Teslas Batteriepartner beruft den Tesla wohlgesonnenen CEO Kazuhiro Tsuga (links) ab, sein Nachfolger wird der bisherige Leiter der Autosparte, Yuki Kusumi (rechts).

Foto: via www.imago-images.de / imago images/Kyodo News

Die langjährige Zusammenarbeit zwischen dem japanischen Elektronikkonzern Panasonic und dem US-Autobauer Tesla steht vor einer Bewährungsprobe. Denn die Japaner wirbeln ihr Management um. Panasonic ernennt den Chef seiner Autosparte zum Vorstandsvorsitzenden. Yuki Kusumi werde zum 1. April Nachfolger von Kazuhiro Tsuga (63), teilte Panasonic mit. Mit Tsuga geht einer der wichtigsten Unterstützer von Tesla-Chef Elon Musk (49) bei dem japanischen Konzern von Bord.

Tsuga hatte die Führung bei Panasonic Mitte 2012 übernommen  und bei dem auf Verbraucherelektronik fokussierten Konzern ein neues Standbein aufgebaut: Unter seiner Führung weitete Panasonic die Produktion von Batterien und Maschinen für Fabriken stark aus. Seit dem Start des Tesla Roadster im Jahr 2009 belieferte Panasonic Tesla mit Lithium-Ionen-Zellen.

Ab 2015 knüpften beide Seiten noch engere Bande: Panasonic investierte nicht nur weit über zwei Milliarden Dollar in Teslas Riesenbatteriefabrik, die "Gigafactory" in Nevada. Die Japaner versorgten Tesla auch mit den Maschinen und Fachpersonal, das die Produktion der Lithium-Ionen-Zellen in Nevada anschob.

Schuldzuweisung per Twitter - Bruch mit der Konsenskultur

Das lange Zeit innige Verhältnis bekam aber mit dem Beginn der Model-3-Produktion Risse: Musk warf Panasonic in mehreren Tweets vor, dass Schwierigkeiten bei der Zellenproduktion der Hauptgrund seien für die "Produktionshölle", wie Musk die Anlaufschwierigkeiten beim Start des Massenmodells bezeichnete.

Die konsensorientierten Japaner sollen darüber alles andere als erfreut gewesen sein. Musks enormer Druck kostete Panasonic nicht nur viel Geld, wie das "Wall Street Journal" vor gut zwei Jahren berichtete.  Das Verhältnis der beiden Partner kühlte dadurch auch merklich ab und gilt seither als ziemlich angespannt. Ein echter "Kulturschock" sei das, urteilte das "Wall Street Journal" im Oktober 2019 .

Tesla will sich schon lange von Panasonic freischwimmen

Zur Aufregung auf Seite der Japaner dürfte wohl auch beigetragen haben, dass Tesla sich offensichtlich nicht mehr eng an die Partnerschaft gebunden fühlt. Vor gut einem Jahr kaufte Tesla den US-Batteriespezialisten Maxwell. Das Unternehmen hält unter anderem ein Patent für eine "trockene" Elektrode, mit der Lithium-Ionen-Batterien schneller ladbar und leistungsfähiger werden könnten - sofern Maxwell die Großserienproduktion seiner Innovation gelingt.

Mehrfach gab es auch Berichte, dass Tesla an eigenen Zellchemien arbeitet. Bei Teslas "Battery Day" im September in Fremont hatte Tesla-Chef Elon Musk über Innovationen in der Batterietechnologie gesprochen, die Hoffnungen auf einen unmittelbaren Durchbruch aber zuvor bei Twitter gedämpft. Ob Partner Panasonic an den Neuerungen beteiligt sei, ließ Musk damals im Unklaren.

Für eine besonders innige Beziehung zwischen den Kaliforniern und Japanern sprach das nicht mehr. Dabei gab sich der nun abberufene Panasonic-Chef Kazuhiro Tsuga noch im Juli 2020 höchst versöhnlich  gegenüber Musk. Agenturberichten zufolge bezeichnete Tsuga damals Musk bei einer Veranstaltung als "Genie".

Er widerspreche geradezu dem gesunden Menschenverstand, soll Tsuga laut Reuters vor jungen Unternehmern in Tokio gesagt haben. Zwar könne Musk übermäßig optimistisch sein, erklärte Tsuga damals. Allerdings ermögliche Musk das auch, unbequeme Wahrheiten zu ignorieren und unbeirrt das Ziel seiner Vision zu verfolgen.

Warum Musk nun in Nevada härtere Zeiten bevorstehen

Immerhin erzielte Panasonic im vierten Quartal 2019 erstmals einen Gewinn in der US-Gigafactory. Allzu lohnend dürfte das Investment bislang aber nicht gewesen sein. Das ist wohl auch einer der Gründe dafür, warum Tsuga jetzt gehen musste.

Der neue Panasonic-CEO Kusumi dürfte die von seinem Vorgänger eingeschlagene Strategie der Diversifizierung beibehalten. Agenturberichten zufolge dürfte er Panasonics wenig rentable Verbraucherelektroniksparte, die etwa bei Fernsehern mit harten Preiskämpfen zu tun hat, weiter verkleinern. Tsugas Konzentration auf Geschäftskunden soll nun von Kusumi wohl beschleunigt werden.

Insider halten eine weitere Überprüfung der breit gefächerten Geschäfte, die von der Herstellung von Gesichtsreinigern bis zu Fahrrädern reichen, für wahrscheinlich. Panasonic kündigte bereits an, im übernächsten Jahr die Firmenstrukturen zu verändern.

Das könnte auch Musk empfindlich treffen. Denn noch kann Tesla ohne entsprechende Partner keine eigenen Zellfabriken bauen. Zwar setzt Musk in seiner Gigafactory in Shanghai auf eine Kooperation mit Chinas Zellenriesen CATL. Wer die Lithium-Ionen-Zellen in Teslas europäischer "Gigafactory" im brandenburgischen Grünheide bauen soll, ist noch nicht bekannt.

In seiner Heimat USA braucht Musk aber das Know-How der Japaner weiterhin. Und da könnte es für ihn sehr schnell sehr viel ungemütlicher als bisher werden.

 

wed/reuters
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